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»Ein echtes Lebenszeichen« des deutschen Skilanglaufs

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Vor allem sein fünfter Platz im Sprint war überzeugend: Anian Sossau. (Foto: Hohler)

Eine positive Bilanz aus deutscher, aber auch eine ordentliche Bilanz aus regionaler Sicht gab es bei den Junioren-Weltmeisterschaften der Skilangläufer in Oberwiesenthal. Dabei hatte die deutsche Mannschaft insgesamt vier Medaillen geholt.


Pech hatte allerdings die deutsche U-23-Staffel der Damen über 4 x 3,3 km. »Unsere dritte Läuferin – die erste im Skating – ging auf die Skating-Runde, aber die Klassik-Runde war ein wenig anders. Dann ist die Polin vor ihr zu früh abgebogen, und unsere Läuferin ist hinterher. Wir haben das auch nicht gemerkt und dachten eher, dass die anderen Teams falsch dran sind«, berichtet Frank Nitsch vom heimischen Stützpunkt-Trainerteam. Der vierten deutschen Athletin passierte das gleiche Missgeschick. So schlug der Jubel über Platz zwei in Enttäuschung um, als klar war, dass Polen und Deutschland aus der Wertung genommen würden.

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In der Staffel der männlichen U 23 liefen Jakob Milz ((SV Oberreute), Jan-Friedrich Doerks (SCM Zella-Mehlis), Anian Sossau (SC Eisenärzt) und Friedrich Moch (WSV Isny) auf den siebten Platz, wobei der Rückstand auf Rang 4 gering war. »Moch hat als Schlussläufer sogar die Bestzeit erzielt, aber das hat nicht mehr ganz gereicht. In der Staffel waren alle auch schon etwas platt von den vorherigen Wettkämpfen.«

Das galt auch für Sossau. Im 30-km-Massenstart hatte er sogar aussteigen müssen. »Da fühlte er sich energetisch nicht wohl. Zwischendurch hatte er auch noch einen kleinen Sturz mit Stockbruch.«

Sossau im Sprint mit guter Leistung

Dafür hätte der Eisenärzter im Sprint beinahe eine Medaille »abgeräumt«. Im Finale der beste Sechs aber ging ihm »auf der schweren Sprintstrecke mit einem langen Anstieg ein wenig die Kraft aus. Während der Saison hat er den Maxim eigentlich immer geschlagen, diesmal war eben der besser«, so Nitsch über den fünften Platz Sossaus, bei dem Maxim Cervinka (Bertsdorfer SV) als Dritter eine Medaille für Deutschland geholt hatte. »Auch wenn es für ihn ärgerlich ist: Er muss trotzdem mit seinem Ergebnis zufrieden sein, schließlich hat er sich sehr gut verkauft«, lobt Nitsch den 20-Jährigen.

Auch Jonas Schröter (SCMK Hirschau/Stützpunkt) hatte im Saisonverlauf schon Cervinka geschlagen, in Oberwiesenthal »konnte er seine Leistung nicht ganz abrufen, er hatte sich schon seit dem vorherigen Wettkampf in Oberstdorf nicht ganz fit gefühlt.« Schröter, der am ersten Wettkampftag seinen 20. Geburtstag gefeiert hatte, »war zwar etwas frustriert. Aber im Sprint entscheiden Kleinigkeiten darüber, ob man es in die Finalläufe schafft. Insgesamt war es eine positive Saison für ihn, vor allem im Sprint hat er einen Schritt nach vorn gemacht. Und es war wichtig für ihn, dass er einfach mal WM-Luft geschnuppert hat.«

Knapp verpasst hatte auch Miriam Reisnecker (SCMK Hirschau/CJD) vom Stützpunkt die Sprintfinals. Die 16-Jährige hatte als 37. nur geringen Rückstand auf Rang 30. »Für sie war ja schon die Teilnahme ein großer Erfolg, alles andere wäre ein Bonus gewesen. Sie hat auch viel WM-Flair aufgesaugt«, sieht Nitsch die Teilnahme des Team-»Kükens« als wertvolle Erfahrung für die Zukunft. »Sie ist ja noch Schülerin, und man muss vor allem auch wegen ihrer Leistungen im Vorfeld sehr mit ihr zufrieden sein. Wir werden in den nächsten Jahren mit ihr sehr viel Spaß haben«, zeigt sich der Trainer zuversichtlich.

Bei Florian Knopf (SLV Bernau) hatte er »im Vorfeld ein gutes Gefühl. Im Einzelstart hat er sein Können nicht ganz abgerufen, aber da waren auch die Bedingungen schwierig«, kommentiert Nitsch den 36. Platz des 20-Jährigen, der heuer erstmals in der U-23-Klasse antreten musste. »Er hat sich für einen No-Wax-Ski entschieden, im Nachhinein wär wohl ein Wachs-Ski besser gewesen.« Dafür habe Knopf aber über 30 km Freistil im Massenstart sein Potenzial abrufen können. »Er hat lange in der Verfolgergruppe mitgehalten. Die haben ein hohes Tempo angeschlagen, und am Ende hat er mit Rang 14 sein Ziel – die Top 15 – erreicht. Das war ein starkes Rennen, zumal ihm zu Platz acht nur wenige Sekunden gefehlt haben.«

Die Mixed-Staffel als »interessantes Format«

In der U-23-Mixed-Staffel (7.) war Knopf nicht dabei. Antonia Fräbel (WSV Asbach), Janosch Brugger (WSG Schluchsee) und Richard Leupold (SK Dresden-Niedersedlitz) hatten sich sehr gut gehalten, Schlussläuferin Coletta Rydzek (SC Oberstdorf) ging als Sprint-Spezialistin »am Schluss ein wenig die Kraft aus. Aber diese Mixed-Staffel ist ein interessantes Format, das hat allen sehr viel Spaß gemacht.«

Spaß machte auch der Prolog von Alexandra Danner (SC Lenggries/Stützpunkt): Da erreichte sie den 14. Platz und durfte auf ein gutes Ergebnis hoffen. Doch in ihrem Viertelfinale »hatte sie einen schwachen Start und kam dann einfach nicht mehr an ihren Konkurrentinnen vorbei. Dadurch ist sie leider gleich ausgeschieden« – was letztlich »nur« den 26. Platz bedeutete.

Für die 20-Jährige – ebenfalls in ihrem ersten U-23-Jahr – »war auch deshalb die WM-Teilnahme wichtig, da lernt man unheimlich viel.« Im Massenstart (36. Platz) »war das kein schlechter Wettkampf von Alex. Es war recht warm, und alle waren sehr gezeichnet.« Zudem müsse man auch die Leistungsstärke der internationalen Konkurrenz richtig einschätzen: Die Junioren-Weltmeisterin über 15 km Freistil, Ebba Andersson (22 Jahre), trat nur zwei Tage nach der JWM beim Weltcup an – und wurde prompt Dritte auf der 30-km-Distanz (KT).

Während Nitschs Stützpunktkollege Manuel Schnurrer als Trainer in Oberwiesenthal vor Ort war, gehörte Nitsch zum Serviceteam mit acht Technikern. »Wir haben viel getestet und einen hohen Aufwand betrieben. Aber das braucht man auch, so waren wir vom Material her immer sehr gut dabei.«

Allgemein habe im ganzen Team aus Sportlern, Betreuern, Trainern etc. eine gute Stimmung geherrscht, »und alle haben gemeinsam auch die Medaillen gefeiert. Auch die Helfer in Oberwiesenthal haben hervorragende Arbeit geleistet, alle Trainer aus den verschiedenen Stützpunkten, die Heimtrainer und Verbandstrainer ebenfalls. Die vier Medaillen waren ein echtes Lebenszeichen.«

»Machen zumindest Druck auf die Etablierten«

Und vielleicht könne es ja sogar dem ein oder anderen Talent schon gelingen, 2021 bei der Heim-WM der Erwachsenen in Oberstdorf mit dabei zu sein. »Oder zumindest machen sie Druck auf die Etablierten, die bei der WM dabei sein wollen«, sieht Nitsch gute Chancen, dass es im gesamten deutschen Skilanglauf in der kommenden Saison noch ein Stück weiter nach vorne gehen könnte. who

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