»Die Corona-Pandemie hat uns auch Chancen gegeben«

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Sebastian Schwarz (links), der Sportwart des Bereichs Sprung/Nordische Kombination und gleichzeitig auch der 2. Vorsitzende des Skiverbands Chiemgau, sowie Trainer Axel Malcher blicken zuversichtlich in die Zukunft.
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Der SV Chiemgau leistet seit Jahrzehnten eine wertvolle Jugendarbeit: Sebastian Schwarz junior ist einer der erfolgreichen Nachwuchsskispringer. (Fotos: SV Chiemgau/Brenninger)

Der SV Chiemgau ist im Nachwuchsbereich Sprung/Nordische Kombination gut aufgestellt – Hoffen auf eine normale Saison 2021/22


Der Winter 2020/2021 wird den Verantwortlichen und Sportlern des Skiverbands Chiemgau noch lange in Erinnerung bleiben – die Corona-Pandemie machte einen normalen Trainings- und Wettkampfbetrieb unmöglich. Auch der heimische Skisprung- und Kombinationsnachwuchs bekam die Auswirkungen zu spüren. Dennoch zeigten sich Sebastian Schwarz, der Sportwart des Bereichs Sprung/Nordische Kombination und gleichzeitig auch 2. Vorsitzender des Skiverbands Chiemgau, sowie Trainer Axel Malcher zufrieden mit der Saison.

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Vor allem auch, weil der Skiverband Chiemgau mit seinen virtuellen Wettkämpfen schnell und umsichtig auf die Krise reagierte und damit zum Vorbild für viele andere Skiverbände in ganz Deutschland geworden ist. »Die Corona-Pandemie hat uns auch Chancen gegeben«, sagen die beiden im Gespräch mit unserer Sportredaktion.

»Der Winter war freilich ganz anders, wie man es sonst gewohnt war«, hebt Axel Malcher hervor, der beim Bayerischen Skiverband als Trainer angestellt ist und für die Region 3 – also den Chiem- und den Inngau – zuständig ist. »Wir mussten aufgrund der Vorschriften vieles neu regeln. Einiges ist auch für uns komplett neu gewesen.«

Früh fing man beim Skiverband Chiemgau etwa auch damit an, die Sportler regelmäßig auf das Virus zu testen, so war ein Training in Kleingruppen für die Kaderathleten auch weiterhin möglich. »Der Sport war in diesem Bereich quasi der Vorreiter«, sagt Schwarz. Was ihn dabei besonders freut: Insgesamt hat es bis jetzt nur einen positiven Fall in seinem Zuständigkeitsbereich gegeben.

Weil die Wettkämpfe ja ausgefallen sind, ging der Skiverband Chiemgau auch in diesem Bereich neue Wege – und zeichnete sich mit seiner virtuellen Wettkampfserie aus. »Wir haben schon im Juni 2020 damit begonnen, als wir gemerkt haben, dass der Weg immer schwieriger wird«, blickt Malcher zurück. Der Nachwuchs absolvierte dabei seine Sprünge coronakonform. Diese wurden gefilmt und die Kampfrichter beurteilten die Sprünge dann daheim am Laptop. Was Schwarz und Malcher besonders freut, der Nachwuchs bekam das Feedback von einer hochkarätig besetzten Jury: Neben Malcher und Schwarz benoteten Florian Aichinger, Thomas Haßlberger und Stefanie Daxeder die Sprünge. »Das Interessante dabei ist gewesen, dass wir Kampfrichter keine großen Abweichungen voneinander hatten, obwohl wir ja nicht zusammengesessen sind«, sagt Malcher. »Und wir haben vor allem auf technische Details viel Wert gelegt«, ergänzt Schwarz.

Kurzerhand ließ man die Ergebnisse der virtuellen Sprünge dann auch in die Ergebnisliste der Mini-Serie einfließen – und schon konnte man diese auch im Corona-Winter am Leben erhalten. Darauf sind die beiden Funktionäre besonders stolz, schließlich ist diese »eine der ältesten und erfolgreichsten Wettkampf-Serien im Land«, heben sie hervor. »Dadurch sind schon Weltcup-Athleten hervorgegangen.« Auch die beiden heimischen Top-Skispringer Markus Eisenbichler (TSV Siegsdorf) und Andreas Wellinger (SC Ruhpolding) sammelten einst wertvolle Erfahrungen in der Mini-Serie des SV Chiemgau.

Auch in die Zukunft blicken Axel Malcher und Sebastian Schwarz recht optimistisch. Aktuell werden im Skiverband Chiemgau an die 70 Nachwuchsskispringer betreut – darunter sind auch einige Mädchen, was beide besonders freut. »Unsere Verbandsgröße und unser Budget sind zwar klein, aber wir stellen in Deutschland die meisten Athleten«, heben sie hervor.

Und: »Coronabedingt haben wir auch keine Abmeldungen zu verzeichnen,« betont Schwarz. Im Gegenteil: »Wir hatten sogar einen unheimlichen Zuwachs zu verzeichnen.« Dabei konnte der Grundschultag in diesem Winter – dabei wird die Sportart den Schülern an einem Tag anschaulich näher gebracht – nicht mal stattfinden.

Malcher rührt deshalb weiter die Werbetrommel und ermuntert die Kinder, unbedingt einmal das Skispringen auszuprobieren – und das sollte der Nachwuchs schon relativ früh am besten im Alter von sechs bis sieben Jahren machen. Die einzige Voraussetzung, die man mitbringen sollte. »Man sollte gut Skifahren können«, sagt der erfahrene Coach. Er hebt auch hervor, dass Skispringen eine sehr sichere Sportart sei. »Skispringen ist auch keine Mutprobe«, betont er. »Man wird ganz langsam an die großen Schanzen herangeführt.«

Ein weiterer Vorteil ist, dass man als Skispringer extrem vielseitig trainieren kann. Und: Die Kosten für die Eltern halten sich am Anfang in Grenzen. Es muss einem allerdings bewusst sein, dass man viel unterwegs ist. »Der Samstag ist mein wichtigster Arbeitstag«, sagt Malcher. Dann fährt er mit dem Nachwuchs zu den Schanzen in der Region und auch ins Ausland. Wichtig ist, »dass man viel Schanzen-Erfahrung sammelt, denn jede Schanze ist anders«.

Jetzt laufen bereits die Vorbereitungen für die neue Saison auf Hochtouren. Die beliebte Mini-Serie soll in diesem Jahr »nach Möglichkeit wieder ganz normal über die Bühne gehen«, informiert Sebastian Schwarz. Es ist bereits die 52. Auflage. »Falls es wieder Einschränkungen geben wird, können wir schnell wieder auf unsere virtuelle Serie umschwenken, denn wir haben uns breitbeinig aufgestellt.« Die virtuellen Jumps werden auf jeden Fall auch parallel weiterlaufen, sagt Malcher. »Sie sind eine gute Trainingsmöglichkeit und dadurch haben wir eben auch einen Plan B in der Tasche« ergänzt er.

Malcher hofft, dass die neue Saison dennoch wieder einigermaßen normal ablaufen kann. Schließlich hat sich der SV Chiemgau hohe Ziele gesteckt: »Wir versuchen auch in Zukunft, gute Leute nach oben zu bringen«, sagt Sebastian Schwarz, der für seinen Bereich auch immer auf der Suche nach neuen Sponsoren ist, um »den Skisprung in der Region weiter positiv entwickeln zu können«. Kein leichtes Unterfangen, wie er weiß: »Die anderen Nationen haben nachgelegt und den Druck erhöht.« Man müsse konsequent weiterarbeiten, ergänzt Axel Malcher. »Leute vom Kaliber Eisenbichler oder Wellinger fallen auch nicht vom Himmel.« SB

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