»Die Olympischen Spiele stehen über allem«

Bildtext einblenden
So schwungvoll wie hier bei der Tour de Ski will der Traunsteiner Jonas Dobler – hier vor dem Spanier Imanol Rojo – auch in der kommenden Saison zur Sache gehen. Höhepunkt sind die Olympischen Winterspiele. Für diese will er sich möglichst frühzeitig qualifizieren und dann im Februar 2022 auch erfolgreich teilnehmen. (Foto: dpa) Foto: dpa

Die Heim-Weltmeisterschaft in Oberstdorf ist Vergangenheit – jetzt gibt es für Jonas Dobler (SC Traunstein) und die anderen deutschen Skilangläufer nur ein Ziel: »Die Olympischen Spiele (4. bis 20. Februar 2022 in Peking/d. Red.) stehen über allem«, blickt der Traunsteiner auf den Saisonhöhepunkt des Winters 2021/22 voraus.


Nach einiger Zeit zur freien Verfügung im April hat das Team bereits im Mai die Vorbereitungen aufgenommen. Dabei stand zuletzt in Bormio ein dreitägiges Radprogramm mit dem Schwerpunkt, Pässe hinaufzuradeln, im Mittelpunkt, ehe auf dem Stilfser Joch auf Schnee trainiert wurde.

Auf Schnee konnte das Team schon zuvor einmal aktiv sein: »Da waren wir einen Tag am Dachstein. Wir hatten super Bedingungen«, schwärmt Dobler, der dem Zoll-Skiteam angehört.

Für ihn hatte die vergangene Saison mit zwei sportlichen Top-Leistungen geendet: Zunächst hatte er beim Weltcup im Engadin (Schweiz) nach dem 15-km-Massenstart (klassische Technik) im Verfolgungslauf über 50 km Skating mit der fünftbesten Zeit geglänzt und sich von Rang 43 noch weit nach vorne gearbeitet. Zwei Wochen später wurde Dobler bei den Schweizer Meisterschaften Dritter über 50 km in der klassischen Technik.

»Die Form war halt gut, und das Rennen lag uns auch«, bilanziert er. Im Prinzip habe er auch bei der Heim-Weltmeisterschaft in Oberstdorf – vor allem in der Staffel (7. Platz) und im 50-km-Wettkampf (17. Platz als bester Deutscher) – diese gute Form gehabt. »Es war nicht die absolute Formspitze, aber es war ein ansprechendes Niveau«, erinnert er sich.

Auch beim Skiathlon hätte die Leistung wohl gepasst. Doch da hatten die Deutschen für den ersten Wettkampfteil in klassischer Technik »nicht das optimale Rezept gefunden« – damit war dieser Wettkampf »gelaufen«. »Das kann passieren. Wir hatten die meiste Zeit in der Saison Super-Material, und einige Wochen zuvor beim Weltcup in Lahti sogar 'Raketen' – da hat das russische Team dafür danebengegriffen«, weiß er um die Gratwanderung, die Sportler und Techniker jedes Mal bei der Skiauswahl vor sich haben.

Bedauerlich war, dass die WM wegen der Corona-Pandemie unter dem Motto »Papplikum statt Publikum« ohne Fans stattfinden musste und nur Pappfiguren auf den Rängen aufgestellt werden durften. »Das war schade für die Veranstalter und für uns. Die Veranstalter hatten jahrelang Energie in die Vorbereitungen gesteckt. Das Wetter war der Wahnsinn, da wären sicher Zehntausende Zuschauer gekommen. Ohne Fans war das schon eine traurige Sache«, bedauert der 30-Jährige. »Schließlich war das meine Heim-WM.«

Zu sehr beklagen will sich der Traunsteiner nicht: »Wir als Langlaufsport sind ohnehin gut durch die Corona-Krise gekommen, da darf man nicht jammern. Schließlich haben andere gesundheitliche Probleme erleiden müssen oder haben wirtschaftlich Riesenprobleme bekommen. Da haben wir eine privilegierte Position«, zeigt er sich dankbar darüber, dass er und das Team ihren Sport im gewohnten Umfang ausführen konnten. Zudem »kam bei uns ja zumindest teamintern auch ein echtes WM-Feeling auf«, ergänzt Dobler.

Inzwischen richtet sich der Blick auf die Olympischen Winterspiele 2022. Zum Beginn der Vorbereitung stehen dabei Grundlagen beim Kraftniveau, Schub und vor allem die Grundlagen-Ausdauer im Mittelpunkt. Unter anderem wird mit langen Rad-, Berglauf- und Skirollereinheiten gearbeitet. Der Anteil der Einheiten mit hoher Intensität steigert sich im Jahresverlauf.

Es gilt hier die richtige Mischung zu finden. »Das sind kleine Sachen, da schraubt man ein wenig an den 'Kennzahlen'. Heuer werde ich etwas mehr im intensiven Bereich trainieren, das heißt unter anderem bei den Intervallen ein bissel draufpacken«, hat sich der 30-Jährige vorgenommen. »Aber man muss das auch so aufsetzen, dass man es wirklich verkraftet.«

Zu beachten sei zudem, dass die Strecken bei den Spielen in Peking auf etwa 1600 bis 1700 Metern Höhe lägen. »Wir werden im Sommer wie schon in den Vorjahren immer wieder ähnliche Höhenlagen suchen. Unsere Lehrgangsorte wie Ramsau am Dachstein und Davos oder auch Goms sind ja in ähnlichen Höhen.«

Hilfreich wäre es, sich das Olympia-Ticket »möglichst schon bei der Tour de Ski« um den Jahreswechsel zu sichern. Dann könne man sich gezielter vorbereiten.

Auch in der unmittelbaren Olympia-Vorbereitung sind noch gut eineinhalb Wochen in der Höhe geplant, »dann geht es kurz heim.« Es folgt die Anreise nach China. Ganz klar ist noch nicht, wie viele Tage vor Beginn der Spiele diese erfolgen soll.

Wegen der Zeitumstellung (sieben Stunden) rechnet man normalerweise pro Stunde einen Tag früherer Anreise ein. Doch »es ist die Frage, ob man das wirklich ganz umstellt. Schließlich sind die Rennen nach Ortszeit erst um 18.30 Uhr angesetzt. Wenn man nur für drei bis vier Stunden umstellt, ist das gefühlt ein Wettkampf am Nachmittag – das ist wesentlich angenehmer, das entspricht in etwa unseren gewohnten Wettkampfzeiten«, erklärt Dobler.

Unabhängig von der »echten« oder der »gefühlten« Wettkampfzeit: Der 30-Jährige und die deutschen Skilangläufer wollen möglichst optimal vorbereitet in die Olympischen Spiele gehen. Denn egal ob beim Saison-Höhepunkt Zuschauer anwesend sein dürfen oder nicht: Für eine gute Olympia-Stimmung im deutschen Team sollen vor allem die Ergebnisse sorgen ...

who

Mehr aus Traunstein
Mehr aus Traunstein