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»Das wird sich als neuer Renntyp etablieren«

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Norbert Wislsperger nutzt schon länger digitale Trainingsmöglichkeiten und organisiert nun auch Rennen für den RSV Freilassing.

Die Mitglieder des Radsportvereins (RSV) Freilassing lassen sich weder durch den Winter noch durch Corona-Einschränkungen von gemeinsamen Rennen abhalten – allerdings finden diese momentan nur virtuell statt. Dafür hat Norbert Wislsperger, der beim Verein für die Internetseite und den Bereich E-Sport zuständig ist, nun sogar eine eigene Liga ins Leben gerufen: Acht Strecken stehen bis zum 28. Februar auf dem Programm, auf denen sich Vereinsmitglieder und Freunde des Vereins auf einer virtuellen Plattform messen können.


Norbert Wislsperger nutzt diese Möglichkeit schon »seit ein paar Jahren« und sagt: »Das klappt ganz gut und läuft inzwischen sehr stabil.« In den vergangenen Jahren hat der 41-Jährige einen großen »Hype beim Online-Training« beobachtet, der nun auch den Freilassinger Radsportlern zugutekommt. Denn während am Anfang noch ab und zu die Verbindung abbrach und nur eine Strecke zur Verfügung stand, ist die Auswahl inzwischen deutlich größer: So fahren die Freilassinger mal virtuell durch London oder auf den Spuren der Tour de France auf den Champs-Élysées.

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Sogar ein Sonderrennen hat Norbert Wislsperger in das Liga-Programm eingebaut: Statt eines Rennens gibt es dann zwei kleinere Sprints mit einer Pause dazwischen. Ansonsten sind die Strecken jeweils um die 20 Kilometer lang. »So können wir eine halbe oder dreiviertel Stunde Vollgas fahren«, erklärt der Organisator.

Das hohe Tempo beim Start schreckt oft ab

Allerdings weiß Norbert Wislsperger auch, dass besonders das hohe Tempo gleich vom Start weg manche Teilnehmer abschreckt. Deshalb soll es beim RSV in Zukunft nicht mehr gleich »von 0 auf 100« gehen, weil das auch technisch nicht gut funktioniere. »Wir werden jetzt erst mal einen neutralen Start machen«, erklärt er. »Also erst mal rollen und dann etwa nach einem Kilometer mit dem Rennen starten.«

In dem Online-Angebot sieht Norbert Wislsperger großes Potenzial: »Wir haben schon sehr viele Mitglieder im Verein, die damit trainieren.« Zudem hat der Verein auch schon neue Mitglieder gewonnen, die zuerst digital mitfuhren und anschließend auch real. Während die Freilassinger die Möglichkeiten intensiv nutzen, bieten der RSC Götzing und der RSV Traunstein noch keine digitalen Rennen an. »Digitale Angebote haben wir aktuell keine verwendet«, erklärt Wilhelm Herbst, der Vorsitzende des RSV Traunstein. Zwar hatten die Traunsteiner Mountainbike- und Rennrad-Kids im Sommer coronakonformes Training abgehalten, die älteren Mitglieder mussten jedoch »auf eigenes Training ausweichen«, wie Wilhelm Herbst sagt. »Dabei konnte man sich an den vorhandenen Routenvorschlägen orientieren, die online und in unserer Jahresbroschüre zur Verfügung gestellt werden.«

Ähnlich hat der RSV Freilassing im Sommer bereits seine Vereinsmeisterschaft ausgetragen: Die Teilnehmer gingen einzeln auf vorgegebenen Strecken an den Start und zeichneten ihre Fahrten auf. »Das ist relativ gut angekommen«, freut sich Norbert Wislsperger. Schließlich werde es immer schwieriger, »wirkliche Rennen zu veranstalten«, weil dafür Sperrungen und viele Helfer notwendig sind und die Auflagen immer strenger werden.

E-Sport-Weltmeisterschaft und Bundesliga-Rennen

Da bieten die digitalen Rennen, für die die Teilnehmer einen Heimtrainer benötigen, der ihre Wattzahl überträgt, eine gute Alternative, zumal sie auch nicht vom Wetter abhängig sind und dabei alle Corona-Regeln eingehalten werden. »Das wird sich als neuer Renntyp etablieren«, ist sich Norbert Wislsperger sicher. Schließlich ist das Angebot nicht nur für Vereine wie den RSV interessant. Der Weltverband UCI hat im Dezember eine E-Sport-Weltmeisterschaft veranstaltet und der Österreichische Radsport-Verband trägt auf der Plattform eine eigene Bundesliga aus – auch Bernhard Fritz und Tobias Mühlbacher vom RSV Freilassing sind immer wieder bei den Rennen dabei.

Für Norbert Wislsperger haben die großen virtuellen Rennen mit bis zu 1000 Teilnehmern aber keinen Reiz. »Da fährt man dann nur noch in einer Schlange und es ist anonym.« Das soll bei den Rennen der Freilassinger anders sein: »Ich will mich mit den lokalen Größen messen«, erklärt der 41-Jährige. Inzwischen lade er immer rund 25 Teilnehmer für die Fahrten ein, zehn bis 15 sind dann auch wirklich dabei. »Das ist alles noch ein bisschen in der Testphase«, meint der Organisator. Er hofft aber, dass immer mehr Vereinsmitglieder das Angebot nutzen. »Man muss einfach ein bisschen was anbieten und dahinter sein.« Schließlich sei das Vereinsleben momentan tot. »Da sind alle schon ein bisschen frustriert.«

Doch nicht nur deshalb ist Norbert Wislsperger froh über die Alternative. Er nutzt die Möglichkeit auch mal im Sommer, um eine »kurze, intensive Einheit« im eigenen Keller zu absolvieren. »Dann habe ich auch mein Training erledigt.« Manch überzeugter »Draußenfahrer« im Verein sei nach der ersten virtuellen Fahrt ebenfalls begeistert gewesen, deshalb sollen diese spätestens im nächsten Winter fortgesetzt werden. »Wenn einer damit anfängt, ist er auch überzeugt davon, dass es eine Trainingsalternative ist«, sagt der E-Sport-Verantwortliche. Geplant sei zudem, den Vereinsmitgliedern eine Einführung in die Online-Trainingswelt zu geben.

Trotz aller Vorteile hofft aber auch Norbert Wislsperger, dass nach Ende der Liga-Rennen wieder gemeinsame Fahrten in der Natur möglich sind. »Im Frühling drückt's die Fahrer nach draußen«, sagt er. »Und es geht einem schon ab, draußen mit den Kollegen zu fahren.« jom

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