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Die Vorfreude auf sein Heimrennen steigt von Tag zu Tag

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Filimon Abraham wurde im vergangenen Jahr beim Hochfelln-Berglauf Vierter. In diesem Jahr möchte er bei seinem Heimrennen aufs Podest laufen. (Foto: Weitz)

Er läuft für sein Leben gern. Und er ist schnell! Richtig schnell! Filimon Abraham hat auch in dieser Laufsaison schon einige Male aufhorchen lassen. Gerade auch am Berg, was ihn besonders freut.


Ein gewaltiges Ausrufezeichen setzte er jüngst etwa beim Großglockner-Berglauf, den er sensationell trotz starker internationaler Konkurrenz gewann. Und auch beim Schlickeralmberglauf wurde er starker Zweiter hinter Petro Mamö (wir berichteten). Doch große Worte um seine guten Leistungen mag Filimon Abraham eigentlich gar nicht machen. Er genießt seinen Erfolg lieber im Stillen – und das macht den heimischen Ausnahmeläufer, der ursprünglich aus Eritrea kommt, so sympathisch.

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Im Frühjahr viele lange Läufe gemacht

Sein Erfolgsrezept, warum es gerade so gut läuft, hat er schnell parat. »Ich habe dieses Jahr bisher sehr gut trainieren können«, erzählt der 26-Jährige im Gespräch mit unserer Zeitung in einem sehr guten Deutsch. »Ich habe gerade im Frühjahr viele lange Läufe gemacht, habe dabei viele Kilometer zurückgelegt.« Neben den ganzen Trainingskilometern hat er natürlich auch ab und an bei Wettkämpfen in der Region mitgemacht. Er siegte etwa beim Waginger Halbmarathon und auch beim Traunsteiner Halbmarathon.

In den Sommermonaten konzentriert er sich jetzt ganz auf die Bergläufe. Und da wartet demnächst ein ganz besonderes Rennen auf ihn – nämlich der Hochfelln-Berglauf am 29. September. »Ich freue mich riesig darauf«, sagt er.

Und schiebt auch gleich die Begründung hinterher. »Das ist mein Hausberg, mein absoluter Lieblingsberg. Dort kenne ich mittlerweile fast jede Ecke.« Auch deshalb hat er sich speziell für dieses Rennen eine jede Menge vorgenommen. Nach seinem sechsten Platz im Jahr 2016 und seinen beiden vierten Plätzen in den vergangenen beiden Jahren an seinem Hausberg will er diesmal endlich auch mal aufs Podest kommen. »Auf jeden Fall möchte ich schneller als letztes Jahr sein.« Und bei schönem Wetter und einer guten Strecke sei viel möglich, ist er sich sicher. »Auch wenn die Konkurrenz wieder sehr stark sein wird«, betont er.

Filimon Abraham wuchs in Eritrea in bescheidenen Verhältnissen in einem Dorf auf. In dem Land in Ostafrika musste er schon als Kind viel gehen und laufen – etwa zur Schule. Und das waren täglich drei bis vier Kilometer – hin und zurück.

Zusätzlich half er auch schon in frühen Kinderjahren auf dem Feld mit oder passte auf die Kühe auf. Zudem sei sein Dorf auf rund 2000 Höhenmeter gelegen, erzählt er. Auch ein Grund »warum ich mich mit dem Laufen jetzt so leicht tue«, lacht Abraham. »Und ich war schon in der Schule sportbegeistert«, ergänzt er. Rennfahrer wollte er ganz früher einmal werden, erinnert er sich. »Aber irgendwann bin ich dann doch beim Laufen gelandet.«

Seit fünfeinhalb Jahren ist Abraham nun in Deutschland. Er fand hier schnell Anschluss, lernte fleißig Deutsch, suchte sich eine Arbeit und fühlt sich in seiner neuen Heimat sichtlich wohl. Zunächst wohnte er in Teisendorf und schloss sich dort dem TSV an, der ja zur LG Festina Rupertiwinkel gehört. »Dass ich hier gleich die Berge vor mir hatte, war für mich der Wahnsinn«, hebt Abraham hervor.

Der Läufer trainiert oft und viel. Allerdings macht er auch gleich deutlich: »Für mich ist nicht nur das Laufen wichtig, sondern auch das Arbeiten.« Aktuell macht er gerade eine Ausbildung zum Schreiner beim Siegsdorfer Unternehmen Feil und ist mit Feuereifer dabei. »Das Handwerk interessiert mich einfach sehr«, erzählt er und fügt auch ein wenig stolz hinzu: »Nächstes Jahr mache ich meinen Abschluss.« Seine Arbeitskollegen und seine Chefs finden seine sportlichen Aktivitäten auch alle gut. »Das ist schon ein schönes Gefühl.«

2017 wechselte Filimon Abraham dann für ein Jahr zur LG Telis Regensburg und erhoffte sich dort eine sportliche Weiterentwicklung. »Doch das hat dann nicht so gut geklappt. Ich hätte dafür nach Regensburg ziehen müssen.« Doch Abraham wollte das nicht – zu sehr fühlte er sich da schon im Chiemgau zu Hause und so ist er mittlerweile wieder für den TSV Teisendorf und damit für die LG Festina Rupertiwinkel aktiv.

Seit einiger Zeit lebt er jetzt auch in Traunstein. »Hier sind die Trainingsbedingungen ideal«, schwärmt er. Neben dem Hochfelln trainiert er auch noch gern am Teisenberg mit dem Ziel Stoißer Alm. Und natürlich sei er auch oft an der Traun unterwegs. Richtung Siegsdorf oder auch mal Richtung Traunreut. So kam es auch vor wenigen Wochen zu einer kleinen Trainingseinheit mit dem Leichtathletik-Nachwuchs des TV/SBC Traunstein. Die Kinder trainierten gerade auf der Brunneranlage, als Abraham vorbeilief und fragte, ob er schnell einige Runden auf der Bahn drehen dürfte.

Durfte er – und Dutzende Kinderaugen sahen ihm dabei begeistert zu. Im Anschluss gab Abraham dem Nachwuchs noch einige Tipps und Tricks mit auf den Weg. »Es ist schön, wenn ich auch etwas weitergeben kann«, sagt er. »Das habe ich sehr gern gemacht.«

Dass ein Sportlerleben aber nicht immer leicht ist, musste Abraham in den letzten Monaten ebenfalls erfahren. Im November 2017 verletzte er sich an der Hüfte – eine lange Leidenszeit begann. »Ich habe dann meist eine Woche trainieren können, dann wieder nicht.« Erst durch viel Physiotherapie und einer längeren Pause gingen die Schmerzen wieder weg. Und so stieg er im vergangenen August wieder ins Training so richtig ein – und schaffte dann eben am Hochfelln nach einer sehr kurzen Trainingszeit eine Top-Platzierung. »Seitdem bin ich jetzt schmerzfrei«, freut er sich.

Beim Berglauf im Vorteil

Und seine Top-Leistungen in letzter Zeit unterstreichen das eindrucksvoll. Auch in Zukunft will er hart an sich arbeiten, um weiter zu den Top-Läufern der Region zu gehören. Und welche Strecken läuft er am liebsten? »Ab 5000 m bis zum Halbmarathon mache ich alles gern«, erzählt er. Und natürlich mag er Bergläufe. »Da habe ich sicherlich Vorteile, weil ich klein und dünn bin.«

Und irgendwann will Filimon Abraham natürlich auch bei einem Marathon starten. Am liebsten in Berlin oder New York. »Das hat aber noch Zeit«, sagt er. »Schließlich will er die 42,195 km nicht nur »irgendwie schaffen, sondern auch mit einer guten Zeit«. Doch das ist Zukunftsmusik. Jetzt sind in diesem Jahr erst noch einige Bergläufe angesagt – und bei Filimon Abraham steigt die Vorfreude auf seine nächsten Renneinsätze. Vor allem am Hochfelln will er dieses Jahr wieder ganz vorn dabei sein. Es soll das nächste Ausrufezeichen in seiner bislang so starken Saison werden. SB