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Ein Stolperer und ein Weltrekord

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Lohn für starke Leistungen: Günter Traub erhält die Glückwünsche von Organisator Frode Eidsmo sowie den Pokal zum neuen 10 000-Meter-Weltrekord in der AK 80 überreicht. Eidsmo trat übrigens auch selbst an und wurde Norwegischer Meister in der AK 60.

Starke Leistungen, aber auch etwas Pech prägten die Auftritte von Eisschnellläufer Günter Traub (DEC Inzell) in Hamar (Norwegen). Dort wurden die Norwegischen Meisterschaften der Senioren ausgetragen, und Traub trat in der Altersklasse 80 in der internationalen Gästeklasse im Großen Vierkampf (Strecken: 500 m - 5000 m - 1500 m - 10 000 m) an.


Mit dem erhofften Vierkampf-Weltrekord in seiner Altersklasse wurde es zwar nichts, weil Traub im 500-m-Lauf fast gestürzt wäre. Doch über 10 000 Meter unterbot das Ehrenmitglied des DEC Inzell die bisherige Bestleistung um mehr als 14 Sekunden!

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Angetan zeigt sich Traub auch vom Ablauf der Wettkämpfe. »Alle Wettkämpfe wurden vom mehrfachen aktiven norwegischen Senioren-Meister Frode Eidsmo aus Oslo und seinem Team bestens organisiert und reibungslos durchgeführt.«

Der Auftakt für Traub verlief äußerst unglücklich. Er musste im 500-m-Lauf auf der unbeliebten Außenbahn antreten, hatte in der ersten Kurve einen Stolperer und wäre fast gestürzt. Damit war der Anfangsschwung weg, und statt der normal von ihm einkalkulierten Zeit zwischen 52 und 53 Sekunden kam er auf 57,92 Sekunden. Damit war die Chance auf den Vierkampf-Weltrekord praktisch schon vergeben.

Schlimmer noch: Der 79-Jährige ging das nächste Rennen über 5000 Meter mit »Wut im Bauch« an – und dadurch vom Tempo her einen Tick zu schnell. So büßte er zum Ende hin noch einiges an Zeit ein und kam auf 9:49,19 Minuten.

Am zweiten Tag erzielte Traub über 1500 m mit 2:41,83 Minuten genau die Zeit, die er sich vorgenommen hatte. »Damit habe ich um 5,27 Sekunden die Leistung Arne Kjell Foldviks unterboten, die er vier Jahre zuvor während seines Vierkampf-Weltrekordes erreicht hatte (2:47,10)«, zeigt sich der Routinier erfreut.

Zum Finale über 10 000 Meter wurde Traub auch von seinem norwegischen Sportskollegen Olav Langeland (AK 60) unterstützt. Dessen Frau Kari zeigte Traub zudem nach jeder Runde an, um wie viele Sekunden er unter der alten Rekordmarke lag.

Trotz aller Unterstützung: Spätestens nach 7000 Metern »fühlte ich mich schon derart müde und auch kraftlos, dass es mir auch dauernd durch meinen Kopf ging: Wie sollte ich nur diese restlichen Runden in der mir vorgegebenen Geschwindigkeit überhaupt noch schaffen?« Traub kämpfte und versuchte, möglichst konzentriert zu laufen, doch »mein rechter Arm – mit dem man in den Kurven den Übersetzungs-Rhythmus unterstützt – pendelte in den Kurven nur noch kraftlos hin und her«, berichtet Traub.

Als jedoch nur noch zwei Runden zu absolvieren waren, sagte der Hallensprecher auf Deutsch durch, dass Traub bereits zwölf Sekunden unter der bisherigen Bestzeit von Foldvik liege. Davon angespornt, überstand der 79-Jährige auch die letzten 800 Meter – und mit 20:12,61 Minuten unterbot er die alte Bestmarke um gut 14,6 Sekunden.

Als sich das DEC-Ehrenmitglied wieder erholt hatte, machte allmählich die Erschöpfung der Freude Platz. »Auch Arne Kjell Foldvik beglückwünschte mich zu meinem neuen Rekord, aber er war offensichtlich auch ganz froh, dass ich ihm seine anderen Rekorde nicht weggenommen hatte«, schmunzelt Traub. who