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»Die machen den ganzen Sport kaputt«

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Er will sich für den WM-Lauf am 16./17. März 2013 Inzell qualifizieren: Der Edlinger Pilot Max Niedermaier. (Foto: Weitz)

Der WM-Lauf am 16./17. März in Inzell ist das Ziel, doch der »Bayern-Express« der heimischen Eisspeedwayfahrer wird es schwer haben, komplett in der Max-Aicher-Halle antreten zu dürfen.


Der Grund dafür ist unter anderem die neue Regelung zur WM-Qualifikation: Wurden früher bei drei Qualifikations-Wettbewerben die 16 Startplätze ausgefahren, gibt es heuer nur eine Qualifikation, bei der lediglich sieben Plätze zu holen sind. Sieben weitere hat der Motorradsport-Weltverband FIM bereits vergeben. Grundlage waren die WM-Ergebnisse von 2012.

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So haben nur 16 statt gut 50 Piloten die Chance, sich international zu messen und vielleicht einen WM-Platz zu ergattern.

»Die machen unseren Sport direkt kaputt«, schimpfen Günther Bauer (Schleching), Max Niedermaier (Edling) und Stefan Pletschacher (Ruhpolding) gemeinsam. Ebenso verärgert ist Franz Mayerbüchler senior. Der Inzeller, der seine Karriere vor wenigen Jahren beendet hatte und dessen Sohn Franz Mayerbüchler junior (19 Jahre) nun zu den deutschen Talenten gehört, die sich allmählich auf höherer Ebene beweisen müssen, ist ebenfalls höchst verärgert darüber, dass junge Piloten praktisch kaum noch Einsatzmöglichkeiten haben. Sein Sohn kann immerhin voraussichtlich beim internationalen Rennen in Steingaden (6. Januar) teilnehmen und hofft auf einen Platz bei der Europameisterschaft in Luchowitsy (Russland/23. und 24. Februar 2013). Der 19-Jährige ist übrigens derzeit im Trainingslager in Schweden, gemeinsam mit dem deutschen Aushängeschild Günther Bauer.

Bauer hatte sich zuvor schon in Russland in Kamensk-Uralsky im Trainingslager befunden. »Wir konnte an drei Tagen gut fahren. Aber am letzten Tag war es 26 Grad minus, das war fast zum Sterben«, so der 40-Jährige.

Nur Zeitverschwendung?

Und »fast zum Sterben« sieht er auch seine Sportart verurteilt, wenn die Pläne der FIM so durchgeführt werden. In Schweden sollte deshalb auch ein Gespräch mit dem FIM-Renndirektor Peter Jansen stattfinden, »aber er hat schon angedeutet, dass ihm wohl die Hände gebunden sind«, zeigt sich Bauer vorsichtig. »Selbst die Russen sind verärgert über den neuen Modus«, weiß er auch die Unterstützung der dominierenden Fahrernation hinter sich. Doch dass ihn die FIM zu einer Art »Fahrersprecher« machen will, sieht er eher skeptisch: »Wenn nix dabei rauskommt, ist das eh nur Zeitverschwendung.«

Bauer ist als einer von zwei deutschen Fahrern für die WM-Qualifikation in St. Johann/Pongau am 19. Januar gesetzt, nach dem früheren Modus konnten bei den verschiedenen Qualifikationen bis zu sechs Deutsche antreten.

Das ärgert auch den ebenfalls nominierten Max Niedermaier. »Ich bin mit dem Christoph Kirchner (Steingaden) im gleichen Transporter nach Russland gefahren, aber selbst wenn man da brutal spart, kostet einen das mindestens 3000 Euro pro Fahrer. Was soll das, wenn die jungen Fahrer dann keine Chance haben, sich international zu zeigen«, schimpft der 24-Jährige.

Der Edlinger hatte zudem Pech. Er brach sich bei einem Sturz das Schlüsselbein. Dass er dennoch auf die Frage, wie es ihm gehe, mit »gut« antwortet, überrascht zunächst. Aber: »Ich bin dann in Vogtareuth operiert worden, ich habe da einen guten Arzt«, so der 24-Jährige, dem eine Platte eingesetzt wurde. Nun muss er bangen. »Es wäre gut, wenn ich in Steingaden fahren könnte«, hofft er. Schließlich könnte er dort sehen, ob er noch Schmerzen beim Fahren hat. »Normalerweise schon« rechnet er damit, dass er in St. Johann antreten kann, »aber wenn ich noch Probleme habe, dann bringt das natürlich nix«, weiß er.

Niedermaier verweist noch auf ein weiteres Problem: In St. Johann wird auf Natureis gefahren. »Wie entscheiden die, wer in die WM kommt, wenn es zu warm wird und das Rennen ausfällt? Normalerweise müsste eine Qualifikation auf eine Kunsteisbahn verlegt werden«, betont der 24-Jährige.

Wegen Niedermaiers Verletzung wurde vom deutschen Verband inzwischen Stefan Pletschacher (MSC Ruhpolding) als möglicher Ersatz gemeldet. Zufrieden ist er damit nicht, denn nach seiner Meinung hätte er ohnehin den zweiten WM-Platz bekommen sollen. Der Ruhpoldinger gewann bei der Vorbereitung in Finnland sogar ein Testrennen. »Die Vorbereitung war supergut, vielleicht kann ich ja nach Weihnachten noch ein paar Tage in Schweden fahren«, hofft er. Auch für ihn geht es am 6. Januar mit dem Rennen in Steingaden in die Saison. Gemeinsam mit Bauer und Niedermaier ist er zudem vom deutschen Verband für die Team-WM am 25./26. Januar in Sanok (Polen) nominiert und für das EM-Halbfinale gesetzt.

Doch für den Grand Prix könnte es eng werden. Unabhängig davon, ob Niedermaier oder Pletschacher in St. Johann antritt: Die Wahrscheinlichkeit, sich hier zu qualifizieren, ist bei der hohen Konkurrenzdichte gering. Denn die drei Russen, der österreichische Ex-Vizeweltmeister Franz Zorn (Saalfelden), Antti Aakko (Finnland) und wohl auch Günther Bauer sind schon sechs Fahrer, die normalerweise einen Platz in der WM erkämpfen könnten.

Da auch noch ein zweiter Österreicher sowie mindestens einer der starken Schweden im Feld sein werden, ist damit zu rechnen, dass allenfalls ein Deutscher »durchkommt.«

Das stellt dann den Veranstalter in Inzell vor eine schwierige Frage: Wem soll man die Veranstalter-Wildcard geben? Schafft es Bauer nicht, müsste man ihm als dem »Zugpferd« des deutschen Eisspeedways den Vorrang geben. Schafft er es ohnehin, hätte man voraussichtlich die Wahl zwischen Niedermaier und Pletschacher.

Da beide als ähnlich stark gelten und beide Lokalmatadore sind, ist das eine knifflige Entscheidung. Pletschacher hofft gleich aus doppeltem Grund auf einen Einsatz in Inzell: zum einen aus sportlichen Gründen, zum anderen, weil für ihn die Max-Aicher-Arena eine besondere Bedeutung hat. Schließlich ist sein Hauptsponsor das Stahlwerk Annahütte, dessen Besitzer eben Max Aicher ist. Da möchte der »Max-Aicher-Pilot« natürlich auch in der Inzeller »Max-Aicher-Arena« antreten können. who