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Ehre, wem Ehre gebührt – »Gold-Wellinger« in Ruhpolding gefeiert

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Sie freuten sich über die Gratulationen des Springer-Nachwuchses: Marinus Kraus (links vorne) und Andreas Wellinger. (Foto: Wukits)

Im gut besuchten Ruhpoldinger Kursaal bereitete die Gemeinde zusammen mit dem Skiclub den Olympiateilnehmern von Sotschi einen feierlichen Empfang. Im Mittelpunkt stand Skispringer Andreas Wellinger (SC Ruhpolding), der im Team die Goldmedaille gewinnen konnte. Zur Feier war auch Teamkollege Marinus Kraus (Oberaudorf) gekommen. Auch der zweite Olympiateilnehmer des SC Ruhpolding, Skicrosser Tommy Fischer bekam seine Ehrung, genauso wie Marco Groß. Groß gewann bei den Junioren- und Jugendweltmeisterschaften im Biathlon zwei Silbermedaillen.


Steinmaßl bedauert Absage

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Landrat Hermann Steinmaßl lobte die große Begeisterung bei den Spielen in Sotschi und bedauerte den verlorenen Bürgerentscheid für Olympia 2022 in der Region. »Wir hätten das auch haben können. Das hat mir sehr weh getan, dass die Mehrheit der Leute das nicht wollte«, so der scheidende Landrat. Ruhpoldings Bürgermeister Claus Pichler sagte, dass Olympische Spiele das höchste Ziel für jeden Sportler seien. Deswegen bekamen alle Sportler auch eine »Ruapadinga Uhr« überreicht. »Damit sie immer darauf sehen, wie lange es zu den nächsten Olympischen Spielen ist«, erklärte Pichler.

In eindrucksvollen Bildern wurde den Besuchern das Mannschaftsspringen von Sotschi noch einmal mit allen Emotionen gezeigt. Unter großem Beifall kamen dann Andreas Wellinger und Marinus Kraus durch ein Spalier von jungen Ruhpoldinger Nachwuchsspringern auf die Bühne zu den Moderatoren Harald von Knoerzer und Herbert Fritzenwenger jun.

»Es war ein spannender Wettkampf und wir waren sehr erleichtert, als unsere Goldmedaille feststand«, schilderte der Weißbacher Andreas Wellinger noch einmal die Ereignisse von Sotschi und verriet danach, dass man in Anbetracht der frühen Schließung des Deutschen Hauses zu den Österreichern weitergezogen war. »Das war sehr lustig mit denen dort«, gab auch Marinus Kraus zu.

Anspannung sehr groß

Aber auch er berichtete über die große Anspannung während des Wettbewerbs und wie konzentriert das Team an diesem Tag gewesen sei. Immerhin gönnt sich Kraus im April einen kurzen Urlaub mit seiner Freundin. Andreas Wellinger dagegen wird in den Osterferien die Schulbank drücken und einiges an Unterricht nachholen.

Eindrucksvolle Bilder wurden aber auch von den Skicross-Bewerben von Sotschi gezeigt. Tommy Fischer brachte es bis ins Viertelfinale und war nicht enttäuscht, dass es nicht zu mehr gereicht hatte. »Es war ein tolles Erlebnis«, meinte er und plauderte anschließend noch ein wenig aus dem Nähkästchen vergangener Tage – und dass Biathlon bei Papa Fritz und ihm nie Thema gewesen ist. »Wir sind als kleine Jungs immer mit dem Papa am Rauschberg Alpin-Skifahren gewesen«, so Tommy Fischer und berichtete über seinen Vater: »Er wollte ja auch Skifahrer werden«, meinte er schmunzelnd.

Einigen auf die Nerven gehen

Dieser lauschte den Ausführungen seines Juniors mit einem breiten Grinsen und erzählte gut gelaunt über seinen bevorstehenden »Unruhestand« nach seinem Rücktritt als Biathlon-Bundestrainer.

»Mal schauen, was ich möglicherweise hier am Stützpunkt noch bewegen kann. Ansonsten kann ich ja zuhause und in Ruhpolding auch einigen auf die Nerven gehen«, meinte Fischer schmunzelnd. Wolfgang Pichler, Russlands scheidender Biathlon-Damentrainer berichtete von dem wahnsinnigen Druck der auf den Trainern bei Olympia gelastet hatte.

»Plötzlich hat man gemerkt, dass man die Nationenwertung gewinnen kann, dann sind sie lockerer geworden«, meinte Pichler. Derzeit liege er in seinem Garten im Liegestuhl und schaue den Rauschberg an. Ab dem 1. Mai werde er dann beim Zoll wieder anfangen, meinte er schelmisch. Eher scheint es aber so, dass Pichler in nächster Zeit wieder ein Traineramt übernehmen wird.

Einen »coolen Auftritt« legte Marco Groß auf der Bühne hin. Der älteste von drei Söhnen von Biathlonlegende Ricco Groß holte bei den Nachwuchsweltmeisterschaften in den USA zwei Silbermedaillen.

»Es waren gute Verhältnisse, Schulklassen haben uns angefeuert und es war saukalt«, erzählte er ganz im Stil seines Vaters. Etwas üben sollte der 18-Jährige aber noch das Anzapfen eines Bierfasses. Das misslang ihm an diesem Abend gründlich.

Großen Beifall erhielt Langläufer Tobias Angerer (SC Vachendorf). Der bald 37-jährige Traunsteiner hat seine Karriere nach dem Ende dieser Saison beendet und freute sich darüber, dass er gerade noch auf den Zug nach Sotschi aufspringen konnte. »Leider ist es dann nicht ganz so gelaufen wie ich wollte. Aber ich habe dort mein Bestes gegeben«, meinte er bescheiden. Der Dritte im Sprint-Langlaufweltcup, Josef Wenzl, sprach von einer für ihn guten Saison. Nur bei Olympia sei es nicht so gelaufen, wie er es sich vorgestellt hatte.

Preuß bleibt in Ruhpolding

Als Vertreter der Stützpunkt-Biathleten zeigten sich Franziska Preuß und Simon Schempp dem Publikum. Preuß sprach von einem guten Einstieg in ihre erste Saison im BiathlonWeltcup. Bei Olympia habe sie viel gelernt und sei gerade dabei, das alles zu verarbeiten.

Auf die Frage von Herbert Fritzenwenger zu den Gerüchten, ob sie dem Stützpunkt Ruhpolding den Rücken kehren würde, antwortete Preuß mit einer klaren Ansage: »Ich werde in Ruhpolding bleiben.«

Einen guten Winter hat Simon Schempp hinter sich. Zwei Weltcupsiege in Antholz und olympisches Silber mit der Staffel stehen zu Buche. Eine weitere Medaille verpasste der Wahl-Ruhpoldinger in der Verfolgung. Nach einem Fehler ausgerechnet beim letzten Schuss wurde es der sechste Platz. Letztendlich rundeten die jungen Ruhpoldinger Turnerinnen und die Band Chiemgau Crew Ruhpolding den gelungenen und kurzweiligen Abend ab. SHu

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