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Ein Sportler mit Leib und Seele

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Ein starkes Team aus den TVT-Abteilungen Leichtathletik und Triathlon hat Helmut Otillinger (vordere Reihe, 4. von rechts) für den Traunsteiner Halbmarathon über die Jahre aufgebaut. Dazu gehören, hinten, von links: Michael Otillinger, Robert Kollross,Andreas Grafetstetter, Jochen Scharrer, Georg Thurmayr, Christoph Frei, Christian Ausfelder; vorne, von links: André Wiegand, Christian Vordermayer, Jürgen Wild, Christoph Chaloupka, Armin Hohenadler, Anja Ausfelder, Birgit Reitinger und Maria Schürf.
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Helmut Otillinger ist einer der Väter des Traunsteiner Halbmarathons. Der 2. Vorsitzende des TV Traunstein feiert am heutigen Freitag seinen 70. Geburtstag.

Die Corona-Pandemie hat in diesem Jahr auch die gewohnten Abläufe beim TV Traunstein gehörig durcheinandergewirbelt. Vieles konnte nicht mehr so wie ursprünglich geplant durchgeführt werden. Der Traunsteiner Halbmarathon etwa musste für dieses Jahr ganz abgesagt werden. Einer der Hauptorganisatoren des Laufs, Helmut Otillinger, hatte 2020 dennoch einiges zu tun.


Der ehemalige erfolgreiche Leicht- und Triathlet ist nämlich seit Jahrzehnten als Trainer und in der Führungsebene des Vereins engagiert. Aktuell ist er 2. Abteilungsleiter der Leichtathleten und 2. Vorsitzender des Gesamtvereins.

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Am heutigen Freitag feiert Helmut Otillinger nun seinen 70. Geburtstag. Ganz still und leise mit seiner Familie. »Coronabedingt ist ja gar nichts anderes möglich. Aber auch, wenn alles normal gewesen wäre, hätte ich nicht groß gefeiert«, verrät der Traunsteiner, der lieber jede freie Minute draußen im Freien beim Berggehen oder beim Radfahren verbringt.

Gleich der ersteWettkampf ein Erfolg

Seit er 16 Jahre alt ist, ist Otillinger jetzt schon Mitglied beim TV Traunstein. Damals entdeckte er seine Liebe zum Sport – genauer gesagt zur Leichtathletik. Bei seiner ersten Teilnahme an der Stadtmeisterschaft gewann er gleich im Fünfkampf. Die Trainingsbedingungen damals waren dabei bei weitem nicht so gut, wie sie jetzt sind. »Die Hochsprung-Anlage etwa habe ich mit einem Spezl selbst zusammengebaut«, erinnert er sich zurück.

Am ehemaligen Gelände des 1. FC Traunstein drehte er meistens seine Laufrunden. »Da gab's damals noch eine Rundbahn«, erzählt er. »Allerdings war die Kurve auf der einen Seite nicht richtig ausgebaut«, lacht er. »Aber das ging auch.«

Helmut Otillinger stellte in der Folge mehrere Rekorde auf – unter anderem auch mit der 4 x 400-Meter- und der 3 x 1000-Meter-Staffel. Einer seiner sportlichen Höhepunkte war dabei der Erfolg mit der 4 x 400-Meter-Staffel bei den Deutschen Meisterschaften in Augsburg. »Keiner hat uns damals gekannt«, erinnert er sich zurück. »Und dann sind wir sogar in den Endlauf gekommen.« Damals belegten die Traunsteiner den sechsten Platz. »Das war ein Riesenerfolg, an den ich mich immer gerne zurückerinnern werde.«

Neben dem Fünfkampf startete der Familienvater auch im Zehnkampf. Das Problem dabei war allerdings, dass er das Stabhochspringen aufgrund einer fehlenden Anlage in Traunstein zu wenig trainieren konnte. Der Stab, mit dem damals gesprungen wurde, war übrigens eine Eisenstange. »Die hat sich noch nicht gebogen, wie das jetzt der Fall ist.«

Bei der Oberbayerischen Jugendmeisterschaft in Bad Reichenhall überzeugte er dennoch die Späher des deutschen Verbands. Helmut Otillinger wurde in den Kader für die Olympia-Talente geholt. Fortan durfte er im Winter in Grünwald an einem Talentförderungslehrgang teilnehmen. Einmal die Woche ging's mit dem Zug rauf nach München. »Die Rückfahrt habe ich dann meist nur geschlafen, weil die uns so getriezt haben.« Zwei, drei Jahre lang nahm er an den Lehrgängen teil, dann war wieder Schluss. »Ich hatte neben der Arbeit einfach zu wenig Zeit zum Trainieren.«

Dennoch nahm er aus dieser Phase viel mit – und startete im Alter von 34 Jahren in ein neues Abenteuer. Ab sofort war bei Helmut Otillinger nämlich Triathlon angesagt. »Damals gab's den ersten Triathlon in Immenstadt. Ich habe das gesehen und gedacht, das könnte ich auch mal machen.« Und Otillinger legte 1984 los – und wie. Einer seiner größten Erfolge war die Teilnahme an der Europameisterschaft 1985 in Immenstadt. Damals waren die Distanzen 1,3 Kilometer Schwimmen, 59 Kilometer Radfahren und 12 Kilometer Laufen. »Das war quasi die heutige olympische Distanz mit Verlängerung«, lacht er.

Für die EM-Vorbereitung schrieb sich der Traunsteiner die Trainingspläne selber. »Die habe ich erst letztens wieder in der Hand gehabt, die waren knallhart«, betont er. Der Erfolg gibt ihm aber noch immer recht: Otillinger belegte am Ende einen Platz unter den Top 15. »Das war schon ganz gut«, gibt er sich bescheiden. Und er ergänzt: »Beim Schwimmen war ich immer eher im letzten Drittel, aber beim Radfahren und Laufen haben ich dann das Feld aufgerollt.«

Die Zeiten von damals sind mit den heutigen nicht mehr zu vergleichen, findet er. Nur eines ist gleich geblieben: »Auch damals haben wir uns geplagt.« Vielleicht seien die Sportler damals nicht ganz so verbissen gewesen wie jetzt, fügt er hinzu. »Und unsere Ausrüstung war noch nicht so professionell.«

Helmut Otillinger erinnert sich auch immer wieder gern an das Spiel ohne Grenzen zurück. 1976 nahm er an der beliebten Fernsehshow mit einer Traunsteiner Mannschaft teil. »Da waren Kondition und Geschicklichkeit gefragt«, erinnert er sich. »Am Ende haben wir nur um einen Punkt das Finale in Blackpool verpasst. Aber auch so war es eine tolle Zeit.«

Was bemerkenswert ist, neben seiner Familie und seinem eigenen Training, schaute der Sportler mit Leib und Seele auch schon immer auf die anderen Athleten. Er machte früh den Übungsleiterschein und gab seine Erfahrungen an den Nachwuchs, aber auch an die älteren Sportler gerne weiter. »Mittlerweile habe ich mich da aber ein wenig zurückgezogen«, erzählt der ehemalige 1. Abteilungsleiter der TVT-Sparten Leichtathletik und Triathlon. »Wenn ich aber gebraucht werde, dann bin ich gerne da.« Er freue sich immer, wenn das Training Früchte trage und die Kinder und Jugendlichen erfolgreich seien.

Eine Erfolgsgeschichte begann auch 2009. Hans Praxenthaler kam davor auf Helmut Otillinger zu – mit der Idee eines Traunsteiner Laufs im Gepäck. Otillinger war sofort Feuer und Flamme dafür und so ging 2009 eben der 1. Traunsteiner Halbmarathon über die Bühne. Mittlerweile ist der Lauf fest etabliert und viele Läufer aus Nah und Fern stehen am Muttertag am Traunsteiner Stadtplatz an der Startlinie. »Die Arbeit hat sich gelohnt«, freut sich der Traunsteiner, der ein wahres Organisationstalent ist.

Dem Sport wird Helmut Otillinger immer treu bleiben. »Er hat mir viel gegeben«, sagt er. Dennoch will er sich zumindest auf Funktionärsebene auch mal zurückziehen. »Ich weiß aber noch nicht genau, wann das sein wird.« Sicher ist. »Ich werde eher still und heimlich abtreten.« Denn eines mag Helmut Otillinger so ganz und gar nicht: im Mittelpunkt stehen – auch nicht an seinem heutigen 70. Geburtstag. SB

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