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Dieses Team darf sich keinen Fehler erlauben

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Biathlon-Weltcup-Ruhpolding: Dieses Team darf sich keinen Fehler erlauben
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In diesen Raum dürfen nur die Sportler, die zur Dopingkontrolle ausgesucht wurden, und ein paar Offizielle rein. Rudi Lisowski ist beim Biathlon-Weltcup in Ruhpolding der Chef der Dopingkontrolle. (Foto: Brenninger)
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In diesen Raum dürfen nur die Sportler, die zur Dopingkontrolle ausgesucht wurden, und ein paar Offizielle rein. Rudi Lisowski ist beim Biathlon-Weltcup in Ruhpolding der Chef der Dopingkontrolle. (Foto: Brenninger)

Ein Kühlschrank mit verschiedenen Getränken steht in der einen Ecke, zwei Radl-Ergometer befinden sich mitten im Raum, eine große Couch und ein großer Fernseher stehen auch drin – hier schaut es recht gemütlich aus. Mehrere andere Zimmer schließen sich an diesen Aufenthaltsraum an. In dem kleinen, abgeschlossenen Komplex im Funktionsgebäude der Ruhpoldinger Chiemgau-Arena haben nur ganz wenige Leute Zutritt, denn hier finden die Dopingkontrollen während des Biathlon-Weltcups statt.


Es ist unter anderem der Arbeitsbereich von Rudi Lisowski. Er ist beim Biathlon-Weltcup in Ruhpolding der Chef der Dopingkontrolle. »Das ist ein verantwortungsvoller Posten«, weiß er. Sein Team darf sich nämlich keinen einzigen Fehler erlauben. Alles läuft streng nach einem genauen Fahrplan und den Bestimmungen der internationalen Dopingkontrolleure ab.

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Rudi Lisowski hat sein Team deshalb auch sehr sorgsam ausgewählt. Insgesamt stehen ihm zwölf ehrenamtliche Helfer, sogenannte Chaperones, zur Seite. Sechs Frauen und sechs Männer umfasst die Truppe. Ihre Aufgabe ist es, die Biathleten zur Dopingkontrolle zu begleiten und sie dabei nicht eine Minute aus den Augen zu lassen. Alles wird dabei genauestens dokumentiert.

Bei den Chaperones sei es ganz wichtig, dass diese ihre Aufgabe ruhig und diskret erfüllen. Sie sollen auch nicht aufdringlich sein. »Wenn der Sportler nicht reden will, dann muss ihn der Helfer auch in Ruhe lassen«, sagt Lisowski, der hauptberuflich Physiotherapeut am Olympia-Stützpunkt Bayern ist und sein Büro im Ricco-Groß-Haus hat.

Die Weltcup-Woche ist für das Team Anspannung pur. Immerhin muss Rudi Lisowski im Vorfeld der Großveranstaltung wenig vorbereiten. »Das läuft immer nach dem gleichen Schema ab«, sagt der gebürtige Reit im Winkler, der jetzt in Inzell wohnt. Seine Planungen sind daher auch bereits seit längerem abgeschlossen. Zum Beweis zeigt Rudi Lisowski ganz kurz und auch nur aus der Ferne den fertigen Einsatzplan seines Teams. Dann verschwindet dieser ganz schnell wieder in der Schublade. Das Dokument ist streng geheim.

Nach dem Rennen wird kontrolliert

Was Lisowski aber verraten darf, ist, wie der Arbeitstag seines Teams ausschaut. Es gibt dabei täglich zwei Schichten. Am Vormittag finden jeweils die unangemeldeten Blutkontrollen statt, nachmittags werden die Sportler dann nach dem jeweiligen Rennen kontrolliert.

Der Ablauf der Kontrolle muss dabei exakt eingehalten werden. Bei den unangemeldeten Kontrollen am Vormittag gilt: Steht an dem Tag ein Damen-Rennen auf dem Programm, werden vormittags die Männer getestet – und eben umgekehrt. Ziel dabei sei es, möglichst viele Sportler zu kontrollieren, sagt Lisowski.

Der Chef der Dopingkontrolle bekommt dabei von den zuständigen Ärzten eine Mappe überreicht. »Darauf steht dann der Name des Athleten, der kontrolliert werden soll.« Lisowski schickt daraufhin sofort einen seiner Chaperones mit einem Shuttlefahrer los.

Die Aufgabe des Chaperones ist es, den Athleten so schnell wie möglich zur Kontrolle zu bringen. »Manchmal wecken die Chaperones die Sportler auf, manchmal sitzen die Athleten schon beim Frühstück oder stehen noch unter der Dusche.« Dann dürfen die Athleten ihre Tätigkeit auch noch beenden, allerdings darf sie der Chaperone dabei nicht mehr aus den Augen lassen. Damit soll verhindert werden, dass der Sportler etwas vertuschen könnte. Und: Die Athleten müssen so schnell wie möglich bei der Kontrolle sein, die dann einer der anwesenden Ärzte der Internationalen Biathlon Union (IBU) oder der Nationalen Anti-Doping-Agentur Deutschland (NADA) durchführt. Der Chaperone liefert den Athleten im Funktionsgebäude der Ruhpoldinger Chiemgau-Arena ab. Dort wartet dann Rudi Lisowski und eben der Arzt auf den Biathleten. Zunächst werden seine Daten überprüft. Zehn Minuten muss der Sportler dann nach seiner Ankunft mindestens warten, bis die Kontrolle erfolgen kann. »Das ist dazu da, dass sich der Kreislauf beruhigt.« Dann wird dem Sportler Blut abgenommen. Alles wird dabei genau protokolliert.

Nach der Kontrolle werden die Sportler schließlich wieder zurückgebracht. Natürlich seien die Athleten nicht immer begeistert, wenn sie zur Kontrolle müssen, weiß Lisowski. »Aber sie wissen ja, dass es sie jederzeit treffen kann.«

Nach den Kontrollen am Vormittag ist der Arbeitstag von Rudi Lisowski und seinem Team aber noch nicht beendet. Denn auch nach den Wettkämpfen wird nachmittags nochmals kontrolliert. Der Sieger des Rennens muss immer automatisch eine Urinprobe abgeben. Dazu kommen noch zwei Sportler, die zufällig von den Offiziellen ausgewählt werden.

»Hier haben die Sportler eine Stunde Zeit, nachdem sie von den Chaperones informiert wurden, dass sie bei der Kontrolle erscheinen«, sagt Lisowski. Und auch bei dieser Kontrolle muss alles ganz genau nach einem strengen Protokoll ablaufen. Chaperone und Athlet müssen vor und nach der Kontrolle etwa ein Dokument unterschreiben, um die Richtigkeit der Prüfung zu dokumentieren.

Versiegelte Proben kommen ins Labor

Die Proben werden dann allesamt versiegelt. In Kühlbehältern werden sie von den Ruhpoldinger Shuttlefahrern dann ins Labor gebracht. Erst danach ist die Arbeit für Rudi Lisowski und sein Team abgeschlossen. Wird ein Athlet erwischt, hat Rudi Lisowski übrigens keinerlei Mitleid mit ihm. »Das ist ein Betrug«, sagt er.

Der Biathlon-Weltcup in Ruhpolding steht in den Startlöchern und damit beginnt für Rudi Lisowski und sein Team der Stress. Dennoch freut er sich schon auf die Woche. »Das ist eine tolle Sache für die ganze Region«, betont er. Weil die Kontrollen ja vormittags und nach dem Wettkampf stattfinden, haben er und sein Team auch die Möglichkeit, die Rennen zu verfolgen. Natürlich drückt er dabei den deutschen Athleten ganz fest die Daumen. »Ich freue mich natürlich am meisten, wenn einer von unseren Athleten gewinnt.« Die erste Chance dazu gibt's am Mittwoch beim Sprint der Männer. Stephanie Brenninger