Ein Altmeister und ein Jungspund beim See-Pokal

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Für Philipp Kohlschreiber (links) und Flo Mayer startete ihre Karriere im Herren-Tennis im Jahr 2000 als 16-Jährige in Waging beim See-Pokal. Beide haben nach dem Finale eine überragende Karriere auf der ATP-Tour hingelegt. Gemeinsam stehen beide heute noch beim TC Großhesselohe unter Vertrag. (Foto: Kas)

Nach einjähriger Pause wegen Corona startet heute, Mittwoch, zum 46. Mal beim TC Waging der internationale See-Pokal, ein Wettbewerb der Premium Tour des Deutschen Tennisbundes (DTB). Ab 10 Uhr beginnt die Qualifikation, für die 35 Spieler gemeldet haben. Das 32er-Hauptfeld schlägt dann ab dem morgigen Donnerstag, 13 Uhr, auf. Am Start sind sechs Spieler der Top 100 in Deutschland. An eins gesetzt ist Hannes Wagner (Schießgraben Augsburg), der den See-Pokal zuletzt zwei Mal gewinnen konnte. Mit dabei sind ein Altmeister und ein Jungspund, denen große Aufmerksamkeit gilt.


Der Altmeister heißt Sascha Möller und kommt vom Bundesligisten Kölner THC. Der 34-Jährige ist Vize-Europameister der Herren 30 und seit acht Wochen die Nummer eins der Herren-30-Weltrangliste. Will er das Turnier gewinnen, braucht er fünf Siege in vier Tagen. Nach Runde eins am Donnerstag wird nämlich am Freitag erst das Achtelfinale und dann das Viertelfinale gespielt. Am Samstag folgen ab 11 Uhr die beiden Halbfinals, am Sonntag um 13 Uhr das Endspiel. Es geht um ein Preisgeld von 5000 Euro, allein der Sieger schnappt 1400 Euro.

Der Jungspund heißt Moritz Kudernatsch, ist 16 Jahre, spielt für den TC Großhesselohe, ist aktuell oberbayerischer U-16-Meister und Mitglied der Tennis-Base des Bayerischen Tennisverbandes (BTV) in Oberhaching. Da werden Erinnerungen wach an das Jahr 2000. Damals kamen auch zwei Jungspunde vom BTV, Philipp Kohlschreiber und Flo Mayer. Keiner kannte sie, aber sie standen als 16-Jährige im Endspiel, das Kohlschreiber dann in drei Sätzen gewann. Es war sein erster Sieg bei einem Herren-Turnier. Was folgte, ist bekannt: Acht Titel auf der ATP-Tour, dazu sieben im Doppel, »Kohli« gewann 472 Spiele auf der großen Tour, stand in Wimbledon im Viertelfinale (2012) und war die Nummer 16 im Welt-Ranking. Bei den Olympischen Spielen in Tokio unterlag er kürzlich erst dem French-Open-Finalisten Stefanos Tsitsipas nur ganz knapp.

Zweimal im Viertelfinale von Wimbledon

Die Karriere von Florian Mayer verlief ähnlich erfolgreich. Der gebürtige Bayreuther war die Nummer 18 der Welt, holte zwei ATP-Titel, stand zwei Mal im Viertelfinale von Wimbledon und hat allein an Preisgeldern über sieben Millionen Euro eingespielt, etwas mehr als die Hälfte von Kohlschreiber. Die 800 Euro für die Final-Teilnahme in Waging im Jahr 2000 klingen da recht bescheiden dagegen. Mayer stand wie Kohlschreiber oftmals für den DTB im Daviscup auf dem Platz. Vor zwei Jahren hat »Flo« seine Karriere beendet, kämpft aber zusammen mit Kohlschreiber für den TC Großhesselohe aktuell in der Tennis-Bundesliga noch um die Deutsche Meisterschaft.

Das Feld in Waging kann sich sehen lassen. Hinter dem zweifachen See-Pokal-Sieger Hannes Wagner (DTB 39) sind Michael Weindl (TC Ismaning/DTB 67), Leopold Zima (Rochusclub Düsseldorf/DTB 77), Marcel Stickroth (Blau-Weiß Regensburg/DTB 79) gesetzt. Zwei von drei Wildcards hat Turnierdirektor Marcus Kleißl auch schon vergeben, eine eben an Jungspund Kudernatsch und die zweite an Altmeister Helmut Remböck, der es mit 50 noch einmal wissen will. Remböck spielt Zeit seines Lebens für den SV Wacker Burghausen und gilt in der Szene als sehr beliebter Spieler. 21 Akteure sind über die deutsche Herren-Rangliste für das Hauptfeld qualifiziert, dazu kommen drei Wildcard-Spieler und acht aus der Qualifikation.

Wagner hat die Chance, den See-Pokal als erster Spieler drei Mal hintereinander zu gewinnen. 2018 besiegte er im Finale Philipp Regnat (DRC Ingolstadt) 6:2, 6:3, 2019 war er gegen Dennis Bloemke (TC Neufahrn), den Waging-Sieger von 2007, 6:2, 6:1 erfolgreich. Im letzten Jahr wurde der See-Pokal wegen Corona nicht ausgetragen. Zuvor hatte es nur 2013 und 2014 keinen Wettbewerb wegen Umstrukturierungen gegeben. Ansonsten wurde seit 1973 jedes Jahr gespielt. Doppelsieger in Waging sind der Waginger Sepp Baumgartner (1981 und 1982), der Tscheche Richard Drazny (2001/2005), dessen Landsmann Tomas Jecminek (2006/2009) und Wagner.

In den letzten Jahren hat sich in Waging gezeigt, dass nicht unbedingt der beste Spieler den Siegerscheck mitnimmt, sondern der, der konditionell am besten aufgestellt ist. »Ja, es ist schon kräfteraubend bei uns, vor allem der Freitag mit zwei Spielen, da trennt sich dann die Spreu vom Weizen«, sagt Marcus Kleißl, der am Wochenende mit seinem TC Waging den 50. Geburtstag feierte. Im Geburtsjahr des Vereins ist auch Marcus zur Welt gekommen. Vater Ludwig Kleißl war Vereinsgründer und führte den Club von 1971 bis 2013. Ab 2014 übernahm dann Marcus – eine Konstellation, die bayernweit wohl einmalig ist.

Einige heimische Spieler in der Qualifikation dabei

Während im Hauptfeld mit Remböck bisher nur ein heimischer Spieler steht, sieht es in der Qualifikation schon wesentlich besser aus. Hier sind unter anderem Florian Walcher (TC Reit im Winkl), Valentin Laser (TC Achental Grassau), Matthias Baumgartner und Peter Siglreitmeier (beide TSV Teisendorf), Maximilian Erhardt und Patrick Mayer (beide TC Übersee) sowie Leopold Henss (SV Pang) dabei.

Die Schirmherrschaft hat Wagings Bürgermeister Matthias Baderhuber übernommen. Die Turnierleitung liegt in Händen von Wagings Tennischef Marcus Kleißl in Zusammenarbeit mit Hubert Häcker. Oberschiedsrichter sind Michael W. Hofmann und Andreas Lauer, dem Turnierausschuss gehören an: Ehrenpräsident Ludwig Kleißl, Christian Dengl, Klaus Obermaier, Michelle Ertl, Bernd Ertl, Andrea Beer, Michael W. Hofmann und Andreas Lauer.

Gestartet wird in der Qualifikation und im Hauptfeld mit einem sogenannten »sign-in«. Das heißt, die Spieler müssen sich bei Ankunft eintragen, danach wird ausgelost und dann fliegen die Bälle, einschließlich der heutigen Qualifikation fünf Tage lang.

kk

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