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Die Olympischen Spiele 2022 sind das große Ziel

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Sie sehen der kommenden Saison zuversichtlich entgegen: US-Herrentrainer Michi Greis (links) und Sportchef Bernd Eisenbichler. (Foto: Wukits)

Im US-Biathlon ist die Amtssprache Englisch, sie könnte aber durchaus auch Bayrisch sein. Zumindest was das Betreuerteam um den Sportdirektor Bernd Eisenbichler betrifft. Der offizielle »Chief of Sport« des US-Teams stammt aus Siegsdorf. Auch der neue Herrentrainer Michael Greis ist sprachlich mit dabei, schließlich hat er jahrelang in Ruhpolding gelebt.


Dazu kommen die Skitechniker Christian Sieler, Hans Stöckl, Toni Lang und Max Bergmann sowie Muck Bauer, der für die Schliffe zuständig ist. Als Physios arbeiten Jürgen Biermaier und Engelbert Fuchs mit, der italienische Skitechniker Federico Fontana zählt ebenfalls dazu, er wohnt mittlerweile in Siegsdorf.

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Acht verschiedene Nationen sind im Team vertreten. »Mir ist wichtig, dass sie alles für meine Mannschaft geben und ich mich hundertprozentig darauf verlassen kann«, sagt Eisenbichler zu seiner Auswahl. Diese machte auf dem Weg ins Trainingslager nach Obertilliach einen Abstecher zur Einkleidung zur Firma Maloja (Rimsting).

Der mehrmalige Olympiasieger und Weltmeister Michael Greis wurde im April bei den Amerikanern als neuer Herrentrainer vorgestellt. Mittlerweile kann der 42-Jährige schon eine kleine Bilanz ziehen. »Mit dem Verlauf der Vorbereitung auf die Saison bin ich sehr zufrieden. Nach dem Karriereende von Tim Burke und Lowell Bailey haben wir nun ein junges Weltcupteam, das in die Fußstapfen der beiden treten soll.«

Genau deswegen hat Bernd Eisenbichler den ehemaligen Spitzenbiathleten als Trainer verpflichtet. »Ich musste einen Umbruch einleiten und wollte daher einen jungen, innovativen Trainer, zu dem die jungen Athleten aufschauen. Nach einigen Gesprächen mit Michi hatte ich das Gefühl, dass das sehr gut passen kann«, so der Siegsdorfer.

Er schätzt die akribische Arbeit des 42-Jährigen und ist sehr zufrieden damit, wie sich alles bisher entwickelt hat. Mit Sean Doherty gibt es im Team ein Riesentalent, das im Jugend- und Juniorenbereich der erfolgreichste Athlet weltweit war. »Da erwarte ich mir schon, dass Michi ihn in die Top 10 und dann ans Podium heranführt.« Deswegen befindet sich Greis regelmäßig in den USA für die Lehrgänge, seinen Hauptwohnsitz hat er nach München verlegt.

Erste Erfahrungen als Trainer hatte er in der Schweiz gemacht. Dort arbeitete er mit Damen und Herren sowie überwiegend Jugendlichen in der Lenzerheide. »Erwachsene können natürlich auf eine andere Erfahrung zurückgreifen. Daher versuche ich, im Training die Athleten mit einzubeziehen, damit wir gemeinsam an einem Strang ziehen. Unser Ziel ist definitiv die langfristige Leistungssteigerung für Olympia 2022«, beschreibt Greis seine Ziele.

Druck sieht er aber nicht, er nennt es eine gewisse Erwartungshaltung, was Trainer und Sportler betrifft. »Das ist eine Grundvoraussetzung, um sich zu entwickeln.« Immerhin hatte es für das US-Team bei der WM 2017 in Hochfilzen, Gold für Lowell Bailey im Einzel und Susan Dunklee im Massenstart gegeben. »Diese positive Entwicklung wollen wir auch in die neue Saison mitnehmen«, meint der 42-Jährige.

Diese Erfolge haben natürlich in den USA die Begeisterung geweckt, das weiß auch Bernd Eisenbichler. »Hochfilzen hat das Interesse in den USA auf alle Fälle gesteigert. Dieses Jahr werden zum ersten Mal alle Weltcuprennen dort live übertragen.«

Als ehemaliger erfolgreicher Sportler kann Greis den Athleten seine Erfahrungen näherbringen. »Das versuche ich bestmöglich einzubringen, damit die Sportler auch den einen oder anderen Fehler von mir nicht wiederholen«, meint er schmunzelnd.

In seiner aktiven Zeit war Michael Greis immer auch jemand, der alles kritisch hinterfragte. Das hat sich nicht geändert und so äußert er sich auch offen auf die Frage, wie die Zukunft des Biathlonsports nach den Dopingenthüllungen aussieht. »Seit den letzten Enthüllungen ist etwas Sand im Getriebe. Biathlon ist ein weiterhin sehr spannender Sport, der Millionen begeistert. Die IBU hat dementsprechend reagiert und sich neu aufgestellt. Das ist der richtige Schritt und wir werden sehen, was die Zukunft bringt. Zudem bin ich zuversichtlich, dass die deutsche Mannschaft ihre tollen Ergebnisse der vergangenen Jahre bestätigt und somit Biathlon neben Skispringen weiterhin der attraktivste Wintersport bleibt.«

Einen interessierten Blick wirft er natürlich auf die Bewegungen im deutschen Trainermarkt. Vor allem was die Laufbahn seines ehemaligen Zimmerkumpels Andi Birnbacher betrifft. »Der macht einen guten Job als Trainer. Ihn werden wir sicherlich in den nächsten Jahren wieder im Weltcup sehen.«

Ob er selber mal beim DSV als Trainer landen wird? »Momentan bin ich mit meiner Aufgabe zufrieden und freue mich auf die anstehenden Herausforderungen mit dem US-Team. Für die nächsten Jahre ist auch der DSV gut aufgestellt.« SHu