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»Die richtige und fairste Lösung« – Viele regionale Vereine auch für Saisonfortsetzung

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Traunstein: Regionale Vereine der Fußball-Kreisklasse 4 unterstützen BFV-Vorschlag zur Saisonfortsetzung
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Ob es Zweikämpfe wie diese aus dem Spiel zwischen dem SB Chiemgau Traunstein II mit Michael Reis (links) und David Schwarz gegen den SV Oberteisendorf mit Markus Prantler in dieser Saison noch einmal geben wird, ist momentan unklar. (Foto: Wirth)

Die Vereine der Fußball-Kreisklasse 4 unterstützen den Vorschlag des Bayerischen Fußball-Verbands (BFV) größtenteils, die unterbrochene Saison der Amateurvereine nach Möglichkeit ab dem 1. September fortzusetzen.


Die Mannschaften haben den 15. von 26 Spieltagen vor der Corona-Pause noch absolviert, also bereits zwischen 13 und 15 Saisonspiele hinter sich. Trotzdem bleiben für die Vereinsvertreter Fragen offen – und nicht bei allen kommt der Vorschlag gut an.

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Das hat auch die Umfrage des BFV gezeigt: 68,13 Prozent der Vereine – an der Umfrage hatten sich insgesamt 3197 beteiligt – stimmten für den Vorschlag, den Spielbetrieb bis zum 31. August weiter auszusetzen, die Saison 2019/20 danach fortzuführen und in jedem Fall regulär zu beenden. Im Kreis Inn/Salzach gab es sogar 75,95 Prozent Ja-Stimmen (120 Vereine), nur 24,05 Prozent (38) stimmten gegen den Vorschlag.

DJK Otting

Andreas Horner, Trainer des Tabellenführers DJK Otting (32 Punkte), hält den Vorschlag für »die richtige und fairste Lösung. Speziell für uns wäre es natürlich sehr schade, wenn die Saison abgebrochen würde. Wir haben als Aufsteiger eine ganz tolle Vorrunde gespielt und möchten natürlich unseren 1. Platz mit allem, was in uns steckt, verteidigen.«

Konkrete Pläne für eine mögliche Fortsetzung des Trainingsbetriebs gebe es zwar noch nicht, Andreas Horner könnte sich aber »Spaßtraining« mit zehn bis 15 Spielern vorstellen, wenn die Sportstätten wieder geöffnet werden, »bevor die richtige Vorbereitung etwa Mitte Juli beginnt, wenn Corona uns lässt«.

Klar ist dem DJK-Trainer auch, dass der BFV sich in einer schwierigen Lage befindet: »Es allen recht zu machen, geht sicherlich nicht. Dass die Mannschaften, die im Tabellenkeller sind, auf einen Abbruch der Saison hoffen, ist auch verständlich, aber nicht fair«, betont Andreas Horner.

SV Ruhpolding

Wobei auch der SV Ruhpolding (12. Platz/11), der mit dem vorletzten einen Abstiegsplatz in der Kreisklasse 4 belegt, den BFVVorschlag unterstützt: »Unseres Erachtens wäre es die fairste Lösung, die Saison sportlich zu beenden«, erklärt der Verein in einer Pressemitteilung. »Und auch die flexibelste, falls es im September noch nicht möglich ist, zu spielen.«

Denn ob die Saison wirklich am 1. September fortgesetzt werden kann, hängt von den politischen Entscheidungen und den Entwicklungen der Corona-Pandemie ab. »Leider gibt es natürlich keine Garantie, ob der Spiel- und Trainingsbetrieb tatsächlich bis dahin wieder möglich ist«, heißt es vom SV Ruhpolding. Sollte es möglich sein, könnte der Trainingsbetrieb ab dem 1. August wieder aufgenommen werden. Der Verein betont aber auch, »dass zum heutigen Stand vor dem 01.08.2020 kein Trainings- und kein Spielbetrieb stattfinden wird« – und deshalb auch das Waldstadion weiterhin geschlossen bleibt. 

SB Chiemgau Traunstein II

Ähnliche Gefahren sieht auch Michael Wirth, Trainer beim SB Chiemgau Traunstein II (8./18): »Wir fangen jetzt wieder bei Null an. Das wird sicher eine Herausforderung für Trainer und Spieler. Wir müssen die Spieler so behandeln, als wären sie längere Zeit verletzt gewesen, und werden auch unsere Physios einbinden.« Zudem soll beim Wiedereinstieg die »Aufwärmphase länger« und »als Trainingsteil« ausgebaut werden. »Wir müssen erst schauen, wo die Jungs stehen – von der Ausdauer und muskulär, aber auch mental.«

Zumindest hat der Trainer seinen Spielern auch während der Corona-Pause immer wieder Aufgaben gestellt – davon mussten sie sogar Videos drehen und zurückschicken. »Wir haben uns schon bemüht, unsere Spieler bei Laune zu halten«, betont Michael Wirth. Mit Aktionen wie dem Videodreh will er zudem für Abwechslung sorgen und neben der Ausdauer auch die Kreativität fördern. »Wir haben ja immer damit gerechnet, dass es wieder losgeht.«

Beim Wiedereinstieg ins Training will sich der SBC-IITrainer auch »von Erkenntnissen der Profis inspirieren lassen«, also in kleinen Gruppen mit dem Training anfangen. Grundsätzlich sieht er den Sportbund zwar auch vom Platz her gut gerüstet für eine Fortsetzung der Saison mit strengeren Hygiene-Vorgaben, dabei müssten aber viele Überlegungen eine Rolle spielen: »Welche Möglichkeiten haben wir von den Plätzen, Kabinen oder Duschen? Wir müssen auch erst lernen, wo wir mehr Rücksicht nehmen müssen, welche Spieler zum Beispiel im Pflegebereich arbeiten.«

Trotzdem hält Michael Wirth den BFV-Vorschlag für fair: »Am Anfang war ich hin- und hergerissen, aber es wäre ein guter Ansatz und es fangen ja alle beim gleichen Stand wieder an.« Außerdem hofft der Traunsteiner Coach auf eine Art Signalwirkung: »Der Sport hat es immer wieder geschafft, dass er die Menschen aus Krisen rausreißt.« Da sei auch der Fußball ein gutes Mittel, »um die Situation ein bisschen aufzulockern« und um den Spielern als Teil ihres Alltags wieder ein »Hobby und Spaß zu bieten«. Deshalb hofft Michael Wirth, dass der Spielbetrieb »so schnell wie möglich« weitergeht und ist überzeugt: »Ein Abbruch wäre das schlechteste Signal.«

SV Oberteisendorf

Zustimmung gibt es auch vom SV Oberteisendorf (5./21). »Wir sehen den Plan des BFV als die beste von wenigen Möglichkeiten und wir stehen dem positiv gegenüber«, erklärt der 2. Fußball-Abteilungsleiter Raphael Omelanowsky. »Hoffentlich können wir ab August wieder einen weitgehend normalen Trainingsbetrieb aufnehmen.«

SC Vachendorf

Ähnlich fällt das Urteil beim SC Vachendorf (4./26) aus: »Wir schauen noch etwas skeptisch in die Zukunft, ob sich das geplante BFV-Szenario wirklich so umsetzen lässt«, erklärt Pressesprecher Thomas Loreck. Zu einem möglichen Trainingsbeginn habe man sich noch keine Gedanken gemacht, weil der Zeitpunkt »noch zu weit weg« ist.

jom

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