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Den Windeln auf der Spur

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Während der Weltcup-Veranstaltungen in Ruhpolding stehen Windeln offenbar nicht nur bei Kleinkindern hoch im Kurs. Einige besonders verwegene Biathlon-Anhänger sollen sie auch zur Sicherung ihres Stehplatzes an der Strecke nutzen.

Zehntausende Besucher strömen in diesen Tagen zum Biathlon-Weltcup nach Ruhpolding. Zur WM im Vorjahr kamen pro Wettkampftag sogar bis zu 30 000 Zuschauer in die Chiemgau Arena. Wer einen guten Platz an der Strecke haben will, muss früh kommen und sollte dann bis zum Wettkampfende auch an dieser Stelle bleiben. Doch was, wenn es Zeit für eine Toilettenpause wird? Das Traunsteiner Tagblatt ging einem kuriosen Gerücht auf den Grund, das sich in der Ruhpoldinger Biathlon-Gemeinde seit Jahren hartnäckig hält.


Immer wieder hört man an der Strecke von Einheimischen und Stammgästen, dass es fanatische Biathlon-Anhänger geben muss, die zur Platzsicherung eine sehr spezielle Taktik entwickelt haben. Unmittelbar nach dem Einlass ins Stadion suchen sie sich den besten Platz. Falls dann im Laufe des Tages eine Toilettenpause und der damit verbundenene Verlust des Platzes droht, sollen tatsächlich Windeln zum Einsatz kommen. Wahrheit oder Legende – höchste Zeit, das zu überprüfen.

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Wenn wirklich Windeln mit ins Stadion genommen werden, müssen diese vorher auch irgendwo besorgt worden sein. Nachdem es seit der Schlecker-Insolvenz in Ruhpolding keinen reinen Drogeriemarkt mehr gibt, versuche ich mein Glück bei den naheliegenden Supermärkten. Eine Verkäuferin im Edeka berichtet mir, dass ihr das Gerücht auch schon zu Ohren gekommen sei. Eine verdächtige Zunahme der Verkaufszahlen zur Biathlon-Zeit oder ungewöhnliche Käufer seien ihr aber nicht bekannt.

Ähnliches erfahre ich von ihrer Kollegin in der Penny-Filiale. Auch ihr ist die Windel-Geschichte nicht fremd. »Das wäre kein Neuland, das habe ich auch schon gehört und kann es mir sehr gut vorstellen«, sagt sie. Die Verkäuferin glaubt jedoch, dass das Ganze »professioneller« abläuft und die Windeln nicht erst in Ruhpolding beschafft werden. »Ich denke, die Leute versorgen sich im Voraus in Sanitätshäusern mit Erwachsenenwindeln. Wir haben hier nur Kinderwindeln, da passt ein Erwachsener kaum rein. Die kann man höchstens in die Unterhose einlegen.« Eine seltsame Vorstellung, aber gut, weiter zu Netto. Dort höre ich von der Dame an der Kasse: »Letztes Jahr bei der WM muss das schon so gewesen sein, bei den vielen Zuschauern. Da hat man das gehört, aber wie es dieses Jahr ist, weiß ich nicht.«

Die Kassiererin im Tengelmann hat zwar in den letzten Tagen nicht mehr Windeln verkauft als sonst, doch sie liefert einen interessanten Hinweis. »Gesagt haben sie es ja schon immer, dass das welche machen. Umsonst würde der Müll ja nicht zusammenkommen. Da müssen jedes Jahr Windeln drin sein.«

Ich fahre zum Betriebshof der Chiemgau Arena und erkundige mich nach dem Verantwortlichen für die Müllentsorgung. Als ich Hubert Neidhardt im Bereitschaftsraum auf das Windel-Gerücht anspreche, sehe ich bei ihm und seinen anwesenden Kollegen ein wissendes Grinsen. Hier bin ich offenbar richtig. »Früher haben wir immer wieder Windeln gefunden, vor allem im Wald«, erzählt der Materialchef. »Das war alles geplant. Diese Leute sind um sechs Uhr früh gekommen und haben sich ihren Platz gesichert. Die Erwachsenenwindeln haben sie extra mitgebracht.« In den letzten Jahren mussten Neidhardt und seine Kollegen aber kaum mehr zurückgelassene Windeln entsorgen. Das liegt seiner Meinung nach zum einen daran, dass es mehr Toiletten als früher gebe und zum anderen daran, dass früher viel weniger Zuschauer gekommen seien. Damals wäre man mit den Windeln im Wald nicht so schnell aufgefallen.

Die Sache hat also einen wahren Kern, auch wenn es sich in Anbetracht des großen Besucheraufkommens um wenige Einzelfälle zu handeln scheint. Dafür hat diese Minderheit für ein Gerücht gesorgt, das erstaunlich vielen Leuten bekannt ist. Falls einer der mysteriösen Windelträger diese Zeilen lesen sollte, darf er sich gerne bei uns melden und seine »Strategie« erläutern. Es wäre uns in jedem Fall eine Packung Pampers wert ... max