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»Das ist die sportlich fairste Geschichte«

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Spiele vor großer Kulisse: Darauf müssen auch Kirchanschörings Trainer Seppi Weiß und sein Spieler Luca Schmitzberger – hier beim letzten SVK-Pflichtspiel gegen den SSV Jahn Regensburg II – derzeit verzichten. (Foto: Butzhammer)

Im »Wartestand« befinden sich derzeit alle Amateur-Fußballer – auch beim Bayernligisten SV Kirchanschöring. Doch immerhin herrscht nun über eines Klarheit: Sollten es die Entwicklungen in der Corona-Krise ermöglichen, will der Bayerische Fußball-Verband (BFV) die Saison ab dem 1. September fortsetzen. Das hat die Verbandsspitze inzwischen beschlossen – nach einer Umfrage bei den Vereinen, die eine deutliche Mehrheit (68,13 Prozent) für die Fortsetzung ergab. Allerdings hatte sich gut ein Viertel der Clubs auch gar nicht geäußert.


Saisonabbruch oder späte Fortsetzung: »Letztlich gibt es bei beiden Entscheidungen Vor- und Nachteile«, weiß Tom Dengel aus dem Abteilungsleiterteam der SVK-Fußballer. So hatte die Abteilungsleitung erst einmal intern abgestimmt – und beschlossen, dass der SVK für eine Fortsetzung der Saison votiert. Wichtigster Punkt: »Das ist aus unserer Sicht einfach die sportlich fairste Geschichte«, betont Dengel.

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Schließlich geht es für viele Vereine noch um Aufstieg oder Klassenerhalt, elf (der insgesamt 34) Spiele stehen für die meisten Vereine noch an. Auch wenn der SVK (8./31 Punkte) derzeit gesichert wäre: Jetzt eine Entscheidung am Grünen Tisch über Ab- und Aufstiege zu fällen, wäre eine heikle Sache.

Keine Umfrage – und auch keine Entscheidung – gab es übrigens in Sachen Regionalliga. »Da ist die Lage wegen der vielen Verträge definitiv anders als in den unteren Ligen. Selbst in der Bayernliga ist die Sache grenzwertig, weil es ja auch da teilweise Spielerverträge gibt«, weiß Dengel. So sei die Frage der Transfermodalitäten eine der spannendsten.

Dass trotz der jetzigen Zwangspause über eine Wechselperiode im Sommer spekuliert werde, »finde ich nicht gut. Denn ein Spieler, der für die Saison 2019/2020 zugesagt hat, muss die Saison auch bei seinem alten Verein fertig spielen«, betont er.

Reicht die Zeit überhaupt, die Saison noch erfolgreich abzuschließen und die kommende rechtzeitig zu beginnen? Beim BFV – und auch beim SVK – hofft man dies zumindest. Kann wirklich ab 1. September gespielt werden, sollten im September und Oktober alle Spiele ausgetragen werden, um die alte Runde zu beenden. »Dann könnte im November der Start in die neue Saison erfolgen.« Eine neue Vorbereitung gäbe es dafür dann eher nicht, dafür »hat aber der BFV beschlossen: Falls es ab 1. September losgehen kann, erhalten die Teams zwei bis vier Wochen davor die Chance, im Training zu arbeiten. Das ist unbedingt nötig, auch, um Verletzungen vorzubeugen«, weiß Dengel.

Das Trainerteam mit Cheftrainer Seppi Weiß hatte den Spielern zunächst wöchentliche Trainingspläne zugeschickt, »nur in den letzten zwei Wochen kam nichts mehr von uns Trainern aus. Die Spieler müssen sich halt selbstständig fit halten«, berichtet Weiß.

Die Spieler sollen Läufe, Stabilisationsübungen und Kraftübungen machen. Sie bekamen auch viele Videos mit Übungen zugeschickt, »vor allem von den Athletiktrainern – da können sie sich richtig austoben.« Wann sich die Spieler tatsächlich wieder auf dem Platz austoben dürfen, ist dagegen noch nicht so klar.

Die Pause treffe den SVK auf jeden Fall hart, weiß Dengel. Schließlich »waren wir gut drauf. Wir hatten eine gute Saisonvorbereitung, und zum Frühjahrsauftakt haben wir gleich gegen Jahn Regensburg II gewonnen.« Dabei hatten nach dem 0:1 durch Pavel Panafidin (27.), Maximilian Reiter (61.) und Tobias Schild (87.) die Partie noch zugunsten der Kirchanschöringer gedreht.

Und: »Mit der Mannschaft und dem Trainerteam hat es riesigen Spaß gemacht. Wir haben uns richtig gut zusammengefunden, und man hat sich immer auf das Training gefreut«, bedauert Weiß die Zwangspause.

Der SVK musste übrigens schon jetzt die für den Sommer geplante zweite Auflage des attraktiven Siloking-Cups absagen. »Das tut uns richtig weh«, berichtet Dengel. Auch hatte ein Profiverein erwogen, im Rahmen seiner Vorbereitung ein Testspiel beim SVK zu absolvieren – das fällt nun ebenso aus.

Schon jetzt fehlen der Abteilung ja die in den Frühjahrsmonaten üblichen Einnahmen. »Wir haben im Schnitt ungefähr 500 Zuschauer. Die Einnahmen aus den Eintritten und dem Kioskverkauf sind ein großer Hebel für die Finanzierung der Abteilung«, betont Dengel. Immerhin: Der BFV will Geisterspiele möglichst vermeiden. Wobei auch Partien mit Fans ihre Tücken hätten – nämlich wegen der Ansteckungsgefahr.

Ob die Saison 2019/2020 tatsächlich am 1. September fortgesetzt werden kann, ist derzeit noch offen. Es ist gut möglich, dass die verbleibenden Spiele erst später ausgetragen werden können. Das könnte durchaus dazu führen, dass für die Spielzeit 2020/2021 zu wenig Zeit für eine komplette Runde bliebe.

Aber: Selbst wenn man jetzt einen kompletten Abbruch der Saison 2019/20 vorgenommen hätte, wäre ja die Unsicherheit da, wann überhaupt wieder Amateurfußball stattfinden darf. Blieben dann nur wenige Monate Zeit, »dann wären sowohl die jetzige als auch die kommende Saison nicht regulär durchführbar«, vermutet Dengel.

Mit der jetzigen Lösung hat sich der BFV zumindest genügend Luft dafür verschafft, wenigstens die Runde 2019/20 ordnungsgemäß zu Ende zu bringen – und notfalls dann eben ab dem 1. Juli 2021 die Spielzeit 2021/22 wieder »normal« laufen zu lassen. who

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