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Den Wechsel nach Ruhpolding nie bereut

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Ihre Vorbereitung war schon im Sommer intensiv: Skilangläuferin Denise Herrmann, die inzwischen seit vier Jahren in Ruhpolding lebt und trainiert. (Foto: Wukits)

Im finnischen Kuusamo beginnt heute der Langlauf-Weltcup. Mit am Start ist auch eine ganze Reihe von Athleten vom heimischen Stützpunkt Ruhpolding (wir berichteten).


Dazu gehört Denise Herrmann, die seit vier Jahren in Ruhpolding lebt und trainiert. Die 25-Jährige gehörte bei den Olympischen Spielen von Sotschi zur Bronzestaffel, in der sie Schlussläuferin war. »Das ist der Schnee von gestern«, lacht Herrmann. »Es ist eine neue Saison und jede von uns muss sich neu beweisen.«

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Darum hat sie sich in diesem Sommer gewissenhaft auf die neue Saison vorbereitet – und das, obwohl im Frühjahr noch ein anstrengender Lehrgang bei der Bundeswehr angestanden hatte. Den Rummel nach der Medaille in Sotschi hat sie gut weggesteckt.

In diesem Winter gibt es neue Ziele, vor allem die Weltmeisterschaft in Falun. Dazu will sie sich im Sprint-Weltcup weiter etablieren. Immerhin steht da ein zweiter Gesamtplatz aus der vergangenen Saison. Zuletzt war Denise Herrmann zur Vorbereitung im norwegischen Beitostölen.

Gute Form trotz muskulärer Probleme

Dort gab es gute Schneeverhältnisse und Temperaturen bis minus 10 Grad. »Die Form ist gut, auch wenn ich in den Testrennen ein paar muskuläre Probleme hatte«, berichtet sie. Gefallen hat der Sportlerin die Atmosphäre in Norwegen. »Wir waren zu sechst in einer Hütte untergebracht und hatten es sehr gemütlich.«

Herrmann und die Ruhpoldinger Gruppe haben sich überwiegend unter der Federführung von Stützpunkttrainer Bernd Raupach und Hannes Dotzler vorbereitet.

Das Training in Ruhpolding bestreiten die Sprinter und die Distanzläufer gemeinsam. So orientiert sich Denise Herrmann zum Beispiel am Berg speziell an Steffi Böhler. Böhler (SC Ibach) indes profitiert von der Antritts- und Spurtschnelligkeit von Herrmann. Deswegen will die Wahl-Ruhpoldingerin vom WSC Erzgebirge Oberwiesenthal auch im Gesamtweltcup vorne mit dabei sein. Dazu braucht es neben dem Sprint auch auf der »Distanz« gute Ergebnisse.

»Da muss man sich auch an die 30 Kilometer wagen«, meint sie lachend und verweist darauf, dass sie die längste Strecke bei den Damen bereits einmal gelaufen ist. Ihre Spezialität bleibt aber der Sprint, also der Kampf Frau gegen Frau. »Der Reiz ist, dass da alles passieren kann. Du musst alles aus dir herausholen«, weiß sie und fügt schmunzelnd hinzu: »Vom Kopf her ist da ein kleiner Zombie gefordert.«

Denn mittlerweile geht es im Sprint auch bei den Damen eng her. Darum ist die Taktik sehr wichtig und das berühmte »Ellenbogen ausfahren« wird im Training regelmäßig geübt. »Es sind sehr viele Emotionen dabei. Manchmal steigt einem jemand auf die Ski oder Stöcke, da gibt es einige Pappenheimer, auf die man aufpassen muss.« Weil es im Sprint oft hart hergeht, gibt es wie im Fußball »Gelbe« und »Rote Karten« für jene Sportler, die sich nicht an die Regeln halten. Darunter fallen zum Beispiel unerlaubte Spurwechsel oder allzu intensiver Körperkontakt.

Ihren Wechsel nach Ruhpolding nach den Olympischen Spielen 2010 hat sie bisher nicht bereut. Nach zehn Jahren Oberwiesenthal suchte Denise Herrmann eine neue Herausforderung. »Die Luft war raus, ich wollte neue Reize setzen und die Berge haben mir immer schon gut gefallen.« Trotzdem hat sie den Kontakt in ihre Heimatgemeinde Bockau in Sachsen nie abreißen lassen.

Auch zwei Dirndl im Kleiderschrank

Im Kleiderschrank in ihrer Ruhpoldinger Wohnung hängen zwei Dirndl und immer wenn es die Zeit zulässt, nimmt sie am Dorfleben teil. »Die Leute sind sehr freundlich und haben eine sympathische Art. Die Sprache verstehe ich mittlerweile ganz gut.«

Neben dem Sport macht Denise Herrmann eine Ausbildung zur Heilpraktikerin, derzeit steht das Setzen von Injektionen auf dem Programm. Vielleicht eine ganz gute Übung dafür, im Weltcup einige sportliche Nadelstiche zu setzen. SHu