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»Das ist eine spannende Disziplin«

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Auf spannende Olympische Winterspiele in Sotschi freut sich Michaela Wiesmüller: Sie ist Physiotherapeutin im Sportzentrum Traunstein und betreut in Sotschi (und im Weltcup) die Snowboardcrosser.


Eine Sportart, von der sie absolut fasziniert ist: »Das ist sehr spannend. Da fahren sechs Snowboarder gegeneinander, und wenn einer mal am Start die Führung übernommen hat, heißt das noch lange nicht, dass er auch als Sieger ins Ziel kommt. Dazwischen gibt es viele Überholmanöver«, «, so Wiesmüller. Denn auf dem gut zwei Kilometer langen Kurs sind die Sportler etwa 1:00 bis 1:20 Minuten unterwegs, und bei den »Kickern« können sie bis zu 20 Meter weit fliegen, mehrere Kurven, Banks genannt, gehören natürlich auch zum Kurs. »Da rührt sich was, das ist eine tolle Disziplin«, zeigt sich die Physiotherapeutin begeistert.

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So spektakulär die Sportart ist, so riskant ist sie auch. Gut zehn der internationalen Topfahrer verletzten sich allein in dieser Saison, beileibe nicht alle davon können in Sotschi schon wieder antreten.

Glück hatte dagegen heuer das deutsche Team, aus dem Paul Berg (Konstanz/22 Jahre) und Konstantin Schad (Fischbachau/26) sich für Sotschi qualifizieren konnten und nun durchaus mit Aussichten auf Medaillen im Top-10-Feld antreten. Ansonsten besteht das Weltcup-Team aus insgesamt vier bis fünf Athleten und einer Athletin, ein bis zwei Servicemännern und zwei Trainern.

Wiesmüller selbst betreut im Sportzentrum unter anderem Kampfsportler Lukas Bombik (TSV Bergen/Ju-Jutsu) sowie Windsurfer Freestyle Mathias Genkel, »aber auch viele Freizeitsportler und Nichtsportler. Die Arbeit mit Menschen generell macht mir sehr viel Spaß «, erklärt die Vachendorferin, die seit fünf Jahren im Sportzentrum/Reha-Med arbeitet. »Meine Chefs unterstützen mich gut, hier kann ich Teilzeit arbeiten, damit ich für den Verband Snowboard Germany auch noch Zeit habe«, erläutert sie.

Der Kontakt kam eher zufällig zustande: Als ihre Vereinskollegin und gute Freundin vom SC Vachendorf, Elisabeth Mechlem, nach einem Lehrgang spontan bei den Deutschen Meisterschaften mitgefahren und Zweite geworden war, hatte Wiesmüller den ihr vom Kitesport bekannten Snowboard-Vizepräsidenten Sven Krombach gefragt, ob »Späteinsteigerin« Mechlem noch in das Nationalteam und die Sportförderung eintreten könne.

Doch ist eine Förderung nur bis etwa 16 Jahren möglich und dann funktioniert es nur noch über Eigenfinanzierung und extrem gute Resultate bei Weltcups und FIS-Rennen. »Als Snowboard Germany eine Physiotherapeutin mit DOSB-Sportphysiotherapeuten-Ausbildung suchte, sprach Sven Krombach mich wiederum an und motivierte mich eine Bewerbung zu schicken«, blickt Wiesmüller, ebenso stellvertretende Vorsitzende des SC Vachendorf, zurück. Und so wurde sie unter mehreren Bewerbern im Sommer ausgewählt.

Das ist aber nicht nur eine Sache der Berufserfahrung und der zufälligen Kontakte: Wer bei Olympischen Spielen eingesetzt werden will, muss in zwei Lehrgängen (Vorbereitungskurs und Hauptkurs, insgesamt sechs Wochen, mit Nachweis Betreuung Bundeskaderathleten) verteilt auf zwei Jahre die Olympia-Lizenz erwerben. »Da war der ganze Jahresurlaub weg, inklusive mehrere tausend Euro«, berichtet Wiesmüller.

Wiesmüller hat vielfältige Aufgaben im Team, »da ist man schon auch Mädchen für alles«, lacht sie. So steht sie meist am Start, hält von dort Funkkontakt zu den Trainern, fährt den Sportlern die Jacken herunter, macht Videos, schaufelt Schnee weg und hat natürlich auch ihre Medizinsachen dabei.

Typische Verletzungen sind beispielsweise Sprunggelenksstauchungen, Gehirnerschütterungen oder auch Schulterverletzungen – »die osteopathische Zusatzausbildung kann da sehr gut helfen«, erläutert sie. Denn es geht ja immer darum, die Sportler möglichst schnell wieder fit zu bringen.

Ebenso bedeutend sei die mentale und emotionale Unterstützung der Sportler. »Es ist wichtig, die Sportler möglichst von Stress fernzuhalten«, betont Wiesmüller.

Und sie macht denjenigen, die sich für diese Sportart, interessieren, Mut: »Das ist in Deutschland noch ein relativ junger Sport, der gut gefördert wird und Nachwuchs sucht – gute Snowboarder haben da gute Chancen, ganz nach oben zu kommen.«

Die gute Förderung zeigte sich auch an der intensiven Vorbereitung für Sotschi: Sogar ein Trainingslager in Neuseeland gehörte dazu, »so etwas gibt es natürlich nur vor Olympischen Spielen«, betont sie.

Als verbesserungswürdig sieht sie noch die Frauenquote bei den Betreuern an, die in Russland dabei sind: Von 171 Betreuern sind nur 21 Frauen.

Bei den Spielen drückt sie nicht nur »ihren« Snowboardern, sondern allen Sportlern und Kollegen aus der Region die Daumen, darunter Skicrosser Thomas Fischer (Traunstein/SC Ruhpolding) mit Martin Schrobenhauser als Physiotherapeut, »und besonders fiebere ich natürlich mit dem Tobi Angerer mit«, so Wiesmüller über den Traunsteiner Skilangläufer vom SC Vachendorf.

Und sie bricht eine Lanze für die Sportler, die ja häufig viel Druck aushalten und auf viel Freizeit verzichten müssen, um durch intensives Training und viele Reisen zu den Wettkampfstätten ihren Sport ausüben zu können, »das versteht man erst, wenn man mal selbst sieben Monate mit auf Tour war, da gibt es kein Wochenende oder geregelten Feierabend« Aber vielleicht wird der Aufwand ja in Sotschi mit einer Medaille belohnt ... who

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