weather-image

»Der Traum von einer Medaille lebt«

5.0
5.0
Bildtext einblenden
Sie gehen nach einer bislang erfreulich verlaufenen Saisonvorbereitung mit ihren Sportlern optimistisch in die kommende Saison: die Langlauf-Trainer Frank Nitsch (links) und Falk Göpfert. (Foto: Hohler)

Allmählich geht es für die Skilangläufer in die finale Vorbereitungsphase für den Winter – auch für diejenigen vom heimischen Stützpunkt Ruhpolding. Dort ist Frank Nitsch gemeinsam mit Manuel Schnurrer vor allem für das Perspektivteam der Athleten verantwortlich, die für Einsätze im Continentalcup vorgesehen sind, und seit 1. April Falk Göpfert für die Weltcup-Athleten aus dem Stützpunkt wie Jonas Dobler (SC Traunstein), Andreas Katz (SV Baiersbronn), Lucas Bögl (SC Gaißach) und Thomas Wick (SCM Zella-Mehlis).


Sportler und Trainer freuen sich schon auf die kommenden Aufgaben. Göpfert – der ja auch Vorsitzender des WSV Reit im Winkl ist – hatte im Frühjahr auch die Sportler des Teams von Nitsch und Schnurrer mitbetreut, weil in dieser Phase das Trainerduo bei der Bundespolizei für die Ausbildung der Sportler eingesetzt war. Göpfert hatte einst selbst als Skilangläufer in Oberwiesenthal trainiert, dann nach seinem Studium zum Gymnasiallehrer (Sport und Mathematik) und der Ausbildung als Langlauf-Trainer fünf Jahre im Erzgebirge als Trainer und Lehrer gearbeitet.

Anzeige

Es folgte der Wechsel nach Reit im Winkl. Von dort stammt seine Frau, »deshalb bin ich hergezogen«, blickt er zurück. Er arbeitete mehrere Jahre bei einer Ausrüsterfirma im Skiwachsbereich und war auch als Weltcup-Servicemann eingesetzt. Für zwei Jahre übernahm er dann das dänische Nationalteam. »Das sind alles Amateursportler«, betont er. Für diese schrieb er die Trainingspläne, war aber nur zu Trainingslagern gemeinsam mit den Sportlern unterwegs. Bei den Olympischen Spielen 2010 in Vancouver und bei der nordischen Ski-WM in Oslo fungierte Göpfert zudem als »Wachser«, im Normalfall »war ich der einzige Betreuer«, erinnert er sich.

Ab 2011 war er für den Deutschen Skiverband als Techniker tätig. 2018 half er im Frühjahr am Stützpunkt mit aus. Das kam wohl gut an, »und dann hat der Skiverband angefragt, ob ich das in dieser Saison übernehmen möchte. Hier sind die Bedingungen schon sehr gut mit Rollerbahn, Laufband, dem Umfeld und auch oft mit der Schneesituation. Wenn es da schwierig wird, haben wir mit Winklmoos immer eine sehr gute Alternative, Reit im Winkl ist da sehr hilfreich«, lobt er die Verantwortlichen.

Das deutsche Team ist aber nun nach Livigno gereist, um auf Schnee zu trainieren, ehe das Trainingslager in Davos fortgesetzt wird. Um jedoch einen Höhentrainings-Effekt zu erzielen, muss man noch etwa eine Woche länger in der Höhe bleiben. Dies tun nun Thomas Wick, Lucas Bögl und Andreas Katz. »Gerade Thomas Wick und Lucas Bögl wollen etwas Neues versuchen, weil sie mit dem bisher Erreichten nicht zufrieden sind. Und bei den Olympischen Spielen 2022 (in Peking, d. Red.) sind die Wettkämpfe ja auch in der Höhe, da wollen sie jetzt schon sehen, wie es ihnen mit dem Höhentraining geht«, so Göpfert. Denn hier reagiere jeder Sportler anders darauf, »manchen hilft das sehr, anderen bringt es eher nichts.«

Lucas Bögl will es zumindest versuchen. Schließlich sei diese Saison ein »Zwischenjahr« ehe 2021 die Heim-WM in Oberstdorf und 2022 die Olympischen Spiele anstünden. Bögl, dessen Vorbereitung in diesem Jahr bislang erfreulich verlief, hatte 2009 sein Abitur in Berchtesgaden gemacht, ehe er an den Stützpunkt Ruhpolding wechselte – mit noch etwas unrealistischen Vorstellungen. »Als 18-Jähriger meint man, man gewinnt bald mal im Weltcup – es ist dann aber doch schwerer«, lacht er. Er musste feststellen: »Ich bin kein Überflieger.« Dennoch: »Ich habe viele tolle Leistungen und Ergebnisse geschafft. Ich war schon zweimal bei einer WM und einmal bei Olympischen Spielen.« Aber »der Traum von einer Medaille bei einer WM oder Olympia lebt schon noch« – wobei ihm bewusst, ist, dass dies am ehesten in der Staffel möglich sein dürfte. »Auch in einem Einzelwettkampf mal unter die Top Ten zu kommen wäre toll«, hofft der 29-Jährige.

Fortschritte nicht nur vom Höhentraining erhofft sich auch Thomas Wick. Er kam 2013 an den Stützpunkt und ist mit dem bisherigen Verlauf der Vorbereitung sehr zufrieden. »Ich hatte keine Probleme und freue mich schon auf die Wettkämpfe«, erklärt der 28-Jährige. Der Trainingsaufbau sei etwas anders als in der Vergangenheit, zum einen, weil Falk Göpfert neue Impulse gebracht habe, zum anderen »weil ich in den vergangenen Jahren noch nicht die gewünschten Fortschritte geschafft habe.« Auch Wick möchte sich möglichst 2021 und/oder 2022 den Medaillentraum mit dem Team erfüllen und bei den Großereignissen »nicht wieder nur vor dem Fernseher sitzen.« Zumindest habe das deutsche Team »gezeigt, dass wir in Schlagdistanz sind. Aber um dann wirklich eine Medaille zu holen, muss halt genau am Wettkampftag alles passen.«

Auch Andreas Katz hat weiter hohe Ziele. Falk Göpfert habe leichte Änderungen und neue Ideen ins Team gebracht, »auch was die Lauftechnik betrifft. Er sieht vieles aus wissenschaftlicher Sicht, das ist gut und interessant für uns.«

Zwar stürzte der 31-Jährige bei der Leistungskontrolle im Rollern, doch die Folgen waren nicht zu dramatisch, und »ansonsten habe ich das Gefühl, dass es in die richtige Richtung geht«, freut er sich. Nun gehe es darum, nicht nur »etwas auszuprobieren« im Training, sondern auch darum, die Leistungsentwicklung voranzutreiben.

WM 2021 in Oberstdorf als Highlight

»Die WM 2021 in Oberstdorf wird sicher ein brutales Highlight, schon Seefeld 2019 war super«, blickt er voraus. Am 24./25. Januar 2020 findet in Oberstdorf ein Weltcup als »WM-Test« statt, mit Skiathlon und Sprint. »Im Sprint wird es mit dem Alter nicht mehr besser«, lacht Katz, »aber auf der Distanz kann man schon noch Fortschritte erzielen.«

Echtes Schneetraining ist dem 31-Jährigen auch wesentlich lieber als Skilanglauf im Oberhofer Skitunnel, wo im Rahmen der Leistungskontrolle auch ein Wettbewerb stattgefunden hatte. »Schnee in der Halle ist Sch... – als Langläufer will man ja das Naturerlebnis im Freien haben.« Kommt dann noch der Erfolg dazu, ist es umso besser ... who

Italian Trulli