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»Die Corona-Krise hat uns einige Mannschaften gekostet«

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Normalerweise gibt es immer im Januar und im Juni ein großes Abschlussturnier der Darts-Spieler, das Vorstand Peter Zeindl mit dem Verein Dart-Sport-Liga BGL genauso wie die Wettkämpfe in den Ligen und die Turniere für Einzelspielerorganisiert. (Fotos: Heinrich Armin)
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Vorstand Peter Zeindl hofft, dass die Saison Mitte Dezember weitergehen kann.

Während das deutsche Darts-Duo Max Hopp und Gabriel Clemens gerade in Salzburg um den Titel in der Team-WM gekämpft hat, müssen sich die 46 Darts-Mannschaften aus dem Landkreis Traunstein und dem Berchtesgadener Land, die in den vom Verein Dart-Sport-Liga BGL organisierten Ligen antreten, noch gedulden.


Ab dem 14. Dezember soll ihre Saison weitergehen, sagt der Vereinsvorsitzende Peter Zeindl. »Das hat sich jetzt alles etwa um zwei Monate verschoben. Normal sind wir genau vor Weihnachten fertig und spielen Anfang Januar unser Abschlussturnier.« Dieses sei nun am 6. März geplant, bevor bereits ab dem 22. März die Frühjahrssaison losgehen soll.

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Die Mannschaften treten in sechs Ligen gegeneinander an – in einer A-, drei B- und zwei C-Klassen. Weil sie ihre Ligaspiele im Elektronik-Darts (E-Darts) an Automaten in Gasthäusern austragen, steht während der momentanen Einschränkungen auch der Ligabetrieb still.

Ein Spiellokal ist laut Peter Zeindl die wichtigste Voraussetzung für eine Teilnahme am Ligabetrieb. »Zum Glück ist Darts im Berchtesgadener Land und in Traunstein relativ weit verbreitet und es gibt genügend Wirte.« Von den Darts-Ligen sollen beide Seiten profitieren: »Viele Wirte gäbe es ohne uns vielleicht gar nicht, aber uns gibt es ohne die Wirte auch nicht.«

»Spiele stehen für uns definitiv im Vordergrund«

Denn die Wirte müssen auch die Dartsautomaten aufstellen. »Damit haben wir nichts am Hut«, betont der Vereinsvorsitzende. »Wir kümmern uns nur um den Ablauf, die Spiele stehen für uns definitiv im Vordergrund. Wir wollen nichts verdienen.« Und ohne die Automaten geht nichts: »Wir sind ein rein elektronischer Dartsverein«, sagt Peter Zeindl. »Der Automat erleichtert den Einstieg.« Schließlich nimmt er den Spielern das Zählen ab, zudem zählen beim E-Darts Würfe auch, wenn der Pfeil seinen Kontakt an der Scheibe hinterlässt, dann aber runterfällt.

Beim Steeldarts ist das anders. »Das sind definitiv zwei verschiedene Sportarten«, stellt Peter Zeindl klar. Im Fernsehen sehe Steeldarts zwar immer locker aus, es seien aber schon viele Spieler nach einem Wechsel daran gescheitert, dass sie plötzlich selbst rechnen und wissen mussten, auf welchem Weg sie die passende Punktzahl erzielen können. Auch wenn E-Darts für Einsteiger besser geeignet ist, werde in den Ligen der Dart-Sport-Liga BGL »schon gar nicht so schlecht Darts gespielt«, betont der Vereinsvorsitzende.

Die Mannschaften bestehen dabei aus mindestens vier Spielern, »nach oben gibt es keine Grenzen«, erklärt Peter Zeindl. Allerdings teilen sich viele Mannschaften bei genügend Spielern in zwei Teams auf. Sie legen jeweils selbst den Tag fest, an dem sie ihre Heimspiele austragen. Der Verein organisiert dann den Ablauf für die Ligen. Bei jedem Mannschaftsduell gibt es 16 Spiele nach dem Modus jeder gegen jeden – für einen Sieg erhält die Mannschaft zwei Punkte.

Während in den Ligen nur Mannschaften antreten, gebe es bei den Profis zu »98 Prozent Einzelwettbewerbe«, sagt Peter Zeindl. Darauf hat der Verein reagiert und bietet seit 2012 in verschiedenen Lokalen Turniere für Einzelspieler an – den Alpencup, der normalerweise von November bis Juni läuft.

Daran können auch Einzelspieler teilnehmen, die nicht in einer Mannschaft aktiv sind. »Da kann jeder mitspielen und Darts ausprobieren«, erklärt der Vereinsvorsitzende. Ziel sei dabei auch, dass sich Interessierte kennenlernen und eine Mannschaft gründen. Ein weiterer Anreiz ist der Jackpot aus den Antrittsgeldern, der am Ende auf die 52 besten Spieler des Cups verteilt wird.

Sepp Moos belegte 2019 den 2. Platz beim Alpencup. »Ich spiele gerne bei Turnieren – natürlich will ich da auch gewinnen«, sagt der Kapitän der A-Liga-Mannschaft »Dart Vaders«. »Aber es gibt andere starke Spieler und wenn ich verliere, bricht meine Welt nicht zusammen.«

Darts spielt der 47-Jährige, seit er 16 Jahre alt ist, seit 2006 auch in der Mannschaft. »Das macht Riesenspaß, wir sind eine super Truppe«, betont Sepp Moos.

Seine Mannschaft trägt ihre Heimspiele im Traunsteiner Gasthaus Tommys Kriegenhofer aus und belegt momentan den 2. Platz in der Tabelle. »Da sind zwei andere Mannschaften dabei, die wahnsinnig stark sind. Aber vielleicht schaffen wir es ja doch mal, A-Liga-Meister zu werden«, hofft Sepp Moos. Dafür trainiert der Vachendorfer normalerweise nicht nur regelmäßig mit seiner Mannschaft im Gasthaus, sondern auch zu Hause im Keller. »Alleine spiele ich ungern, da fehlt die Motivation«, gibt der 47-Jährige zu. »Man wird eigentlich immer besser, wenn man gegen andere Leute spielt.« Dafür hat Sepp Moos einen Automaten und eine Dartscheibe zu Hause.

Er tritt nämlich nicht nur mit den »Dart Vaders« und alleine bei Turnieren an, sondern spielt seit einigen Jahren auch Steeldarts in der Bezirksoberliga-Mannschaft EC Bergen II. »Das ist schon eine kleine Umstellung«, bestätigt Sepp Moos. »Beim Umstieg muss man sich erst wieder reinfinden.« Vor allem der Kopf sei dabei gefordert: »Mir kommt es immer so vor, als ob die Doppel- und Triplefelder beim E-Darts kleiner wären«, erzählt er und lacht: »Wir haben das extra mal nachgemessen – und sie sind auf den Millimeter gleich groß.«

Alleine bei Turnieren tritt Sepp Moos nur etwa dreimal im Jahr an. »Es reizt mich schon, vor Leuten zu spielen. Aber ich bin kein großer Rumreiser. Ich bin auch ganz gerne zu Hause bei meiner Familie und schaue mir dann nur die Ergebnisse an.«

Dass die Turniere für Einzelspieler gut angenommen werden, beweisen die bis zu 150 Teilnehmer. »Vor rund zehn Jahren waren die Einzelwettbewerbe bei uns komplett eingeschlafen«, erinnert sich Peter Zeindl. So kam die Idee, es mit einem Jackpotturnier zu probieren und darüber auch mehr Spieler und letztlich mehr Teams für den Ligabetrieb zu gewinnen.

Das Interesse an Darts ist spürbar gewachsen

Dabei profitiert auch die Dart-Sport-Liga davon, dass Darts inzwischen immer öfter im Fernsehen zu sehen ist. »Das spannt man in den unteren Klassen auch, dass das Interesse gewachsen ist«, erzählt Peter Zeindl. »Inzwischen reden viele Leute über Darts.«

Allerdings machen sich die Auswirkungen der Corona-Pandemie nicht nur durch die Saisonunterbrechungen bemerkbar. »Wir waren auch schon bei 64 Mannschaften«, berichtet der Vereinsvorstand. Zwar gebe es immer Schwankungen, aber »die Corona-Krise hat uns einige Mannschaften gekostet«.

Zudem wird auch der Spielplan gehörig durcheinandergewirbelt. »Heuer ist es der Wahnsinn, wir sind ganz gut gefordert durch die ganzen Verschiebereien«, meint Peter Zeindl. Es gebe zwar sowieso kaum Zuschauer, aber Ligaspiele können nur ausgetragen werden, wenn auch wieder zehn Personen beim Sport zugelassen sind. Der Posten als Vorstand gefällt Peter Zeindl trotzdem: »Es macht schon Spaß, wenn alles funktioniert. Man muss aber selber ein bisschen fanatisch sein.«

Im Moment bleiben ihm und Sepp Moos jedoch nur die Bilder vom Darts im Fernsehen. »Wenn ich Zeit habe, schaue ich mir das gerne an«, sagt Sepp Moos. »Was die können, ist schon brutal. Aber lieber ist es mir, selber zu spielen.« jom

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