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Der Mann, der Olympiasieger formt

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Wolfgang Pichler hat derzeit ein Heimspiel. Der Cheftrainer der schwedischen Biathleten lässt sein Team derzeit in der Ruhpoldinger Chiemgau-Arena schwitzen. (Foto: Wukits)

Es geht zur Sache in der Ruhpoldinger Chiemgau-Arena: Die schwedischen Biathleten bestreiten dort derzeit ihre Saisonvorbereitung. Für den Cheftrainer der Skandinavier, Wolfgang Pichler, ist das ein Heimspiel. Der Ruhpoldinger schätzt die Voraussetzungen in der Chiemgau-Arena. »Es ist der beste Platz der Welt für das Sommertraining«, lobt er die Bedingungen.


Nach den erfolgreichen Olympischen Spielen in Südkorea steht den Schweden 2019 der nächste Höhepunkt bevor. Die Heimweltmeisterschaft in Östersund. Vier Medaillen bei Olympia wecken da die Begehrlichkeiten bei den Fans. »Bei Olympia haben wir einen richtigen Flow gehabt. Es hat alles gepasst, das Material war Top und ein wenig Glück hatten wir auch«, gibt der 63-Jährige zu. Zweimal Gold und zweimal Silber heimsten seine Sportler ein, mit einer wäre man zufrieden gewesen. Dazu kommen elf Plätze in den Top 10. »Eigentlich hätte ich gleich nach Olympia aufhören sollen. Das ist wie ein Sechser im Lotto gewesen.«

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Pichler weiß, wie er seine Sportler zu Großereignissen immer wieder in Höchstform bringt. »Ich bin jetzt lange dabei und habe einiges an Erfahrung. Neun olympische Spiele hat er als verantwortlicher Trainer vorbereitet. »Meistens hat es funktioniert, dass meine Sportler in Topform gewesen sind. Ich kann zwar nicht sagen, sie werden Olympiasieger, aber sie haben immer da die beste Form im ganzen Jahr.«

»Das hat mir Weihnachten verhagelt«

Beinahe wäre Wolfgang Pichler bei den Spielen 2018 in Südkorea nicht dabei gewesen. Das IOC hat den Ruhpoldinger die Akkreditierung verweigert, weil er zuvor Trainer der russischen Damen war. Drei davon sind wegen Dopingvergehens vom IOC lebenslang gesperrt worden. Pichler beteuerte seine Unschuld und sah sich als Opfer. Mit einem Anwalt hat er schließlich seine Teilnahme an Olympia erstritten. »Das hat mir Weihnachten verhagelt, ich bin das total ungerechtfertigt hineingezogen worden«, ärgert er sich auch heute noch.

Das Dopingproblem im Sport und im Biathlon stimmt ihn sehr traurig. »Es gibt viele Halbwahrheiten. Sport und Sportpolitik sollen sich besinnen und wieder miteinander reden, um zu einem normalen Verhältnis zu kommen. Auch die Stimmung gegen Russland ist, ehrlich gesagt, so nicht gerechtfertigt. Was in der IBU mit den bestechlichen Funktionären läuft, ist unglaublich. Das muss bereinigt werden und neu angefangen werden«, fordert er. In Schweden hat Pichler als Cheftrainer alle Vollmachten und muss sich nicht mit Verbandsfunktionären streiten. Vor allem sein gutes Auge für Talente ist legendär. Mit Hana Öberg und Sebastian Samuelsson formte er zwei Medaillengewinner von Südkorea. Nach seiner Rückkehr nach Schweden hat er alles erneuert und mit jungen Talenten ein schlagkräftiges Team geformt. »Man muss was mit den Jungen riskieren. Das ist in Deutschland zum Beispiel ein Hemmschuh«, betont Pichler. »Die guten Sportler in der A-Mannschaft versperren den jungen Talenten für Jahre den Weg. Trotzdem sollte jede Nation ihren eigenen Weg gehen«, fügt er hinzu.

Zum Thema »Job als Biathlontrainer in Deutschland« gibt er sich bedeckt. »Als ich kurz nach der Wende das Dopingproblem aus der ehemaligen DDR aufgedeckt habe, war das Thema vorbei.« Geblieben ist 2004 nur ein kurzer Abstecher als Trainer der Langläufer am Stützpunkt Ruhpolding.

Hauptaugenmerk liegt auf der Heim-WM

Nun gilt sein Hauptaugenmerk der Heim-Weltmeisterschaft in Östersund. Die Erfolge bei Olympia haben den Kartenvorverkauf richtig angekurbelt. »In unserer Sportart gibt es jedes Jahr Höhepunkte. Neben Olympia und Weltmeisterschaften ist der Gesamtweltcup immer Thema. Der den Weltcup gewinnt, ist halt der Beste der Welt. Da sind immer die absoluten Spitzenleute am Start«, betont er.

Sich selbst sieht er übrigens als knallharten Trainer. »Ich selber gebe immer 100 Prozent, das erwarte ich auch von meinen Sportlern. Ohne Disziplin geht gar nichts. Ich habe mir in rund 30 Jahren ein erfolgreiches Trainingssystem aufgebaut. Es gibt viele Wege nach Rom, ich kenne einen, der führt zum Ziel«, betont er. »Wer bei mir im Team ist, muss diesen Weg bedingungslos mitgehen.« SHu

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