»Ein sportliches Unikum und ein toller Mensch«

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Gut gelaunt und immer noch sportlich sehr aktiv: der ehemalige Spitzenathlet und Trainer Toni Reiter. (Foto: S. Huber)

»Ein sportliches Unikum, ein toller Mensch, ein guter Mann, ein hervorragender Kletterer«, das sagen ehemalige Weggefährten von Toni Reiter, wenn sie auf ihn zu sprechen kommen. Mittlerweile ist er 77 und lebt in Reit im Winkl.


Er gehört zu den vielen Sportlegenden, die der Chiemgau hervorgebracht hat und das, obwohl er weder Weltmeister noch Olympiasieger wurde. Vielmehr ist es sein Leben, das den ehemaligen Langläufer, Trainer und Bergsteiger geprägt hat. Sechsmal wurde er deutscher Meister im Langlaufen, davon fünfmal mit der Vereinsstaffel des WSV Reit im Winkl. Beinahe hätte es für den Toni auch zur Teilnahme an Olympia gereicht. 1968 war er eigentlich für die Spiele in Grenoble qualifiziert gewesen. »Vielleicht war es ein Fehler, dass ich ein Bayer war«, meint er ohne Groll im Rückblick.

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Arbeit als Trainer als wahre Berufung

Seine Berufung war eh die Arbeit als Trainer mit Athleten wie Peter und Georg Zipfel sowie Jochen Behle. Unvergessen bei den Spielen 1980 in Sarajewo mit dem legendären Reporterspruch von Bruno Moravetz »Wo ist Behle?« In Sarajewo kümmerte sich Reiter auch um die Bretter von Biathlet Peter Angerer, der dort die Sportart aus dem »Dornröschenschlaf« erweckte. Drei Olympische Spiele und vier Weltmeisterschaften erlebte der gebürtige Unterwössner als Trainer. Später übernahm er die weltweite Organisation des Snowboard-Weltcups.

Unterwegs war er auch als Repräsentant einer bekannten Sportartikelfirma. Von 2006 bis 2008 fungierte er als FIS-Beauftragter bei der neu ins Leben gerufenen Tour de Ski mit dem Premierensieg des Traunsteiners Tobi Angerer (SC Vachendorf).

Neben der Liebe zum Langlaufen zog es Toni Reiter bereits in jungen Jahren in die Berge. »Mit 15 Jahren bin ich mit dem Karl Bierdimpfl aus Traunstein mit dem Fahrrad nach Südtirol gefahren. Da haben wir die Drei Zinnen bestiegen«, erinnert er sich. Mit dem Radl ging es zum Beispiel auch nach Zermatt zum Matterhorn. Die schweren Rucksäcke ließen sie sich findigerweise von Autofahrern mitnehmen.

Angefangen hatte die Leidenschaft zum Klettern an der Hörndlwand. Danach folgten alle schweren Wände der Südalpen. Als 19-Jähriger wagte er sich in Alaska an den Mount McKinley, Mi. Russel und Mount Foraker. »In Alaska waren wir mal zehn Tage im Zelt eingeschneit und hatten eine Heidenangst vor Bären«, erzählt er. Das Älterwerden hielt ihn nicht davon ab, weiter gewagte Unternehmungen zu starten. Als 60-Jährigem gelang ihm eine Erstbegehung einer Route am Wilden Kaiser. Zuvor war er bereits dem »Golfvirus« erlegen.

Begonnen hatte seine sportliche Laufbahn aber als Skispringer. Durch den Zoll und die Bundeswehr kam er später zum Langlauf und diese Leidenschaft lässt ihn bis heute nicht mehr los. Darum schnallt er sich – wann immer es geht – die Bretter an und dreht unweit seines Heims in Reit im Winkl seine Runden. Deswegen findet er es bedauerlich, dass die Vereine zwar viele Kinder haben, aber es nicht verstehen, die Talente später in eine Leistungsklasse zu führen. »Da sind die Trainer gefordert. Die Eltern sind einfach nur glücklich, wenn die Kinder beim Training sind. Das ist so, als wenn sie die Kleinen im Kindergarten abgeben.«

Beeindruckt ist Toni Reiter von der Materialentwicklung im Skilanglauf. »Zu meiner Zeit hat es nur Holzbretter gegeben«, meint er. Dann sei der sogenannte »Schier-Ski« aus der gleichnamigen Traunsteiner Skifabrik gekommen – der erste Ski mit einem Kunststoffbelag. »In meiner Zeit haben wir uns mit dem Material intensiv beschäftigt und auch selber gewachselt. Heute fehlt den Sportlern der Bezug zum Ski. Die bekommen mehrere Paar hingestellt und das war es«, so seine Beobachtung.

Große Vorfreude auf die Team-Trophy

Als erfreulich betrachtet es Reiter, dass mit der Chiemgau-Team-Trophy der Langlauf wieder eine Veranstaltung bietet, die vor allem in Reit im Winkl die Langlauf-Tradition wieder zum Leben erweckt. »Das wertet den Ort ungemein auf und bringt auch der gesamten Region was. Wir haben ein sehr gepflegtes Loipennetz. Vor allem im Drei-Seen-Gebiet werden die Teilnehmer voll auf ihre Kosten kommen. Langlaufen ist ein Sport, der den Körper vom Kopf bis zu den Zehen belastet.« SHu

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