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Julian Poschner erfüllt sich mit Hilfe seiner Lehrerin Martina Rothe einen Traum: Er nimmt an Laufwettbewerben teil. Und die große Freude ist ihm bei jedem Schritt anzusehen, wie hier beim Traunsteiner Halbmarathon. Am Freitag startet er nun beim Traunreuter Stadtlauf.

Der Stadtlauf war bislang nur ein Traum

Sie sind ein ungleiches Paar. Aber gemeinsam haben sie ein Ziel und auf diesem Weg haben sie schon so einiges erreicht: Martina Rothe aus Surberg und Julian Poschner aus Traunreut. Zusammen werden sie am morgigen Freitag am Traunreuter Stadtlauf teilnehmen. Dabei wird Martina für Julian laufen, was er selber nicht kann. Denn Julian hat ein Handicap und kann weite Strecken nicht alleine zurücklegen. An der Hand seiner Lehrerin wird der 17-Jährige deshalb am Anfang und am Ende des Rennens selber laufen, dazwischen wird die 47-jährige Sportlerin ihren Schüler im Rollstuhl schieben. 


Seit Januar trainieren die beiden für Julians großen Traum. Dabei fing alles mit kleinen Sportwetten an. Über ein Referat in der Schule – Julian besucht die Mittelschule in Trostberg – kamen er und seine Lehrerin Martina Rothe auf das Thema Skifahren zu sprechen. Julian ist großer Fan und schaut sich alle Rennen im Fernsehen an. Mit seiner Lehrerin wettete er, wergewinnen wird. Irgendwann erzählte Martina Rothe ihm, dass sie am Wochenende an einem Traillauf in Cortina d´Ampezzo teilnehmen wird – 43 Kilometer und 3400 Höhenmetern. Julian war beeindruckt und ließ sich alles haargenau erzählen. Ein paar Tage später kam er dann und sagte, er wolle auch an einem Lauf teilnehmen. »Na gut, dann lauf ma halt«, habe seine Lehrerin daraufhin gesagt. »Inklusion ist so wichtig, auch im Sport«, erklärt die 47-Jährige ihre Motivation. Und außerdem sei Julian einfach ein toller Kerl. Sie wollte ihn unterstützen.

Also begannen die beiden mit dem Training. Wobei Martina Rothe sich zunächst auf das Laufen mit Rollstuhl einstellen musste. In der Stadt ist das kein Problem, auf Kies und Schotter hingegen schon. Gleichzeitig war Julian fleißig mit seinem Vater auf der Tartanbahn unterwegs. »Für mich war immer klar, dass ich den Start und Zieleinlauf selbst laufen möchte und kann«, so der 17-Jährige. Dafür mussten er und seine Lehrerin auch die Lauftechnik als Duo üben. Denn Julian braucht eine Stütze: Martina Rothe muss ihren Schüler an der Hand nehmen, denn ohne den festen Griff kann er aufgrund seiner Spastik den rechten Arm nicht kontrollieren. »Das Training verlief erstaunlich gut und wir wurden sehr schnell ein Team«, erzählt der 17-Jährige.

Also beschlossen die beiden, beim Traunsteiner Halbmarathon an den Start zu gehen. Keine leichte Aufgabe auf der steinigen und zum Teil sehr engen Strecke. Julian hat einen normalen und nicht unbedingt geländegängigen Rollstuhl. Aber die zwei schafften die 12-Kilometer-Runde. Julian lief den ersten und den letzten Kilometer an der Hand seiner Lehrerin, dazwischen wurde er von ihr geschoben. Euphorisch wurde der 17-Jährige auf den letzten Metern bis zum Ziel von den Zuschauern angefeuert. »Ein unbeschreibliches Erlebnis, so viel Unterstützung zu spüren und eine solche Anstrengung gut zu meistern«, ist er noch heute von dem Erlebnis begeistert.

Ein paar Tage später schon ging das Duo bei einem Integrationslauf in Salzburg an den Start. Die zwei Kilometer legte der 17-Jährige dabei komplett an der Hand seiner Lehrerin zurück. Höhepunkt für Julian ist nun an diesem Freitag der Stadtlauf in seiner Heimatstadt. »Mal schauen, ob wir auch da unsere Leistung abrufen können. Doch der Spaß steht an erster Stelle«, so sein Motto. Und das sieht man dem 17-Jährigen bei jedem seiner Läufe an. Deshalb ist er sich sicher: Seine Laufkarriere wird damit noch nicht beendet sein. Ein Ziel, das auch seine Laufpartnerin Martina Rothe weiter unterstützen will.

ka

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