Der Traum von einer Olympia-Medaille als Motivation

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Sie kam bislang sehr gut durch die Vorbereitung und will in der kommenden Saison wieder richtig angreifen: Biathletin Franziska Hildebrand. (Foto: Wukits) Foto: Ernst Wukits

Der Traum von einer Olympia-Medaille lebt: Biathletin Franziska Hildebrand (WSV Clausthal-Zellerfeld) aus dem Stützpunkt Ruhpolding geht nach einer bislang erfreulichen Vorbereitung zuversichtlich in die kommenden Monate. Dass sie auf einem guten Weg ist, hatten die Deutschen Meisterschaften vor gut zwei Wochen gezeigt, wo sie zweimal Vizemeisterin (kurzer Einzellauf und Verfolgung) sowie einmal Siebte (Sprint) geworden war.


Die 34-Jährige, für die es besonders in den vergangenen zwei Jahren nicht nach Wunsch gelaufen war, fühlt sich wieder gut gerüstet: »Ich bin bisher verletzungsfrei und gesund durchgekommen. Auch die Arbeit in der Trainingsgruppe von Tobias Reiter macht mir Spaß«, lobt sie. Die DM-Wettkämpfe am Arber hatte sie »direkt aus dem Training heraus bestritten« und gesehen, »dass ich wieder in Schlagdistanz bin.«

Besonders froh war die Sportsoldatin darüber, nach einer längeren Zwangspause im vergangenen Winter wieder an Wettkämpfen teilnehmen zu können. »Das ist wichtig dafür, dass man das Gefühl dafür kriegt, auf dem richtigen Weg zu sein.«

Denn nach der EM in Duszniki Zdroj (Polen) Ende Januar 2021 hatte sie keine Rennen mehr bestritten. Sie war an Corona erkrankt und hatte anschließend pausieren müssen. »Da hatte ich viel Zeit zum Nachdenken und zum Analysieren.«

Eine der Folgen: Hildebrand wechselte für die neue Saison die Trainingsgruppe »und damit auch das komplette Trainingssystem«, erklärt sie. Denn »es gibt grundsätzlich mehrere verschiedene Ansätze, auch am Stützpunkt haben wir zwei unterschiedliche. Da es bei einem System nicht so funktioniert hat, habe ich jetzt das andere ausprobiert.« Welches System letztlich am besten anschlage, sei eine sehr individuelle Sache.

Ihr Hauptproblem in gesundheitlicher Sicht war allerdings schon seit 2017 das rechte Sprunggelenk. Das ist heuer anders: »Ich hatte ein ganz tolles Aquatraining und verschiedene andere Rehamaßnahmen. Ich habe den Fuß sehr gut belasten können. Und sogar beim Joggen und Berggehen hatte ich keine Schmerzen mehr – da habe ich gesehen, dass mein Körper wieder voll belastbar ist«, freut sie sich.

In dieser Phase, in der sie nicht an ihre früheren Spitzenleistungen anknüpfen konnte, waren ihre vorherigen Erfolge eine gute Motivation für die zweimalige Staffel-Weltmeisterin. »Ich wusste ja, dass ich eine gewisse Leistungsfähigkeit habe«, verweist sie darauf, dass sie unter anderem in den Wintern 2014/15 und 2015/16 als Weltcup-Gesamtfünfte jeweils beste Deutsche gewesen war.

Hilfreich waren zudem die Gespräche mit ihrer Zwillingsschwester Stefanie, die bis zum Ende der Saison 2012/13 ebenfalls Biathletin gewesen war. »Sie kann das am genauesten nachvollziehen und ist eine wichtige Ansprechpartnerin. Sie kennt das alles mit den emotionalen Hochs und Tiefs.« Auch in der trainingsfreien Woche nach der DM war Franziska Hildebrand in ihre Heimat nach Köthen gereist, um ihre Schwester und die gesamte Familie wiederzusehen.

Stefanie hatte 2009 gemeinsam mit Franziska Hildebrand den Schritt nach Ruhpolding gewagt. Franziska Hildebrand hat hier mittlerweile den Großteil ihrer Biathlon-Karriere verbracht, »und da wächst man allmählich in das Umfeld rein. Die ersten Kontakte hat man natürlich im Leistungssport, später kommen Leute dazu, die zwar auch sportlich sind, aber keine Leistungssportler«, erinnert sie sich.

Neben der sportlichen Laufbahn absolvierte sie zudem das Bachelor-Studium »International Management«, das sie 2013 erfolgreich abschloss, und auch ihren Master in Wirtschaftspsychologie hat sie bereits fertig. »Ich wusste immer, dass ich das zusätzlich machen möchte. Das hat mich auch zu anderen Denkprozessen animiert, und ich habe dadurch auch andere Leute kennengelernt«, sieht sie als Vorteile. »Vor allem im Mastersstudiengang hatte ich mit Leuten zu tun, die mit ganz anderen gedanklichen Dingen befasst sind.«

Das Hauptaugenmerk liegt freilich auf dem Sport. Und da beschloss sie nach den vorherigen Rückschlägen: »Das soll es noch nicht gewesen sein.«

So setzte sie mit dem Wechsel der Trainingsgruppe auf neue Impulse. Schließlich bringe jeder Trainerwechsel »immer eine neue Perspektive, jeder bringt das anders rüber. Da habe ich mich entschieden, den Schritt zu gehen – ich wollte es zumindest versuchen.«

Dieser Weg soll nun zur ersten Olympia-Medaille für sie führen – wobei ihr bewusst ist, dass dies noch ein weiter Weg ist. »Zunächst findet im November die Qualifikation für die Weltcup- und IBU-Cup-Mannschaft statt. Da möchte ich mich erst einmal für das Weltcup-Team anbieten.« Gelinge dies, müsse sie in einem nächsten Schritt versuchen, »mich über gute Leistungen in den Weltcups für das Olympia-Team anzubieten.«

Unter anderem könnte sie dann an ihrem Wohn- und Trainingsort Ruhpolding vom 12. bis 16. Januar 2022 in der Chiemgau-Arena um vordere Platzierungen kämpfen. Das würde sie besonders freuen: »Ich laufe sehr gerne da. Wenn es geht, ist meine Familie zur Unterstützung da und auch viele andere Fans, die einen anfeuern. Es ist sehr schade, dass 2021 kein Weltcup in Ruhpolding stattfinden konnte.«

Dass unlängst beschlossen wurde, dass der Weltcup 2022 wieder in Ruhpolding ausgetragen werden soll, freut sie sehr. Noch größer wäre die Freude, wenn sie sich dabei mit guten Ergebnissen für Einsätze bei den Winterspielen in Peking empfehlen könnte. Neben zwei WM-Titeln und zwei weiteren WM-Medaillen hat sie auch noch drei EM-Medaillen (davon einmal Gold), zweimal Gold bei Junioren-Weltmeisterschaften und zahlreiche Podestplätze bei Deutschen Meisterschaften geholt. Nur eines fehlt ihr noch: eine Olympia-Medaille. Die Chance, dass es noch klappen könnte, ist jetzt gestiegen. Und diese Chance will sie nutzen ... who

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