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Deutsche Rennrodler »im Normalfall ganz vorne dabei«

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Es war eine der knappsten Entscheidungen der Olympia-Geschichte: Barbara Niedernhuber raste 1998 in Nagano hinter Silke Kraushaar auf Rang zwei. Lächerliche zwei »Tausendstel« trennten die beiden Rodlerinnen beim deutschen Doppeltriumph. Auch vier Jahre später wurde es Silber für die gebürtige Berchtesgadenerin, die mittlerweile Ausbildungsleiterin bei der Bundespolizeisportschule in Bad Endorf ist. Sie ist ein bekanntes Gesicht in der Region um Berchtesgaden.


Aufgewachsen in der Gastronomie – ihre Eltern führten die Scharitzkehlalm und das Gasthaus Hochschwarzeck) – wohnt Barbara seit ihrem 23. Lebensjahr in der Schönau am Königssee. »Ganz in der Nähe der Bob- und Rodelbahn«, wie die 39-Jährige im Gespräch mit unserer Sportredaktion erklärte.

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Im Kufensport kennen sie sich ja bestens aus. Was sagen Sie dazu, dass die Berchtesgadenerin Anja Huber im Skeleton erst sehr spät auf den Olympia-Zug aufgesprungen ist? In Vancouver hatte sie immerhin Bronze geholt.

Ich finde es sehr gut, dass sie dabei ist. Sie hat ja mit einem zweiten Platz im Weltcup und dem dritten Platz bei der EM bestätigt, dass sie zur absoluten Weltspitze gehört. Aber die Nominierungs-Kriterien im Skeleton waren halt sehr hart. Doch aus meiner Sicht wäre es sehr schade gewesen, wenn man die Anja nicht mitgenommen hätte.

Was würden sie den »Sotschi-Athleten« aus der Bundespolizeisportschule Bad Endorf raten, damit ihr Medaillen-Traum oder sogar Traum von Gold zur Wirklichkeit wird? Wie haben Sie es damals gemacht?

Ich habe alles getan, um bei Olympia Gold zu gewinnen. Aber zwei Tausendstel kann man einfach nicht berechnen. Beim zweiten Mal, 2002 in Salt Lake City, war’s ja auch ganz knapp. Aber wenn man bei Olympia überhaupt eine Medaille gewinnt, ist das schon eine tolle Leistung. Gold kann man nicht planen, denn da spielen so viele Faktoren mit: Man kann krank werden oder einen kleinen Fehler machen. Man kann planen, wie man will: Wenn es an diesem Tag nicht klappen soll, dann ist es halt so. Aber ich bin auf alle Fälle sehr happy mit meinen zwei Silbernen – es hätten ja auch zwei vierte Plätze werden können. Dann wäre ich sicher sehr enttäuscht gewesen.

Nimmt die Nervosität vor Olympia nochmal zu – im Vergleich zu einer Welt- oder Europameisterschaft? Wie war es bei ihnen?

Bei mir gab’s keine größere Nervosität – ich hatte zum Glück keine Probleme. Aber anderen Olympia-Teilnehmern geht es, beziehungsweise ging es da sicher anders – die Spiele sind bekannt für das Favoritensterben und so andere verrückte Geschichten. Dabei wäre es eigentlich ein ganz normales Rennen – sogar mit weniger Konkurrenz, weil in den meisten Sportarten nicht so viele Teilnehmer wie in den Weltcuprennen oder bei der WM starten dürfen. Doch die Öffentlichkeit schaut ganz anders auf die Olympischen Spiele, denn sie sind der absolute sportliche Höhepunkt, das Höchste überhaupt, was eine Sportlerin, ein Sportler gewinnen beziehungsweise erreichen kann.

Als Fachlehrerin und Prüferin für Einsatzrecht bei der Bundespolizei haben sie auch schon Olympia-Helden geprüft. Erzählen sie mal!

Seit dem letzten Jahr bin ich neben meiner Tätigkeit als Fachlehrerin und Betreuerin der Bundespolizei-Rennrodelmannschaft auch Ausbildungsleiterin bei der Bundespolizei und für den Ablauf und die Planungen für alle vier Lehrklassen verantwortlich. Dabei habe ich natürlich schon Olympia-Helden wie beispielsweise Felix Loch, Arnd Peiffer und Marinus Kraus unterrichtet und geprüft. Sie waren alle sehr gut!

Kann bei den Rennrodlern eigentlich – bezüglich der Medaillenhoffnungen – etwas schiefgehen? Sie sind ja normalerweise eine absolute Gold-Bank.

Theoretisch kann immer etwas schiefgehen, denn das Rennrodeln ist eine Rennsportart. Hinzu kommen Umwelteinflüsse wie zum Beispiel das Wetter oder die Eisstruktur. Zudem kann es passieren, dass man die Materialwahl nicht richtig trifft oder vor Nervosität einen Fahrfehler macht. Unterm Strich ist also nichts sicher! Aber das ist nicht unbedingt abhängig von den Olympischen Spielen, sondern gilt für jedes Rennen. Aber im Normalfall, wenn unsere Bundespolizeisportlerinnen und -sportler ihre Leistungen der letzten Wochen und Monate abrufen, dann werden unsere Athletinnen und Athleten in Sotschi ganz vorne mit dabei sein. Das wünsche ich ihnen, und ich bin auch sehr zuversichtlich, dass sie es schaffen werden.

Welche Sportarten gefallen ihnen neben dem Rennrodeln am besten? Was werden sie sich vor dem Fernsehschirm auf keinen Fall entgehen lassen?

Grundsätzlich bin ich total sportbegeistert und schau’ mir alles an. Beim Rennrodeln beziehungsweise den anderen Kufensportarten kenne ich mich halt besonders gut aus. Aber letztlich interessieren mich alle Sportarten – vor allem natürlich die, an denen unsere 23 Sportlerinnen und Sportler der Bundespolizeisportschule teilnehmen.

Abschließende Frage: Wie sehen sie das Scheitern von Olympia 2022 von München beziehungsweise unserer Region inklusive Königssee?

Das ist wirklich schade, denn man hätte zeigen können, wie man Olympische Winterspiele umsetzen kann, ohne Wahnsinns-Eingriffe in die Natur vorzunehmen. Es wären sicher tolle Spiele geworden, weil bereits so viele Sportstätten vorhanden sind. Insgesamt wären die Olympischen Spiele ganz sicher ein riesiger Gewinn für unseren Breiten- und Nachwuchssport gewesen. cs