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Deutliche Worte und Führungswechsel beim SC Ruhpolding

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Sie sehen den SC Ruhpolding trotz großer Herausforderungen für die Zukunft gut gerüstet (von links): BSV-Vizepräsident Engelbert Schweiger (zudem Leiter der Chiemgau-Arena), Harald von Knoerzer-Suckow (bisheriger Vorsitzender), Herbert Fritzenwenger (neuer Vorstand) und Bürgermeister Claus Pichler. (Foto: S. Huber)

Bei der Jahreshauptversammlung des SC Ruhpolding ist Herbert Fritzenwenger Junior zum neuen Vorsitzenden gewählt worden. Er tritt damit die Nachfolge von Harald von Knoerzer-Suckow an. Dieser hatte sich nach sechs Jahren Amtszeit entschlossen, nicht mehr zu kandidieren.


Bei der gut besuchten Versammlung im Café Biathlon in der Chiemgau-Arena sagte er zu seinen Gründen: Es sei der Mangel an Zeit, um dieser verantwortungsvollen Aufgabe gerecht werden zu können. »Die Bürokratie und die steigenden Anforderungen werden immer mehr, das Ehrenamt wird immer schwieriger dadurch – und nicht mehr geschätzt«, so seine deutlichen Worte.

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Von Knoerzer berichtete über ein ereignisreiches Jahr. Vor allem die Turbulenzen um die Ausrichtung des Biathlon-Weltcups im Januar waren prägend. Der endlose Schneefall hatte zu erheblichen Problemen geführt, zunächst beim Aufbau der Strecken und des Stadions, danach bei der Durchführung der Wettkämpfe. Die Eröffnungsfeier und der erste Wettkampftag mussten gestrichen werden. Auch die Genehmigung zur Durchführung des Weltcups durch das Landratsamt ließ auf sich warten. »In meiner langen Tätigkeit beim Skiclub habe ich so etwas noch nie erlebt. Es war zweifelsohne eine schwierige Lage für alle Beteiligten«, meinte er rückblickend.

In diesem Zusammenhang lobte von Knoerzer den unermüdlichen Einsatz aller Beteiligten. Angefangen von der Stadionleitung, den Verantwortlichen des Skiclubs und Bürgermeister Claus Pichler mit der Gemeinde. Bemerkenswert fand er den Einsatz der vielen freiwilligen Helfer aus nah und fern. »Wir konnten schließlich die Arena im perfekten Zustand für Zuschauer und Sportler präsentieren.«

Durch die starken Schneefälle wurde auch der Sprungbetrieb an den Schanzen zum Problemfall. Ein Lawinenabgang beschädigte die Schanzen K 65, K 90 und K 120 so stark, dass diese bis auf weiteres außer Betrieb genommen wurden. Mittlerweile wurde mit Lorenz Wegscheider im Frühjahr ein Schanzenwart gefunden. Damit soll in Zukunft zumindest auf den Kleinschanzen ein geregelter Sprungbetrieb stattfinden.

Um mehr Nachwuchs zu gewinnen, organisierte der Verein zwei gut besuchte »Wintersport-Gaudi-Tage«. Dabei präsentierten sich alle Abteilungen am Westernberg. Gut organisiert waren laut von Knoerzer auch die weiteren Veranstaltungen wie der FIS-Schüler-Grand-Prix im Sommer im Skispringen. Großes Lob heimsten die Ruhpoldinger für die Ausrichtung der Deutschen und Bayerischen Meisterschaft der Masters im Langlaufen ein. Es gebe bereits eine Anfrage zur Austragung einer WM mit rund 800 Teilnehmern, so der scheidende Vorsitzende. Er informierte auch darüber, dass der SCR aktuell 986 Mitglieder habe, dies sei ein leichter Anstieg gegenüber dem Vorjahr.

Eine bemerkenswerte Antrittsrede hielt der neugewählte Vorsitzende Herbert Fritzenwenger. Er will in Zukunft auf die vier Kernsportarten im Skiclub die Prioritäten setzen. Alpin, Biathlon, Skisprung/Nordische Kombination und Langlauf haben absoluten Vorrang. Vor allem Biathlon müsse wieder einen höheren Stellenwert im Verein erzielen.

»Biathlon ist die Sportart, mit der Ruhpolding Geld verdient. Nicht nur im Skiclub, sondern auch in der gesamten touristischen Infrastruktur«, so Fritzenwenger. Wichtig seien aber auch das alpine Skifahren als Basis für alle Disziplinen sowie der Skilanglauf. Dieser diene als Grundausbildung und Reservoir für den Biathlonsport. »Skispringen ist und bleibt in den kommenden Jahren unsere erfolgreichste Disziplin«, meinte er weiter.

Vor allem das Thema »Schanzen« sei in Ruhpolding auch durch die lange Tradition sehr wichtig. Die Sanierung der im Winter beschädigten Schanzen würde mehrere Millionen verschlingen. Eine moderne weltcuptaugliche Anlage zu errichten, weitere Millionen.

»In Zukunft werden wir auf große Schanzen verzichten müssen«, brachte es Fritzenwenger auf den Punkt. »Es klingt hart und drastisch: Die Chiemgau-Arena und die Gemeinde bekommen keine verlässlichen Aussagen der Zuwendungsgeber. Das Konzept des DSV bekommt kein Gehör von Bund und Land. Wir in Ruhpolding können die Schanzen weder sanieren noch den Unterhalt stemmen. Das alles ist traurige Realität, der wir hier ins Auge sehen müssen.«

Fritzenwenger betonte weiter, man müsse »Rudern« und gemeinsam die Zukunft gestalten. »Wir müssen einige Maßstäbe im Bereich von Zuschüssen für Wettkämpfe neu ansetzen. Die Guten werden weiter gefördert. Wer den Skiclub als Abstellmöglichkeit für seine Kinder betrachtet, muss aber zukünftig damit rechnen, dass es gewisse finanzielle Zuwendungen nicht mehr gibt.« Gebraucht würden gute Trainer, diese seien Herzstück des Vereins. »Das alles können wir aus dem reinen Sportbetrieb nicht decken. Die finanzielle Zukunft ist sehr an die Zuschauerverpflegung im Rahmen des Biathlon-Weltcups gebunden. Wir wollen versuchen, das Café Biathlon wirtschaftlich erfolgreicher zu gestalten. Im Augenblick ist es noch ein Subventionsbetrieb«, so der 56-Jährige.

Bürgermeister Claus Pichler betonte die besondere Bedeutung der Zusammenarbeit mit dem Skiclub und der Gemeinde. »Das ist was Besonderes, wir sind aufeinander angewiesen – und das im positiven Sinne«, so der Rathauschef. In der Gegenwart sei der Biathlon-Weltcup das Aushängeschild. »In diesem Jahr war die nervliche Anspannung hoch wie nie gewesen«, meinte er rückblickend. »Ich bin stolz auf den Zusammenhalt im Ort. Ein wenig hatten wir auch das Glück des Tüchtigen. Wir haben aus den Schwierigkeiten viel gelernt.« Zudem lobte er das Engagement des scheidenden Vorsitzenden Harald von Knoerzer.

Außer dem Wechsel an der Spitze gab es im Bereich der Vorstandschaft nur wenige Änderungen. Thomas Schuhbeck wurde neuer stellvertretender SCR-Vorsitzender und vervollständigt das Stellvertreter-Trio mit Thomas Haßlberger und Richard Freimoser. Für Thomas Schuhbeck übernimmt Andreas Weigand die Spartenleitung von Skisprung/Nordische Kombination. Neuer Schatzmeister wurde Harald Stempfer, Claudia Funk hatte nicht mehr kandidiert. SHu