Der Konkurrent aus Buxtehude

Bildtext einblenden
Präsentierten während ihres nicht alltäglichen Treffens die Urkunden und Medaillen der Deutschen Meisterschaft im Hochsprung, die sie vor fast einem halben Jahrhundert in Koblenz überreicht bekamen: Vizemeister Uwe Tobaben aus Buxtehude (rechts) und der Ruhpoldinger Claus Pichler, der damals den Wettbewerb gewann. (Foto: Schick)

Dass sportliche Erlebnisse auch nach fast einem halben Jahrhundert noch nachwirken und präsent sein können, dafür sind Uwe Tobaben aus der Hansestadt Buxtehude und der Ruhpoldinger Claus Pichler der beste Beweis. Beide talentierte Hochspringer aus längst vergangenen Schülertagen trafen sich vor kurzem im privaten Rahmen mit Blick auf die Chiemgauer Berge, um nochmals ihre Eindrücke von der 3. Deutschen Schülermeisterschaft des DSV 1973 in Koblenz aufzufrischen und eingehend zu debattieren.


Beide Kontrahenten aus völlig entgegengesetzten Landesteilen hatten sich aufgrund ihrer Vorleistungen für das damals noch rein westdeutsche Großereignis qualifiziert und dort auch den Einzug ins Finale der bis zu 14-Jährigen geschafft. In dessen Verlauf zeigte dann Claus Pichler seine außergewöhnliche Klasse und gewann unangefochten mit 1,95 Metern Sprunghöhe den Deutschen Meistertitel, Uwe Tobaben wurde mit 1,81 Metern Vizemeister.

»Der Claus hat uns alle in Grund und Boden gesprungen, das war schon imposant«, erinnert sich der Niedersachse an die Situation, als der Ruhpoldinger Durchgang für Durchgang die Messlatte immer höher legen ließ und erst in Richtung Zwei-Meter-Marke scheiterte. Und das, obwohl er ein Jahr jünger war als die anderen Mitbewerber um den Meistertitel.

Dabei waren die Wettbewerbsbedingungen nicht gerade optimal, denn der anhaltende Regen ließ den Anlauf – eine veraltete Aschenbahn sowie die rutschige Gummimatte am Absprungpunkt – zu unkalkulierbaren Risikofaktoren werden, blickt Claus Pichler zurück. Für ihn war der Koblenz-Trip die erste große Reise seines jungen Lebens, als dementsprechend fremd empfand er die damaligen Eindrücke. Vor allem das luxuriöse Hotel Brenner in Koblenz, in dem er mit Trainer und Betreuer Martin Haßlberger logierte, blieb ihm bis heute in Erinnerung. Dass sich die beiden Jungsportler nach dem Koblenzer Höhepunkt letztlich aus den Augen verloren, dürfte daran gelegen haben, dass Uwe Tobaben in den Hürdenbereich sowie zum Internationalen Fünfkampf wechselte und Claus Pichler später aufgrund massiver Knieprobleme seine Sportlerlaufbahn an den Nagel hängen musste. Dabei standen ihm mit dem Deutschen Jugendtitel 1978 (der spätere Goldmedaillen-Gewinner Dietmar Mögenburg landete auf Platz zwei) und mit einer persönlichen Bestleistung von 2,18 Metern alle Wege offen.

Zustande kam das späte Treffen über die touristische Schiene. Wie Uwe Tobaben erzählt, hatte er heuer eine Wanderreise nach Ruhpolding gebucht. In diesem Zusammenhang erinnerte er sich an jenen blonden, für sein Alter schon ziemlich großgewachsenen Burschen aus Ruhpolding, dessen Namen er aber nach so langer Zeit nicht mehr wusste. Das Internet führte ihn letztlich auf die richtige Spur des damaligen Konkurrenten, der zwischenzeitlich seiner Heimatgemeinde als Bürgermeister vorgestanden hatte. Und damit keine Zweifel aufkommen, hatte der Gast aus dem hohen Norden Urkunde und Medaille des mittlerweile historisch gewerteten Wettbewerbs im Reisegepäck mit dabei. Damit konnte auch Claus Pichler aufwarten, denn auch für ihn war der damalige Erfolg eine wichtige sportliche Station gewesen.

ls

Mehr aus Traunstein
Mehr aus Traunstein