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Die Suche nach den letzten Prozentpunkten

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Insgesamt verlief seine Vorbereitung gut: Skilangläufer Jonas Dobler, hier beim Schneetraining in Livigno.

Gespannt auf den Saisonauftakt im Weltcup ist Skilangläufer Jonas Dobler (SC Traunstein). Der Traunsteiner wird sich am heutigen Samstag in Ruka (Finnland) über 15 Kilometer im klassischen Stil erstmals in dieser Saison mit der Weltelite messen – und möchte sich am liebsten in dieser etablieren.


Doch das ist schwer. Zwar haben er – und auch ein Teil seiner Teamkollegen – »ein gewisses Level erreicht, aber keiner von uns ist direkt in der Weltspitze, höchstens in der erweiterten. Die letzten zwei bis drei Prozent zur absoluten Spitze fehlen einfach.« Und das seien eben die schwierigsten Prozente.

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Er habe es in der vergangenen Saison zwar »mal in die Top 15 geschafft, aber das Ziel ist es, da regelmäßig reinzulaufen – dann sind auch die Top Ten zu erreichen.«

»1000 Stellschrauben« für Verbesserungen

Das Problem dabei: Auf der Suche nach möglichen Verbesserungen »gibt es 1000 Stellschrauben – und man weiß nie, was funktioniert oder was nicht. Das ist eine Tüftelei« – aber auch eine reizvolle Aufgabe. »Es gibt viele Kleinigkeiten, und es macht auch Spaß, etwas auszuprobieren.« Insgesamt gehe es darum, die Belastungssteuerung zu verbessern.

Auch der neue Stützpunkttrainer Falk Göpfert suche gemeinsam mit den Athleten nach Möglichkeiten, deren Leistungen zu steigern, »zudem hat jeder Trainer ohnehin seinen eigenen Stil. Aber man braucht das Rad auch nicht neu zu erfinden«, weiß Dobler.

Denn die Trainingsbasis sei nun schon seit vielen Jahren immer ähnlich: »Wichtig ist, dass die Grundlagenausdauer stimmt«, weiß der 28-Jährige, der pro Jahr ungefähr 800 bis 900 Stunden im Training verbringt – dabei sind Physio-Termine und Ähnliches aber noch nicht einmal mit eingerechnet.

Etwas Neues versuchen unter anderem seine Stützpunktkollegen Andy Katz (SV Baiersbronn), Lucas Bögl (SC Gaißach.) und Thomas Wick (SCM Zella-Mehlis), die heuer mehr Höhentraining im Programm haben. Dobler entschied sich dagegen: »Ich wollte lieber einen Tick mehr auf Intensität setzen.«

Und beides kann man – weil die Grundlagenausdauer ja eben ihre (Trainings-) Zeit braucht – nicht gleichzeitig haben: »Mehr Höhe und mehr Intensität geht nicht. Denn in der Höhe muss man ruhiger machen, um die Effekte dort zu bekommen.«

Ansonsten bestritt Dobler jedoch einen Großteil der Vorbereitung mit seinen Stützpunktkollegen. »Da ist die Qualität im Training schon sehr gut«, freut er sich. Denn der Stützpunkt Ruhpolding stellt ja vier der insgesamt acht deutschen Männer (drei kommen aus dem Stützpunkt Allgäu, einer aus Oberhof). Da im Frühjahr »auch Sportler aus dem Anschlussbereich« dabei gewesen seien, sei die Vorbereitung sehr konzentriert verlaufen. »Zwar nicht perfekt, weil es mal kleinere Probleme gab und ich auch kürzlich vier Tage wegen einer Erkältung ausgefallen bin – aber das hat jeder mal«, sieht der dies nicht so dramatisch.

Wichtig sei auch immer die Lauftechnik. »Ich habe schon mein ganzes Langlaufleben daran gearbeitet, und das muss man auch weiterhin tun«, betont der Traunsteiner. Daher sei es günstig gewesen, »dass wir bis auf den Mai praktisch jeden Monat auch mal auf Schnee trainieren konnten.« Gerade die Skihalle in Oberhof sei für das Sommer- und Techniktraining sehr gut, »dort wird praktisch nur an der Technik gearbeitet.« Denn in der Halle sind die Runden kurz, zuletzt in der unmittelbaren Weltcup-Vorbereitung in Mounio (Finnland) dagegen seien schön lange Runden mit gut fünf Kilometern dabei gewesen.

Längere Trainingsphase vor dem Heim-Weltcup

Nun geht es – ebenfalls in Finnland – in Ruka erstmals um Weltcup-Punkte. Da heuer keine WM ansteht, ist in dieser Saison die Tour de Ski nochmals aufgewertet. Eine ganze Saison voll durchziehen könne man ohnehin nicht, weiß Dobler. Daher will er vor dem Heim-Weltcup in Oberstdorf (24. bis 26. Januar) »voraussichtlich eine längere Trainingsphase einbauen«, statt Wettkämpfe zu bestreiten.

Der Weltcup 2020 in Oberstdorf ist nicht nur wegen des Heimvorteils von Bedeutung: Dort finden auch 2021 die Weltmeisterschaften statt, die dann das große Ziel sind. Dort möchten sich die deutschen Langläufer besonders gut präsentieren. Dobler und seine Teamkollegen hoffen, dass sie bis dahin noch das ein oder andere Prozentpünktchen an Verbesserung gefunden haben ... who