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Der SC Ruhpolding und seine Erfolgsgeschichte

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1955 wurde auf Vorschlag von Sportwart Toni Plenk der Rauschberglauf ins Leben gerufen. (Foto: Anton Plenk)

Sein 100-jähriges Bestehen feiert der SC Ruhpolding am kommenden Mittwoch im Hotel Wittelsbach. Am 19. August 1920 ist der Skiclub genau an dieser Stelle gegründet worden. Aus der geplanten großen Feier ist wegen der Corona-Pandemie ein kleines Fest mit 50 geladenen Gästen geworden. Wir blicken auf die lange und abwechslungsreiche Geschichte des SC Ruhpolding zurück.


Heute ist der Skiclub weltbekannt wegen des Biathlon-Weltcups. Lange Zeit sind aber Ski Alpin, Langlauf und Skispringen die Kernsportarten des Vereins gewesen. Hans Reuther war der erste Vorsitzende des SCR, elf Gründungsmitglieder sind es damals im Hotel Wittelsbach gewesen.

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Erste Wettkämpfe fanden zwei Jahre später statt und der legendäre Sportwart Toni Plenk nahm den Bau der ersten Sprungschanze am Adlerhügel in Angriff. Sprünge bis 50 Meter waren dort möglich. Toni Plenk blieb dem Verein 40 Jahre als Sportwart treu. Durch den beginnenden Tourismus gründete man Anfang der 30er Jahre eine Skischule. Toni Zeller, Hans Speckbacher und Sepp Schreiner nahmen an den Olympischen Winterspielen 1936 in Garmisch-Partenkirchen teil.

Danach sorgte der Zweite Weltkrieg für eine Unterbrechung der sportlichen Aktivitäten. Der Neustart erwies sich als schwierig, doch bereits 1949 wurde eine alpine Abfahrtsstrecke am Unternberg errichtet. Die drei Kilometer lange Piste bot den Aktiven des SCR beste Trainingsbedingungen und Urlaubern ein anspruchsvolles Gelände.

1955 wurde auf Vorschlag von Sportwart Toni Plenk der Rauschberglauf ins Leben gerufen. Der Wettkampf war eine Verbindung zwischen Ski-Langlauf, Ski- Berglauf und alpinen Skilauf. Ziemlich schnell wurde die Veranstaltung auch im Ausland bekannt. Eine Neuauflage des Rauschberglaufs gab es 1979, der dann für 17 Jahre fester Bestandteil des Wettkampfkalenders gewesen ist. 1962 begann mit der Fertigstellung der Sprungschanze am Zirmberg eine neue Ära im Skispringen beim Skiclub. Tausende Zuschauer kamen zu den Deutschen Meisterschaften 1963 und bewunderten die damaligen Könige der Lüfte. Im Winter 1963/64 war es Helmut Wegscheider vom SC Hammer, der den Schanzenrekord auf 101 Meter schraubte.

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Mitte der 70er Jahre begann der Bau der Biathlonanlage am Zirmberg. Dabei halfen (stehend, von links) Paul Fellner sen., Toni Plenk, Hans Hechenbichler, Ernst Reiter, Peter Angerer, Theo Merkel und (vorne, von links) Walter Pichler, Herbert Fritzenwenger jun., Paul Fellner jun. und Rudi Schmauß mit. (Foto: Anton Plenk)

Biathlon-Pionier Merkel bei Olympia 1968

Als ein wahrer Magnet erwies sich der Silvesterlauf, der 1966 eigentlich als Volksski-Wanderung gedacht war. Bis 1986 nutzten Spitzensportler diesen Wettbewerb und die Teilnehmerzahl wuchs bis auf 1200 Langläufer an. Biathlon geriet zum ersten Mal 1968 in den Fokus, als der unvergessene Theo Merkel an den Olympischen Spielen in Grenoble startete.

Ende der 60er Jahre begannen die Planungen für ein Trainingszentrum für Biathlon am Zirmberg. Zunächst aber duellierten sich die Skijäger mit Start und Ziel an der Johannisbrücke, wo sich aktuell die Ampel in der Nähe des Vita Alpinas befindet. Geschossen wurde in der Nähe der Fuchsau, noch mit Großkaliber und teilweise auf Luftballons.

Mitte der 70er Jahre begann der Bau der Biathlonanlage am Zirmberg. Erste Rodungsarbeiten ließen auch junge Sportler wie Peter Angerer und Herbert Fritzenwenger zu Axt und Säge greifen. 1978 begann die damals unglaubliche Entwicklung des Biathlonsports in Ruhpolding mit dem ersten Weltcup und ein Jahr war die Gemeinde Ausrichter der Biathlon-Weltmeisterschaft. Doch auch die Alpinen blieben in dieser Zeit nicht untätig. 1983 bekam Ruhpolding den Zuspruch für einen Weltcup-Slalom auf der Strecke am Weingarten. Leider verhinderte Tauwetter und Regen die Durchführung des Rennens.

Im Biathlon ging die märchenhafte Entwicklung weiter. 1984 bei den Spielen in Sarajevo schlug die Stunde von Peter Anger vom SC Hammer, der durch das stetige Training in Ruhpolding zum Weltklassesportler reifte. Mit Bronze konnten sich in der Staffel die Ruhpoldinger Fritz Fischer und Walter Pichler dekorieren, sie liefen zusammen mit Ernst Reiter und Peter Angerer zu Edelmetall.

1985 war die Anlage am Zirmberg erneut Schauplatz einer Weltmeisterschaft, zu der insgesamt 30 000 Zuschauer kamen. Sie durften eine Bronzemedaille in der Staffel mit Fritz Fischer, Walter Pichler und Herbert Fritzenwenger sowie Peter Angerer bejubeln. Unvergessen war bei den Olympischen Spielen 1992 in Albertville die Goldmedaille in der Staffel, als Fritz Fischer mit der deutschen Fahne als Sieger ins Ziel gelaufen kam. Mit dabei in diesem Quartett war auch der junge Ricco Groß, der sich ein Jahr zuvor dem SC Ruhpolding angeschlossen hatte. Groß wurde in der Folge viermal Olympiasieger und neunmal Weltmeister und wurde damit zum erfolgreichsten Sportler des SCR.

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2008 bekam Ruhpolding den Zuschlag für die WM 2012: Der Jubel bei der Ruhpoldinger Delegation auf dem IBU-Kongress in Prag mit Magdalena Neuner (vorne), dem damaligen Landrat Hermann Steinmassl, Kultusminister Siegfried Schneider und Ricco Groß (hinten links) kannte keine Grenzen. (Foto: S. Huber)

Eigentlich hätte es in diesem Jahr auch ein Weltcup-Skispringen auf den Schanzen des Zirmbergs geben sollen, doch Tauwetter verhinderte das Springen. Für die dritte Biathlon-Weltmeisterschaft 1996 wurde das Biathlonstadion auf den modernsten Stand ertüchtigt. Mit insgesamt 50 000 Zuschauern gab es ein bisher nie gekanntes Interesse der Fans und auch der Ansturm der Medien zeigte, dass Ruhpolding endgültig zum Mekka des Biathlonsports wurde.

Nach 1979 und 1993 richtete der SC Ruhpolding eine weitere Junioren-Weltmeisterschaft 2008 in der Chiemgau-Arena aus. Im selben Jahr bewarb sich die Gemeinde um die Weltmeisterschaft 2012 und bekam beim IBU-Kongress in Prag den Zuschlag. Das sorgte bei der Ruhpoldinger Delegation mit Bürgermeister Claus Pichler für große Freude. Waren doch damals als Unterstützer die Sportler Magdalena Neuner und Ricco Groß sowie Bayerns damaliger Kultusminister Siegfried Schneider und der damalige Traunsteiner Landrat Hermann Steinmaßl in die goldene Stadt mitgereist. Die Weltmeisterschaft vier Jahre später wurde zu einem Spektakel und insgesamt 230 000 Zuschauer sorgten für neue Maßstäbe.

Zwei Jahre später war es Skispringer Andreas Wellinger, der bei den Olympischen Spielen in Sotschi sich mit Gold im Team dekorierte. Vier Jahre später holte er Gold von der Normalschanze sowie Silber von der Großschanze und im Team.

Aktuell ist der SC Ruhpolding wie alle anderen Vereine auch von den Hygienemaßnahmen wegen der Corona-Pandemie betroffen. So musste die Sommer-Biathlon-WM abgesagt werden. Sie hätte in der Jubiläumswoche des SCR stattfinden sollen. Für diese will sich die Gemeinde erneut im Jahr 2022 bewerben. Wünschenswert wäre laut Skiclub auch eine Bewerbung für eine fünfte WM im Winter. Das wird aber erst Thema sein, wenn die Coronavirus-Pandemie überstanden ist. SHu

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