weather-image

Dieses Derby war nichts für schwache Nerven

0.0
0.0
Bildtext einblenden
Der Freilassinger Daniel Leitz (rechts) setzte sich hier im Laufduell gegen den Traunsteiner Faruk Zeric durch. Am Ende behielt aber der SB Chiemgau knapp die Oberhand. (Foto: Deiter)

»Ich habe der Mannschaft vorher deutlich bewusst gemacht, dass sie sich vom Freilassinger 0:7 gegen Hallbergmoos nicht blenden lassen darf«, sagte SBC-Trainer Jochen Reil nach dem 1:0-Kampfsieg im Max-Aicher-Stadion. Und recht hatte er: Der nach wie vor von der Relegation bedrohte ESV Freilassing bot dem Tabellenzweiten vor 500 Zuschauern ein Derby auf Augenhöhe.


In ihrem Resümee waren sich beide Trainer sogar bis in den Wortlauf hinein einig – sowohl Reil als auch Christian Schaider meinten: »Wenn man oben steht, hat man das Quäntchen Glück und der Ball geht rein, wenn man unten ist, steht der Pfosten im Weg.« Ungeachtet der Tabellensituation gingen die Traunsteiner sehr konzentriert zu Werke, eingedenk der Tatsache, dass »der ESV eine starke Rückrunde spielt«. Reil und seiner Elf war klar, »dass es eine schwere Aufgabe wird«.

Anzeige

Mauerkirchner setzt die ersten Akzente

Und die wurde es von der ersten Minute an, wenngleich der SB Chiemgau in Durchgang eins die doch etwas abgeklärtere Mannschaft stellte. Dass man einen Stefan Mauerkirchner nie ganz in den Griff bekommen kann, unterstrich der Gäste-Stürmer in der 3. und 20. Minute, als er die besten Chancen der ersten Hälfte hatte.

Traunstein hatte in Durchgang eins optisch etwas mehr vom Spiel, der ESV setzte Nadelstiche – allerdings nur einmal konsequent durchgespielt, als der Schuss von Daniel Leitz im letzten Moment von Sebastian Mayer geblockt wurde (38.). Kurz davor setzte Traunsteins Patrick Schön das Leder nach einem Getümmel im Strafraum der Grenzstädter in aussichtsreicher Position drüber. Als Schiedsrichter Jochen Gschwendtner vom SSV Wurmannsquick die Teams zur Pause und die Fans an den Punsch-Stand (mitten im Mai!) bat, gab das Remis in etwa den Verlauf wieder – wenn, dann wäre eine knappe SBC-Führung in Ordnung gegangen.

Anders im zweiten Abschnitt: Da war der ESV Freilassing die agilere Mannschaft – allerdings erst ab der 54. Minute. Und just jene Minute sollte das Derby entscheiden: Die recht sattelfeste Abwehr der Schaider-Elf brachte das Leder nicht aus der Gefahrenzone – so gelangte es zu Kapitän Pat-rick Schön, der sich clever am linken Strafraumeck freigeschlichen hatte – volley nahm er Maß. Schönberger parierte, doch derart unglücklich, dass seine eigene Abwehr statt ins Eckenaus neben dem Pfosten ins eigene Netz kullerte – 1:0 für den Bayernliga-Aspiranten.

Unmittelbar davor hatte der andere Kapitän seine beste Szene gehabt: Albert Deiter, der aus dem Mittelfeld zu wenige verwertbare Anspiele bekam, hatte sich fein durchgesetzt, geriet aber beim Abschluss in Rücklage und traf den Ball wenige Meter vor SBC-Tormann Issa Ndiaye nicht richtig.

Der Rückstand schockte die Grenzstädter keineswegs. Im Gegenteil: Fortan stellte der ESV das zielstrebigere Team. Auf dem Rasen avancierte Daniel Leitz in der Folge mit seinen punktuellen Galavorstellungen zum besten Akteur auf dem Rasen – vor allem, weil seine Auftritte nicht nur hübsch anzusehen, sondern stets gefährlich waren. »Es wird in der Liga keinen Verteidiger geben, der ihn ganz aus dem Spiel nehmen kann«, nahm Jochen Reil seine Defensive in Schutz. Doch das nötige Glück hatte auch Leitz nicht – allem voran in der 63. Minute, als sein 17-Meter-Flachschuss nach einem »Tanz durch drei« am SBC-Außenpfosten landete.

Auf der anderen Seite monierte Reil, dass seine Truppe die sich aufgrund der Freilassinger Offensivbemühungen ergebenden Räume nicht konsequent nutzte: »Einige Konter hätten wir wirklich cleverer zu Ende spielen müssen.« Freilich musste der SBC ab der 77. Minute noch defensivorientierter agieren, weil Dominik Schlosser nach wiederholtem Foulspiel Gelb-Rot gesehen hatte.

Auch Leitz fliegt mit Gelb-Rot vom Platz

Bis zum Schlusspfiff war der Dreizehnte der Tabelle bemüht, doch Traunstein hielt dagegen und ließ nur noch einen Kopfball von Deiter und ein Solo von Leitz zu – erstere Chance parierte Issa Ndiaye, bei der Zweiten antizipierte der Torwart gut und schnappte sich den Querpass im Fünfmeterraum. Der Tormann fiel in der Schlussphase nicht nur durch seine starke Leistung, sondern auch aufgrund seines Zeitspiels auf – das ärgerte Leitz in der Nachspielzeit so nachhaltig, dass auch er noch die Ampelkarte sah. Es war der letzte »Aufreger« nach unterhaltsamen 93 Minuten.

Während der gesamten Partie wurde von vielen per Handy auch das Parallelduell zwischen dem ASV Dachau und Eintracht Karlsfeld beobachtet: Der ASV sitzt den Traunsteinern im Kampf um den oberen Relegationsplatz im Nacken, die Eintracht dem ESV im Kampf gegen den unteren. Zwischenzeitlich hieß es 2:1 für Karlsfeld (gut für Traunstein), am Ende 3:2 für Dachau (gut für den ESV). Am Ende war der Dachauer Sieg für die Grenzstädter sogar mehr Wert als ein eigenes Unentschieden, denn so bleibt Freilassing zwei Runden vor Schluss drei Zähler vor der Eintracht, die noch dazu den schlechteren direkten Vergleich aufweist. Dachau dagegen blickt auf den besseren Direktvergleich gegenüber Traunstein und kann bei ebenfalls drei Zählern Rückstand noch aus eigener Kraft den 2. Platz erklimmen, da der ASV ein Spiel weniger als der SBC absolviert hat.

Blickt man auf die bisherigen 31 Traunsteiner und 30 Freilassinger Saisonpartien, so darf getrost behauptet werden: Der ESV gehört in die Landesliga und der SBC könnte ohne Frage das Abenteuer Bayernliga in Angriff nehmen.

ESV Freilassing: Schönberger, Niederstraßer (82. Ergüden), Högler (77. Schiller), S. Mayer, M. Mayer, Krojer, Deiter, Karibasic, Weishäupl, Swititl, Leitz.

SB Chiemgau Traunstein: Ndiaye, Zeric, Bauer, A. Schlosser, D. Schlosser, Schön (70. Galanek), Mauerkirchner, Probst (70. Eyrainer), Willberger, Köberich, Mayer.

Tor: 0:1 Schön (54.).

Gelb-Rote Karten: D. Schlosser (77./SBC), Leitz (90. + 2/ESV).

Zuschauer: 500.

Schiedsrichter: Jochen Gschwendtner (SSV Wurmannsquick). sts

Italian Trulli