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Das schnellste Geschwisterpaar im Achental

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Mit einem Lächeln in die neue Saison – Tim und Nicki Hronek aus Unterwössen. (Foto: Hronek)

Sie sind wohl das schnellste Geschwisterpaar im Achental: Nicki und Tim Hronek sind auf den Skipisten im Weltcup unterwegs. Die 28-jährige Nicki Hronek ist Spezialistin im alpinen Super-G. Ihr 24-jähriger Bruder Tim hat sich dem rasanten Skicross verschrieben. Beide starten für den SV Unterwössen und brennen auf den Saisonstart und hoffen auf eine verletzungsfreie Saison.


Nicki Hronek will nach drei Kreuzbandrissen binnen zwei Jahren wieder an ihre Leistungen anschließen, die sie teilweise Ende des vergangenen Winters gezeigt hatte. Unter anderem wurde sie Deutsche Meisterin Riesenslalom. Tim Hronek hatte nach einer guten Vorbereitung im Sommer schon wieder Pech. Beim Berglauf stürzte er und brach sich die Mittelhand. Er wird einige Zeit mit einer Schiene unterwegs sein.

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»Das kenne ich schon aus früheren Verletzungen«, berichtet er aus Erfahrung. Im Sommer hatte er sich neue Ziele gesetzt und auch erreicht. »Ich war immer etwas zu leicht, jetzt habe ich drei Kilo an Muskelmasse zugelegt. Mal schauen, was es mir zum Saisonstart im Dezember bringt«, so Hronek. Derzeit hat er den B-Kaderstatus und ist froh, dass er die Rückendeckung seines Arbeitgebers, der Bundespolizei hat. In diesem Winter kann er ohne Qualifikationsdruck starten, weil es keine sportlichen Großereignisse gibt.

»Ich denke von Rennen zu Rennen, will den Kopf frei haben und mein Bestes geben.« So gibt es bei den Skicrossern im DSV in dieser Saison zum Einstieg eine gesamte Mannschaft aus Weltcup- und Europacup-Fahrern. Beim Europacup Ende November im Pitztal gehen alle Teammitglieder an den Start, die sechs besten erhalten das begehrte Ticket für den Weltcup.

Seit vier Jahren ist Tim Hronek im Weltcup dabei, auch er spürt bereits die Konkurrenz der nachrückenden jungen Läufer. »Ich habe keinen Talentstatus mehr und gehöre nicht mehr zu den Youngstern. Ausruhen kann man sich nicht«, beschreibt er die Situation. In der vergangenen Saison sei er oft zu verbissen und unvernünftig gewesen und habe es zu gut machen wollen. Das sei nach hinten losgegangen und eine Kopfsache gewesen. »Ich habe im Sommer mit einem Sportpsychologen gearbeitet und das Problem hoffentlich in den Griff bekommen. Natürlich muss ich aber auch an mir selber arbeiten«, bringt er es auf den Punkt.

Schwester Nicki zeigt sich angriffslustig

Auf den Punkt will es auch seine Schwester Nicki bringen. Deswegen hat sie im Sommer so viel wie schon lange nicht mehr trainiert. »Bisher hat alles geklappt und Früchte getragen«, gibt sie sich optimistisch. Das nach drei Kreuzbandrissen lädierte Knie macht keine Probleme.

»Ich bin schmerzfrei«, freut sie sich und gibt zu, dass sie die Verletzungsserie geprägt und ihr Leben verändert habe, auch im sportlichen. »Meine Sichtweise ist eine andere. Früher war alles selbstverständlich, nach den Verletzungen hat sich einiges verändert. Dass ich jetzt wieder alles machen kann, weiß ich sehr zu schätzen. Man muss das alles annehmen, sonst schafft man es nicht«, ist sie sich sicher. Um neue Reize zu schaffen, hat sie auch die Skifirma von Head auf Salomon gewechselt.

Die Vorbereitung auf die Wintersaison hat sie punktgenau auf den Super-G ausgerichtet, dort hat sie einen fixen Startplatz. »Die Trainer haben immer zu mir gehalten. Dieses Vertrauen will ich zurückgeben«, verspricht sie.

Acht Rennen im Super-G hat sie vor sich und am Ende soll die Teilnahme am Weltcupfinale der Top 25 in der Disziplinwertung stehen. »Ich strebe eine gewisse Konstanz unter den besten 20 an. Der Super-G ist sehr anspruchsvoll und du brauchst einen eisernen Willen. Wir haben nur einen Lauf und keinen Trainingsdurchgang zuvor.«

Um ihre Pläne zu verwirklichen, sucht Nicki Hronek einen Sponsor – möglichst aus der Region – um die Kosten zu decken. In diesem Winter muss sie einiges selber finanziell bestreiten. Unter anderem die Flug- und Hotelkosten. »Ich bin sehr froh, dass mir dabei mein Arbeitgeber, die Bundespolizei, hilft.«

Deswegen möchte sie nach ihrer sportlichen Karriere bei der Bundespolizei bleiben und die Trainerlizenz machen. In der Familie Hronek dreht sich fast alles um den Sport. In den seltenen Fällen, in denen die Geschwister gemeinsam zuhause sind, steht der Sport im Mittelpunkt, Schließlich hat Vater Hronek eine Vergangenheit als Eishockeyspieler.

»Wichtig ist mir der Austausch mit meinem Bruder. Skicross und Alpin hat manches gemeinsam«, so die Super-G-Spezialistin. Vor allem die positive Einstellung ihres Bruders schätzt sie.

»Er baut mich immer wieder auf«

»Er bringt mich zum Lachen und baut mich immer wieder auf, das rechne ich ihm hoch an. Mit seinem Wesen hat er mich schon aus vielen Löchern herausgeholt.« Mittlerweile wohnen Nicki und Tim nicht mehr im Elternhaus und die persönlichen Treffen sind seltener geworden. »Viel geht über Telefon und WhatsApp«, erzählt Tim Hronek.

Wenn sie aber gemeinsam in Unterwössen sind, dann treffen sie sich zum Essen und unternehmen gemeinsame Bergtouren. »Der Nicki gefällt, dass ich ein energiegeladener Mensch bin. Mit mir wird ihr nicht langweilig. Sie ist eher die Ruhige und ich bin immer mal für einen Blödsinn zu haben. Aber auch sie findet für mich immer die richtigen Worte. Es ist schon ein Vorteil, dass wir beide Leistungssportler sind.« SHu

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