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»Das wird ein heißes Rennen um die Podestplätze werden«

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Der Weißbacher Andreas Wellinger, der für den SC Ruhpolding startet, will auch in dieser Saison wieder einige Erfolge feiern. Der Start des jungen Skispringers verlief schon einmal nach Wunsch. Nun steht der erste Höhepunkt der Saison bevor: die Vierschanzentournee.

Die deutschen Skispringer sind so gut in den Winter gestartet wie lange nicht mehr. Einer von ihnen ist Andreas Wellinger. Der Weißbacher, der für den SC Ruhpolding startet, ist erst 22 Jahre alt, aber bereits Olympiasieger und Weltmeister – und somit ist er in der Weltspitze längst angekommen. Auch in dieser Saison, die gespickt ist mit Höhepunkten, will er wieder glänzen. Im Interview mit dem Traunsteiner Tagblatt spricht Andreas Wellinger über die interne Konkurrenz, seine Ziele für diese Saison und natürlich über die Olympischen Winterspiele im Februar.


Hallo Herr Wellinger, nach sieben Weltcup-Wettbewerben stehen Sie in der Gesamtwertung auf Platz zwei. Damit können Sie mit dem Saisonauftakt ja hoch zufrieden sein, oder?

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Andreas Wellinger: Ich bin mit dem bisherigen Saisonverlauf zufrieden. Aber ich habe noch Luft nach oben und möchte mich weiter steigern.

Mit Richard Freitag führt derzeit einer Ihrer Teamkollegen die Gesamtwertung an. Mit dem Siegsdorfer Markus Eisenbichler auf Platz acht ist zudem ein weiterer deutscher Athlet unter den Top 10. Was ist gerade das Erfolgsrezept der deutschen Mannschaft?

Die Leistungsdichte in unserem Team stachelt uns gegenseitig an und ist bestimmt ein Teil davon, dass wir alle auf einem recht hohen Niveau springen. Ansonsten macht sich die gute Arbeit des Verbands und der Vereine in den vergangenen Jahren bezahlt. Ein großes Dankeschön dafür. Wir verstehen uns alle sehr gut, haben gemeinsame Ziele und das treibt uns alle gemeinsam voran. Und ein bisschen verrückt sind wir wahrscheinlich auch (lacht).

Als erster Höhepunkt der Saison steht nun die Vierschanzentournee vor der Tür, die am Freitag in Oberstdorf mit der Qualifikation ja begonnen hat. Was ist für Sie drin?

Ich zähle mich zum erweiterten Favoritenkreis. Richard springt zurzeit richtig stark und zeigt fast keine Schwächen. Auch Stefan Kraft und Kamil Stoch haben in den letzten Wettkämpfen enorm aufgeholt und die beiden Norweger Daniel-André Tande und Johann André Forfang sind ebenfalls richtig gut drauf. Das wird also ein heißes Rennen um die Podestplätze werden.

Mit jedem weiteren Erfolg steigt aber auch die Erwartungshaltung und Sie sollen ja auch den verletzten Leitwolf der DSV-Adler, Severin Freund, ersetzen. Wie gehen Sie mit dem Druck um?

Dass ich den »Leitwolf« ersetzen soll, ist eher eine bildhafte Darstellung der Medien. Im Team bin ich immer noch einer der Jüngsten und muss selbst noch viel dazu lernen.

Konnten Sie auch ein wenig die Weihnachtsfeiertage genießen?

Da wir diese Woche zu Hause trainiert haben und wir mal vor Weihnachten eine Woche lang keine Wettkämpfe hatten, war die Adventszeit etwas ruhiger, ja.

Wie geht es Ihnen eigentlich gesundheitlich? Im Sommer mussten Sie ja wegen einer Knieverletzung pausieren.

Aktuell geht es mir sehr gut. Es gibt keine Beschwerden.

Sie sind in diesem Jahr auch nach München gezogen. Haben sie dort bessere Trainingsbedingungen?

Das war sicher ein Grund dafür. Logistisch ist die Anreise zum Flughafen ebenfalls einfacher von München aus und da ich in Erding neben dem Sport ein Studium begonnen habe, macht der Ortswechsel wirklich Sinn.

Ein Höhepunkt jagt in dieser Saison den nächsten: Denn im Januar stehen dann ja auch von 18. bis 21. Januar in Oberstdorf die Weltmeisterschaften im Skifliegen an, dann folgen im Februar die Olympischen Winterspiele. Haben Sie sich Prioritäten gesetzt?

Wir haben in diesem Jahr fünf Saisonhöhepunkte inklusive RAW-Air und Gesamtweltcup. Ich möchte da keinen speziell favorisieren und ich versuche, das Ganze in einzelnen Etappen anzugehen. Natürlich ist jeder Wettkampf vor heimischer Kulisse etwas Besonderes.

Bei der Skiflug-WM sind Sie nicht zuletzt wegen Ihres deutschen Rekords (245,0 m) Favorit. Liegt Ihnen die Schanze beim Heimspiel in Oberstdorf denn?

Die Skiflugschanze in Oberstdorf macht richtig Spaß. Es waren tolle Wettkämpfe dort im letzten Winter. Wenn du als Skispringer in richtig guter Form bist, dann kommst du aber mit fast allen Schanzen gut zurecht.

Sie sind 2014 auch schon einmal mit dem Team Olympiasieger geworden – und wohl aus dem damaligen Quartett als einziger auch 2018 wieder dabei. Wie schätzen Sie die Chancen der deutschen Mannschaft diesmal ein?

Es sind noch rund sechs Wochen bis zu den Wettkämpfen bei den Olympischen Spielen – da kann noch viel passieren. Wenn wir die jetzige Form auch bei den Olympischen Spielen hätten, wären wir bestimmt ein Medaillenkandidat im Team.

Was bedeuten Olympische Spiele für Sie?

Die Olympischen Spiele sind etwas ganz Besonderes. Und ich hoffe, dass ich im Februar mit dabei sein werde.

Welche Ziele haben Sie für Pyeonchang in den Einzelspringen gesetzt?

Da wir jetzt erst einmal die Tournee vor uns haben und danach die Skiflug-WM in Oberstdorf ansteht, habe ich mir über die Olympischen Spiele noch nicht so viele Gedanken gemacht. Wenn ich gesund bin und meine Form zu diesem Zeitpunkt immer noch richtig gut ist, würde ich natürlich gerne mit in die Medaillenentscheidung eingreifen. Aber jetzt wünsche ich erst einmal allen einen gesunden Start ins neue Jahr und eine spannende Vierschanzentournee!

Das Interview führte: Stephanie Brenninger