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Der 2. Chiemgau-Trail-Run begeistert Läufer aus 27 Ländern

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Start der Halbmarathonläufer: Es war mit rund 400 Teilnehmern die größte Gruppe beim Chiemgau-Trail-Run. Sebastian Hallmann (links, mit der Startnummer 555) gewann den Lauf. (Foto: Fembacher)
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Sie waren die jüngsten Läuferinnen beim 2. Chiemgau-Trail-Run (von links): Sina Weidacher, Amelie Häusler und Luisa Unterreiner. (Foto: Unterreiner)

»Just wow!« Taylor Quinn war hin und weg. Nach seinem 60-Kilometer-Lauf beim 2. Chiemgau-Trail-Run – es war sein erster Lauf in den bayerischen Bergen überhaupt – war der junge Kanadier überwältigt von der Schönheit und dem technischen Anspruch der Strecke. Er schwärmte vom Sonnenaufgang, von den atemberaubenden Aussichten und von den knackigen Anstiegen. »Ich laufe, wo immer ich bin«, sagte Quinn, der beruflich unter anderem viel in Afrika unterwegs ist und gerade auf Besuch in München weilt. »Aber hier, das ist wow! Ich komme definitiv wieder.«


In knapp sieben Stunden hat Quinn die Strecke vom Chiemseeufer ins Hochplattengebiet durch Marquartstein hindurch ins Hochgerngebiet und wieder zurück nach Marquartstein hinter sich gebracht und dabei je 2500 Höhenmeter im Auf- und Abstieg bewältigt. Der Kanadier lag damit deutlich hinter Adrian Niski (Team »adidas Terex«), der mit einer Zeit von 5:40 Stunden als Erster ins Ziel kam.

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Eigentlich hatte Niski gar nicht geplant, die Langdistanz, die in diesem Jahr zum ersten Mal angeboten wurde, in Angriff zu nehmen. Er hatte sich für die 21-km-Distanz angemeldet. Weil er sich aber gut fühlte, entschied er sich spontan um und sorgte mit seiner Laufzeit bei Veranstalter Dominik Hartmann für eine Überraschung. Hartmann hatte nämlich mit Zeiten von um die sieben Stunden gerechnet. In diesem Bereich liefen die schnellsten Damen. Hier sicherte sich Mareile Hertel (This 1) Platz eins mit knappem Vorsprung vor Pamela Veith (TSV Kusterdingen). Die wurmte ihr zweiter Platz sichtlich – sie hatte sich verlaufen und 62 km auf dem Zähler. »Bei einem Trail-Lauf kann das passieren«, gab sie sich sportlich.

Dominik Hartmann kennt das Problem aus dem Vorjahr. Damals hatten Unbekannte mit Absicht Wegweiser entfernt. Dieses Mal hatte er nachgebessert und teilweise sogar Plastikbänder zur Markierung verwendet, obwohl das seinem Grundkonzept eines plastikfreien und umweltfreundlichen Laufs widerspricht.

Für die Zuschauer indes spielten die Zeiten eine untergeordnete Rolle. Sie zeigten sich beeindruckt von der Leistung der Läufer – ganz gleich, ob auf der 60-Kilometer-, der Marathon-, Halbmarathon- oder der 8-Kilometer-Strecke. »Unglaublich, wie frisch die aussehen«, hörte man im Zieleinlauf immer wieder den einen oder anderen Besucher sagen. Und auch der Moderator ließ sich täuschen. »Die ersten Halbmarathonläufer laufen sich schon warm«, gab er bekannt, um sich sofort zu korrigieren: »Nein, hier kommt ein Finisher der 60-Kilometer-Distanz!«

Bei Veranstalter Dominik Hartmann sank der Stresspegel mit jedem Finisher. »Die letzten Tage waren krass. Und dann das Wetter. Über die kürzeren Distanzen haben 80 Läufer deswegen abgesagt. Außerdem mussten wir aufgrund des Schnees die Strecke zwei Mal umplanen, das war nur möglich, weil ich von hier bin.« Doch von einer Strecke dritter Wahl kann kaum die Rede sein. Immer wieder rauschten Läufer an Hartmann vorbei und lobten den Trail.

Bei der ersten Auflage des Chiemgau-Trail-Runs im vergangenen Jahr waren 540 Läufer gemeldet. In diesem Jahr starteten 776 Athleten aus sage und schreibe 27 Ländern. Dominik Hartmann erklärt sich den Erfolg mit der reizvollen Strecke, dem Termin zum Saisonauftakt und seinem Konzept eines plastikfreien Laufs mit Rahmenprogramm. Er setze auf ein Festival für alle mit Konzerten, Kinderprogramm und tollem Essen. In der Läuferszene punktet er damit. Bei der Bevölkerung im Achental hat sich die Veranstaltung noch zu wenig herumgesprochen, bei der Abschlussveranstaltung regnete es zu allem Überfluss. Trotzdem hat Hartmann im wahrsten Sinne des Wortes Bewegung ins Dorf gebracht. Gerade die 8-Kilometer-Strecke reizt den einen oder anderen Hobbyläufer.

Birgit Bayersdorfer vom TSV Marquartstein zum Beispiel, die in ihrer Altersklasse Platz drei erreichte, war schon letztes Jahr dabei. Damals stand die inzwischen 14-jährige Luisa Unterreiner fasziniert im Zieleinlauf und beschloss: »Da laufe ich mit!« Ein Jahr und viele Trainingseinheiten später raste sie mit ihren Freundinnen Sina Weidacher und Amelie Häusler als Team »Girls on Tour« ins Ziel. Für die acht Kilometer brauchten sie eine Stunde. Für alle drei war es der erste »richtige« Lauf und entsprechend stolz waren sie, zumal sie die jüngsten Läuferinnen am Start waren. Vom Lauffieber gepackt stehen die Juniorinnen schon in den Startlöchern für den nächsten Chiemgau-Trail-Run.

Über 42 Kilometer siegten Sebastian Kraus (3:55 Stunden) und Rosanna Buchauer (4:40), über 21 Kilometer hatten Sebastian Hallmann (1:43) und Steffi Epple (SV Surberg, 2:10) die Nase vorn und über 8 Kilometer gewannen Simon Manteufel (TSV Chieming Triathlon, 30 Minuten) und Kerstin Esterlechner (35 Minuten). fem