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»Das ist definitiv ein Hingucker«

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Julia (links) und Mathias Hoffmann von den Einradlern des SC Vachendorf zeigen ihr Können auf einem Trial-Parcours. Die Vachendorfer sind sowohl bei regionalen als auch bei internationalen Wettkämpfen erfolgreich.

An seine ersten Versuche auf dem Einrad erinnert sich Thomas Hoffmann noch genau: Bei einer Fortbildung des Bayerischen Landes-Sportverbands (BLSV) drehte der damalige Vereinsjugendleiter des SC Vachendorf seine erste Runde auf dem Rad – während seine beiden Kinder einen Blick in die Halle warfen und ebenso wie ihr Vater sofort begeistert waren von diesem Sport. Der damalige Vereinsvorsitzende Willi Weinl sei offen für neue Ideen gewesen, erinnert sich Thomas Hoffmann, und so wurde 2008 die Einrad-Abteilung gegründet.


»Am Anfang wurden wir ein bisschen belächelt«, erzählt der heutige Abteilungsleiter, der 2008 an der deutschlandweit ersten Trainer-C-Ausbildung für das Einradfahren teilgenommen hatte. Die Abteilung profitierte jedoch schnell nicht nur von einer hohen Beteiligung, sondern auch von den ersten Erfolgen bei Wettkämpfen.

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»Wir hatten immer um die 30 Kinder und Jugendliche im Training«, berichtet Thomas Hoffmann. »Für eine Randsportart ist das sensationell.« Zum ersten Wettkampf reiste der Trainer des SCV mit acht Teilnehmerinnen an – und sie alle kamen unter die besten Zehn.

»Ganz bewusst auch auf den Breitensport gesetzt«

»Wir haben immer wieder Stockerlplätze belegt – das hat uns gezeigt, dass wir die richtigen Schritte gehen«, meint Thomas Hoffmann. Allerdings sei es der Abteilung nie nur um den Wettkampfsport gegangen. »Wir haben ganz bewusst auch auf den Breitensport gesetzt – das ist ein hohes Gut und viele Mitglieder wollen sich nicht dem Druck der Wettkämpfe aussetzen.« Zudem sei der Abteilung immer die Gemeinschaft wichtig gewesen – auch wenn das Einradfahren eigentlich ein Individualsport ist. Aus dem Breitensport-Angebot entwickelte sich die Wettkampfmannschaft mit sechs Mitgliedern, die sich nicht nur mit Sondertrainings auf die Wettkämpfe vorbereitet hat, sondern auch zusammen mit anderen Einradfahrern trainiert – beispielsweise mit dem Mühldorfer Einradverein. »Die Zusammenarbeit mit unserem Partnerverein war sehr fruchtbar«, erklärt Thomas Hoffmann – denn die Mühldorfer legen andere Schwerpunkte, das sei eine gute Ergänzung.

Beim Einradfahren gibt es nämlich verschiedene Disziplinen: Freestyle, Down- und Uphill, Trial oder Flat. Wobei die Vachendorfer weniger auf Freestyle – »das ist Eiskunstlaufen auf dem Einrad«, sagt Thomas Hoffmann – setzen, bei dem die Fahrer Küren zu Musik zeigen.

»Was man als erstes lernt, ist das Fahren – die Koordination und das Gleichgewicht zu halten«, sagt der Vachendorfer Trainer.

»Später lernt man dann die ganzen Tricks«

Erst danach gehe es darum, wie Fahrer auf das Einrad auf- und später wieder absteigen. »Erst einmal muss man 25 Meter quer durch die Halle fahren können, später lernt man dann die ganzen Tricks.«

Für Kinder sei der Einstieg dabei relativ einfach, meint Familienvater Hoffmann, dessen Kinder auch in der Abteilung aktiv sind: »Die setzen sich einfach aufs Rad und machen sich nicht so viele Gedanken darüber, dass sie runterfallen könnten, wie Erwachsene.« Mit ein klein wenig Sportbegeisterung klappe es so schnell mit dem Fahren. Im Training wird spielerisch die Technik verfeinert, die die Einradler beispielsweise auch für den Weitsprung benötigen. Dabei springen die Teilnehmer nicht frei, sondern müssen in jedem Durchgang bestimmte Weiten erreichen.

Die richtige Technik ist aber auch beim Hochsprung wichtig. Dabei springen die Einradler auf Paletten. »Das ist definitiv ein Hingucker«, betont Thomas Hoffmann. »Und aus dem Stand auf fünf Paletten zu springen, muss man auch ohne Einrad erst mal nachmachen.«

Für den Einstieg gibt es nicht nur Leihräder, sondern auch günstige gebrauchte Räder. »Das Gute ist, dass das Geräte sind, die eigentlich nicht kaputt gehen können«, meint Thomas Hoffmann. Teurer wird es bei den »Munis«, den Mountain Unicycles – also Einrädern fürs Gelände. Weil sich auch bei Einrädern die Technik weiterentwickelt und es inzwischen Räder mit Scheibenbremsen gibt, können dann auch mal bis zu 800 Euro fällig werden. Dazu kommt die Schutzausrüstung, die zur Disziplin passen muss. »Man startet oft mit der klassischen Inline-Ausrüstung«, weiß der Einrad-Abteilungsleiter. »Aber für die Sprünge braucht man irgendwann andere Knieschoner.«

Erst recht, wenn sich die Einradfahrer auf Wettkämpfen wie die Vachendorfer auch mit der internationalen Konkurrenz messen. Schließlich haben die SCV-Fahrer immer wieder erfolgreich an Europa- und Weltmeisterschaften teilgenommen. »Wir haben als Abteilung ganz still und sehr solide angefangen«, erklärt Thomas Hoffmann. »Einige haben sich dann eben immer mehr reingebissen.«

Zwar hatten die Vachendorfer die Weltmeisterschaft 2018 in Südkorea aufgrund der Kosten ausgelassen – »der Aufwand war einfach zu groß und wir müssen uns selbst finanzieren«, erklärt der Abteilungsleiter –, bei der kurzfristig abgesagten Europameisterschaft 2019 in den Niederlanden wären die SCV-Einradfahrer aber genauso angetreten wie bei der Weltmeisterschaft 2020 in Grenoble. Diese wurde wegen der Corona-Pandemie jedoch auf dieses Jahr verschoben. »Wir haben alle unsere Qualizeiten beieinander«, betont Thomas Hoffmann. Diese gelten auch für die verschobenen Wettkämpfe.

Neuanfang nach einem Jahr ohne Wettkämpfe

Allerdings gibt es durch die lange Corona-Pause noch andere Herausforderungen: »Wir müssen faktisch neu anfangen«, sagt der Vachendorfer Abteilungsleiter. »Es hat ja keine nationalen Wettbewerbe gegeben.« Doch nicht nur die Wettkämpfe mussten ausfallen, auch im Verein gab es »über ein komplettes Jahr kein Angebot. Aus verbandlicher Sicht ist es wichtig, den Verein trotzdem zu unterstützen«, wirbt Thomas Hoffmann. Er müsse aber akzeptieren, dass sich manche Mitglieder nicht mehr so stark mit einem Verein identifizieren – und sich das in der Krise auch auf die Mitgliederzahlen auswirkt.

Bisher hatten immer um die 30 bis 40 Kinder, Jugendliche und Erwachsene am Training der Vachendorfer teilgenommen. »Das ist gar nicht so schlecht«, sagt Thomas Hoffmann. Die Gruppe sei zwar »sehr mädelslastig, Einradfahren ist aber durchaus eine Sportart für Burschen.«

Keine eigenen Ambitionenfür Wettbewerbe

So ist auch Thomas Hoffmann nach wie vor vom Einradfahren begeistert, auch wenn er zugibt: »Bei mir schaut es zwar nicht schön aus, aber es langt mir überall hin.« Ambitionen für Wettkämpfe habe er deshalb zwar nicht, aber es sei ihm immer wichtig gewesen, die Teilnehmer »so zu betreuen, dass sie zufrieden waren – und es ist ja ein Platz in den Top Ten schon toll«.

Der 53-Jährige freut sich aber nicht nur über Erfolge der Vachendorfer Einradfahrer, sondern auch, wenn es seine ehemaligen Schützlinge in anderen Disziplinen weit bringen – so wie die Biathletin Sophia Schneider, die am Anfang in der Einrad-Abteilung dabei war.

Im Moment bleibt jedoch auch den Einradfahrern nichts anderes übrig, als auf Lockerungen zu warten. Thomas Hoffmann fehlen deshalb vor allem die wöchentliche Einheiten mit den Kindern, bei denen die jungen Sportler mit Ehrgeiz an ihrer Technik auf dem Rad feilen.

»Natürlich ist man genervt, wenn mal was nicht funktioniert«, gibt der Einrad-Abteilungsleiter zu. Dafür entschädige dann aber auch das »Leuchten in den Augen, wenn ein Trick geklappt hat«.

jom

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