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»Der Verein ist zusammengewachsen«

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Bei nationalen und internationalen Rennen kämpfen die Chiemseesurfer mit, so wie Anton Stadler (vorne) bei der Europameisterschaft in Ungarn.

Beim Regatta Surfclub Chiemsee war die Saison zwar von Ausfällen und Absagen geprägt, trotzdem hat die Corona-Krise für den Verein nicht nur Nachteile, wie die Vorsitzende Walburga Stadler erklärt: »Wir haben zwar alle Regatten abgesagt, aber der Verein ist zusammengewachsen und hat sich konsolidiert.«


Der Verein legt sein Hauptaugenmerk auf den Regattasport und die Ausbildung von Jugendlichen – dafür hat der Regatta Surfclub auch ein Jugendkonzept ausgearbeitet und ist bayerischer Landesstützpunkt für das olympische Segelsurfen.

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Das Konzept sieht nicht nur vor, regelmäßiges Training mit ehemaligen bayerischen Kadersurfern und Regatten für die Nachwuchssurfer anzubieten, sondern auch Material für Einsteiger anzuschaffen, um gerade Jugendlichen den Einstieg in den Regattasport zu erleichtern. »Wir haben ausreichend Material da«, betont Walburga Stadler. Zum Einstieg können die Clubmitglieder so erst mal auf gebrauchtes Material – auch von anderen Mitgliedern – zurückgreifen und müssen nicht gleich mehrere Tausend Euro investieren. Das gilt auch für die Wiedereinsteiger: »Manche haben vielleicht schon mal gesurft und wollen sich das jetzt erst anschauen. Man sagt ja auch, ein Surfer ist ein armer Segler«, erzählt die Vorsitzende mit Verweis auf die geringe Förderung im Surfsport und lacht. »Wir brauchen deshalb ein gutes Vereinsleben.«

Zudem habe auch das Training für Erwachsene, das der Verein am Wochenende anbietet, »enorm eingeschlagen«. Dabei seien Männer und Frauen zwischen 30 und 70 Jahren. »Surfen ist schon auch ein Familiensport«, ergänzt die Vorsitzende. Für den Verein bedeute das aber einen »ganz schönen Aufwand«, schließlich müssen auch genügend Trainer zur Verfügung stehen. »Ein Verein muss das erst mal hergeben.« Doch der Aufwand lohnt sich, wie zahlreiche deutsche und internationale Titel der vergangenen Jahre beweisen, die an den Chiemsee gingen. Der RSC stellt auch Mannschaften in der Windsurf-Bundesliga – die Sportler vom Chiemsee zählen dabei immer wieder zum Favoritenkreis, mit insgesamt sieben Meistertiteln ist der RSC der erfolgreichste Verein der über 30-jährigen Bundesliga-Geschichte. Zum Jubiläum im vergangenen Jahr belegten Stephan Hecker, Frank Spöttel und Toni Stadler vom Regatta Surfclub Chiemsee den 2. Platz.

In diesem Jahr wirbelte die Corona-Pandemie die Wettkämpfe der Surfer gehörig durcheinander: Die Qualifikationsregatten für die Deutsche Meisterschaft fielen aus, das Finale der Mannschaftsbundesliga der Raceboardsurfer am Auesee bei Wesel (Nordrhein-Westfalen) war das erste und einzige Rennen der bayerischen Windsurfer. Die Erste Mannschaft der Chiemseesurfer war dabei nur mit zwei Athleten vertreten – ein Bundesliga-Team besteht aus bis zu vier Surfern, wobei jeweils nur die besten zwei Ergebnisse einer Regatta gewertet werden – und belegte am Ende den 3. Rang in der Meisterschaft hinter den Mannschaften aus Wilhelmshaven und Großenbrode. Die Vorbereitungen für die Wettkämpfe beginnen für die Sportler normalerweise im Süden: Spätestens in den Osterferien trainieren sie auf dem Gardasee oder in Südfrankreich. Ab Mai geht dann mit der passenden Wassertemperatur auch das Jugendtraining des Vereins am Chiemsee los. Dabei sind die Nachwuchs-Surfer zwar viel auf dem Wasser, aber auch Wetter- und Regelkunde zu Vorfahrtsregeln oder Flaggen stehen auf dem Programm.

Zudem gibt es nach dem Freitagstraining regelmäßig Rennen, bei denen die Kinder und Jugendlichen auch gegen Erwachsene antreten. »Da geht es vor allem um den Spaß«, meint Walburga Stadler. Gleichzeitig werde so der Ehrgeiz der Teilnehmer geweckt, auch mal stärkere Gegner »zu schnupfen«. Zehn bis 14 Kinder in der Altersklasse U 15 nehmen regelmäßig am Training teil, an den Regatten 20 bis 30 Teilnehmer.

»Wir sind keine Surfschule und bieten keine Surfkurse an«, betont die Vorsitzende. »Wir bieten die Surf-Ausbildung für Jugendliche mit lizenzierten Surftrainern.« Allerdings profitiert der Verein auch von der nahen Surfschule, die immer mal wieder talentierte Jugendliche zum Surfclub schickt.

Das Jugendkonzept im Verein gibt es seit 2003, es ist seitdem immer weiterentwickelt worden – und kommt nicht nur bei den Jugendlichen gut an: »Es macht wirklich Spaß, sie sind alle fleißig und haben sich toll entwickelt«, sagt Walburga Stadler. Die Jugendlichen seien nicht nur motiviert, etwas zu lernen, sondern auch mit Spaß bei den Regatten dabei.

Allerdings veranstaltet der RSC nicht nur vereinsinterne Regatten, sondern richtet auch immer wieder nationale und internationale Wettkämpfe aus. Regelmäßig gibt es zwei große Regatten auf dem Chiemsee: Den Chiemsee-Cup Anfang Mai mit einem Lauf für die Mannschafts-Bundesliga Süd und den international besetzten Chiemsee-Insel-Marathon im Oktober, in dessen Rahmen auch die Bayerischen Jugendmeisterschaften ausgetragen werden.

Die in diesem Jahr am Chiemsee geplante Deutsche Jugend- und Jüngstenmeisterschaft in der internationalen Jugendklasse BIC Techno musste der RSC aufgrund der Corona-Einschränkungen abgeben. Deswegen musste der Verein auch auf seine Jubiläumsfeier verzichten, denn der Club besteht inzwischen bereits seit 30 Jahren.

Veränderungen steht die Vorsitzende aber auch nach einer so langen Vereinsgeschichte offen gegenüber – und die gibt es im Surfsport immer wieder: So sei die Klasse Windsurfer LT gerade neu aufgelegt worden, berichtet Walburga Stadler. »Das ist vor allem für ältere Surfer interessant, weil die Segel nicht so schwer sind.« In Italien und Österreich sei diese Klasse bereits sehr stark vertreten.

Bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris löst zudem iFoil die bisherige Windsurf-Klasse RS:X ab. »Momentan fährt das keiner bei uns«, sagt Walburga Stadler. Es gebe aber »zwei junge Männer, die eventuell reinkommen wollen«.

Von den Vorteilen des Foilsurfens, bei dem das Brett auf Tragflügeln über dem Wasser schwebt, hat sich Walburga Stadler selbst schon überzeugt, auch wenn die Surfer wegen der fast ein Meter langen Finne unter dem Brett zum Start ins rund 1,20 Meter tiefe Wasser müssen: »Das ist schon spektakulär – auch mit wenig Wind«, sagt die Vorsitzende. Und die Surfer sind dabei auch noch ziemlich schnell: Im vergangenen Jahr stellte Stephan Hecker mit einem Foilboard einen neuen Rekord beim Insel-Marathon auf und absolvierte die Strecke in weniger als 32 Minuten. »Da war das Ziel noch gar nicht aufgebaut«, erinnert sich Walburga Stadler und lacht.

Wer es gemütlicher mag, kann sich im Regatta Surfclub beispielsweise auch auf dem Stand-Up-Paddle-Board versuchen. Das Ziel des Vereins ist dabei laut Walburga Stadler klar: »Wir wollen Kinder einfach motivieren, sich draußen zu bewegen.« jom

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