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»Die Ausgangslage ist nicht schlecht«

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Er freut sich auf die kommende Saison: Josef »Pepi« Ferstl vom SC Hammer. (Foto: Rudi Whylidal/Plakat am Lkw GmbH)

Im vergangenen Jahr hatte Josef »Pepi« Ferstl im alpinen Ski-Weltcup in den Speed-Disziplinen Abfahrt und Super-G einen guten Einstand. Dann bremste den Traunsteiner ein Kreuzbandriss. So musste sich der Sportler des SC Hammer mühevoll wieder herankämpfen.


Doch dies scheint gut gelungen zu sein, denn bei ersten Rennen in Chile, die als Vorbereitung auf den Weltcup dienten, bewies Ferstl mit Spitzenplätzen – darunter ein Abfahrts- und zwei Super-G-Siege – dass er bereits gut in Form ist. Sein Hauptziel in diesem Jahr ist die Qualifikation für die in Sankt Moritz (6. bis 19. Februar 2017) stattfindende alpine Ski-WM. Zwar wurde der für das vergangene Wochenende geplante Auftakt des Weltcups für die Speedfahrer abgesagt, doch der 27-Jährige freut sich dennoch auf die neue Saison, wie er im Interview mit der Sportredaktion des Traunsteiner Tagblatts sagte.

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In der vergangenen Saison ging es bei Ihnen ja schon gut nach vorn, dann kam die Verletzung. Wie lief es dann mit der Behandlung? Ab wann konnten Sie wieder voll trainieren?

Pepi Ferstl: Ich hatte mir das Kreuzband im linken Knie gerissen und musste mit mindestens sechs Monaten Pause rechnen. In der Reha (Schadhauser Traunmed) ging es gleich mal ziemlich schnell bergauf. Ich konnte sofort wieder sehr viel trainieren, soweit das Knie es zuließ. Ich machte große Fortschritte. Nach gut drei Monaten stagnierte alles ein bisschen, dann ging alles nur noch mit kleinen Schritten weiter. Das Ziel war es, dass ich bis zum August wieder dabei sein und schmerzfrei Skifahren kann. Den vollen Trainingsumfang machte ich so ab fünf Monaten. Klar waren da Übungen dabei, wo es noch nicht zu hundert Prozent ging, aber im Großen und Ganzen konnte ich alles wieder trainieren – natürlich noch mit viel Physiotherapie verbunden.

Was ist in dieser Saison in etwa möglich?

Es ist alles möglich (lacht). Die Ausgangslage nach meiner schweren Verletzung ist nicht schlecht, wie weit das jetzt reicht, kann ich auch nicht sagen. Fakt ist, dass ich wieder dahin will, wo ich letzte Saison vor meinen Sturz aufgehört habe. Ich möchte regelmäßig in die Top 30 bzw. Top 15 fahren, um mich für die WM zu qualifizieren.

Es gab ja bei den ersten Rennen in Südamerika schon gute Ergebnisse. Hat das gezeigt, dass die Vorbereitung gut gepasst hat?

Die Vorbereitung speziell in Chile war sehr gut, besser geht es nicht. Danach in Europa auf den Gletschern fanden wir leider eher schlechte Bedingungen vor als gute. Dann hatten wir in Copper Mountain (USA) zwar sehr wenig Schnee, aber um sich den letzten Feinschliff zu holen, genügte es allemal.

In der vergangenen Saison war schon zu erkennen, dass das gesamte Speed-Team einen Schritt nach vorn gemacht hat. Könnt Ihr euch heuer noch weiter verbessern?

Ja klar, verbessern kann man sich immer – selbst wenn man ein Rennen mal gewinnt, könnte man wahrscheinlich selbst in diesem Lauf noch etwas besser machen. Es stimmt, letztes Jahr haben wir alle im Team einen sehr großen Sprung gemacht, alles wurde schnell verbessert, Technik, Sprünge, Gleiten etc. Heuer gilt es, alles noch konzentrierter und konstanter zu machen, einfach Schritt für Schritt. Ich muss mein Selbstvertrauen erst einmal wieder zurückgewinnen wie im Vorjahr, sodass ich zu hundert Prozent auf das vertrauen kann, was ich tue – dann ist vieles möglich ...

Was macht das Besondere am Trainerteam mit Mathias Berthold aus?

Ich denke, nicht nur Mathias hat uns viel weitergeholfen, sondern das ganze Team, angefangen vom neuen Cheftrainer, Co-Trainern über Ski-Serviceleute bis hin zum Physio. Alle haben das gleiche Ziel vor Augen, arbeiten konzentriert. Sie sind verständnisvoll gegenüber den Athleten und ziehen am gleichen Strang, das macht eine erfolgreiche Arbeit aus. Und es macht sehr viel Spaß, was natürlich dazugehört – ansonsten würde alles sehr steif und verkrampft.

Wo liegen die Schwerpunkte im Training? Wurde noch etwas verändert?

Der Schwerpunkt im Training liegt momentan darauf, das perfekte bzw. schnellste Setup (Abstimmung von Ski, Skischuh, Bindung, Anzug, etc.) für die Rennen zu finden – bei weichem Schnee diesen Skischuh, bei harten Bedingungen diesen Ski und so weiter. Das heißt wir arbeiten intensiv daran, alles für den jeweiligen Lauf (Rennen) möglichst gut herauszufinden. Änderungen gab es ein paar, aber diese waren eher individuell, zum Beispiel die Ernährung verbessern bzw. ein bisschen umstellen, mehr Geschicklichkeit im Training einbauen. Im Großen und Ganzen ist aber alles beim Alten geblieben.

Das Fernziel ist ja Olympia 2018. Was sind die Hauptziele in dieser Saison?

Verletzungsfrei zu bleiben, wieder in die Top 30 hineinkämpfen und sich dort etablieren und für die WM in St. Moritz zu qualifizieren.

Wie wichtig ist dabei ein guter Saisonauftakt?

Ich finde, dass es schon wichtig ist. Es zeigt einfach deine aktuelle Form wo du gerade stehst. Wenn es nicht gut läuft, dann werde ich auch nicht gleich verzweifeln, da die Saison lang ist – und es gibt viele neue Chancen und verschiedene Strecken.

Gibt es Strecken, die Ihnen besonders gut liegen?

Ja, so Strecken wie Beaver Creek oder Kitzbühel sind etwas sehr Spezielles und Besonderes, die mag ich sehr gern, grundsätzlich hat aber jede Strecke ihren eigenen Charakter und Flair, ich finde jede Abfahrt, die ich bestreiten darf sehr speziell und cool.

Gibt es auch während der Saison mal eine »Verschnaufpause«?

Vom Saisonbeginn an geht es eigentlich Schlag auf Schlag, ein paar freie Tage an Weihnachten und ansonsten geht's Anfang Januar sehr stressig mit den Klassikern Wengen, Kitzbühel gleich weiter. Bis Ende März, ab da gibt's dann mal wieder etwas mehr Zeit.

Das Interview führte: Walter Hohler