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»Ein Schlag gegen das Ehrenamt«

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Der neuerliche Stillstand im Amateursport bereitet ihr Sorgen: Claudia Daxenberger, Vorsitzende des BLSV-Bezirks Oberbayern. Foto: media-management@wacker.com

Der erste Lockdown war ein herber Rückschlag, der zweite trifft die Amateurclubs wieder hart: Sorgen bereitet dies auch Claudia Daxenberger, der BLSV-Bezirksvorsitzenden von Oberbayern. Bei den Vereinsmitgliedern befürchtet die 50-Jährige weitere Abgänge.


»Besonders jetzt am Jahresende macht mir das Bauchschmerzen. Denn gerade zu dieser Zeit entscheiden ja die Leute oft darüber, ob sie Mitglied bleiben oder den Verein verlassen.« Daher richtet sie einen Appell an alle Sportbegeisterten: »Ich hätte den Wunsch, dass man die Vereine unterstützt und Mitglied bleibt.«

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Schon der erste Stillstand im Frühjahr hatte sich deutlich negativ ausgewirkt: Von den 3164 Vereinen im Bezirk mit knapp 1,7 Millionen Mitgliedern wurde ein Schwund von gut fünf Prozent – insbesondere beim Nachwuchs – der Mitglieder verbucht, »da gab es nicht nur in unserem Kreis, sondern auch in ganz Oberbayern massive Einbrüche«, bedauert die Truchtlachingerin.

Das geschah nicht nur deshalb, weil im Sport weder Aktivität noch ein Gemeinschaftserlebnis möglich waren. Es lag auch an der wirtschaftlichen Situation vieler Familien, die durch die Krise von Kurzarbeit oder sogar teilweise von Arbeitslosigkeit getroffen wurden. »Da schaut man natürlich, wo man Kosten reduzieren kann« – was wiederum auch zu Austritten geführt habe.

»Vereine habenHausaufgaben gemacht«

Dass nun abermals praktisch der gesamte Amateursport wieder lahmgelegt sei, enttäuscht Daxenberger sehr. »Wir haben tolle Leute in den Vereinen. Die haben ihre Hausaufgaben gemacht und die BLSV-Vorgaben genau umgesetzt, tolle Hygienekonzepte erarbeitet.« Da seien die neuen Einschränkungen schon »ein Schlag gegen das Ehrenamt.«

Finanzielle Hilfen für den Amateursport sind derzeit kaum zu erwarten. Für Bundesmittel – wie für einen Teil des Profisports – sind die Amateurclubs nicht antragsberechtigt. Im Rahmen der Sportförderung des Freistaats wurden zwar die Fördermittel verdoppelt – allerdings konnten diese Mittel zum Beispiel von den 160 Vereinen des BLSV-Kreises Traunstein nur etwa 40 überhaupt beantragen.

Ein weiteres Problem: Die Vereine – gerade im hiesigen Landkreis – »haben meist extrem günstige Mitgliedsbeiträge. Daher haben sie häufig durch zusätzliche Aktivitäten das Geld verdient, das sie nötig hatten, um ihr vielseitiges Angebot auch finanzieren zu können.« Zu den zusätzlichen Aktivitäten gehörten sportliche Veranstaltungen, aber auch Aktionen wie Faschingsbälle etc., die nun ausfallen. Die daraus resultierenden Einnahmen fallen weg, »doch die Unterhaltskosten für Liegenschaften etc. bleiben fast alle gleich. Und auch die Hygienemaßnahmen – wie etwa zahlreiche Desinfektionsspender – kosten ja Geld.«

Dies führe zu »extremen Herausforderungen für die Vereine. Allein mit Mitgliedsbeiträgen wird dies nicht zu stemmen sein.«

Zumal möglicherweise auch beim Sponsoring Einbußen drohen. »Viele Firmen sind ja auch von der Krise betroffen. Manche sind finanziell selbst gebeutelt, da können sie sich zum Teil nicht mehr so engagieren wie gewohnt«, befürchtet Daxenberger. »Dieses Thema wird uns wohl auch noch länger beschäftigen.«

Angesichts dieser Sorgen versuche der Verband, die Vereine durch vielfältige Aktivitäten zu unterstützen. Dazu gehörte schon im ersten Lockdown ein »enger Schulterschluss mit dem Ministerium.« Zum einen habe man sich immer wieder für Lockerungen eingesetzt, zum anderen wurde ein Stufenplan entwickelt: Erst Sport mit wenigen Personen, dann mit mehr Personen, anschließend Öffnung der Hallen und letztlich die Freigabe auch für Mannschaftssport, so lautete die Priorität der Erleichterungen. Auch bei allgemeinen Fragen gab es Hilfe. »Es gibt oft sehr kurzfristige Änderungen vom Freistaat, daher haben wir das dann auch immer auf der BLSV-Hotline veröffentlicht.«

Infos für Vereineals wichtige Aufgabe

Für Daxenberger selbst entstanden ebenfalls neue Aufgabengebiete. Während in Sachen Vereinsleben und Veranstaltungen (unter anderem Jubiläen) – bei denen ja meist BLSV-Vertreter anwesend sind – fast alles komplett ausfiel, »gab es oft wegen konkreter Anfragen viel zu tun. Diese kamen oft von Vereinen oder Übungsleitern, die wissen wollten, ob ihr Konzept so passt« – gerade im Hinblick auf die Hygienemaßnahmen.

Problematisch sind neben den Kontaktbeschränkungen auch die Hallenschließungen. »Das trifft uns sehr, weil die ganzen Übungsleiter-Fortbildungen – die zur Lizenzverlängerung notwendig sind – im Frühjahr abgesagt werden mussten. Diese sollten in der Zeit vom November 2020 bis Ende Januar 2021 nachgeholt werden – nun müssen sie wieder ausfallen.« Am Engagement der Übungsleiter mangelt es nicht, und daher versucht der Verband die Ausfälle abzufedern, indem er teilweise virtuelle Schulungen anbietet.

Großes Engagementgibt Hoffnung

Trotz aller Probleme: Das große Engagement vieler Ehrenamtlicher in den Vereinen macht Daxenberger Mut. Außerdem hatte sie schon im Frühjahr während des Lockdowns festgestellt: »Die Menschen wollen ja sportlich aktiv sein. Da hat man Leute beim Joggen gesehen, die das schon lange nicht mehr gemacht hatten.« Auch im eigenen Verein – dort hat sie die Betreuung der Seniorengruppe übernommen – habe man nach der Wiederaufnahmen des Sportbetriebs gesehen, »wie glücklich die Leute darüber sind, dass wieder etwas gemeinsam passiert – auch wenn sie ihre Übungen eben mit viel Abstand machen mussten.«

So hofft Daxenberger zum einen auf die große Sportbegeisterung in der Bevölkerung, zum anderen auf die gute Arbeit der Vereine selbst. Schon nach dem ersten Lockdown hätten sich die Übungsleiter hochmotiviert gezeigt, als es wieder losging. »Viele Vereine haben sich auch im Frühjahr schon tolle Aktionen einfallen lassen«, lobt sie. Sobald Lockerungen möglich sind, könnte das abermals passieren – und damit den Vereinen wieder bessere Aussichten bescheren. who

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