weather-image
19°

Das Heimspiel in Inzell in vollen Zügen genießen

5.0
5.0
Bildtext einblenden
Sabine Klein aus Piding startet an diesem Wochenende mit Arina und Dream bei der Schlittenhunde-EM in Inzell. (Foto: Bittner)

Sie würde ihren letzten Cent für Dream, Arina, Ragna und Lemmy geben. Sabine Klein aus Piding lebt für ihre vier Grönländer, Schlittenhunde zwischen drei und zwölf Jahren. Einer, Dream, ist mittlerweile vollständig erblindet. »Er möchte aber noch laufen, soweit ihn die Füße tragen«, weiß die erfahrene Musherin. Der schon »etwas ältere Herr« hört auf die Frau an seiner Seite, Arina, ein Jahr jünger. Sie führt ihn, während Sabine Klein die Kommandos gibt.


Seit 20 Jahren übt Sabine Klein jetzt diesen Sport aus. Sie ist fasziniert vom Spirit in ihrem Team Mensch und Tier. »Da wirst du nie enttäuscht«, sagt die 43-Jährige. Die Vierbeiner leben bei Bernd Kirstein bei einem jahrhundertealten denkmalgeschützten Hof in Anger-Hainham am Högl. »Meine Pidinger Wohnung ist kein geeigneter Platz für die Hunde«, sagt Sabine Klein. So oft es geht, ist sie mit ihren Tieren draußen, bewegt sie, trainiert und spielt mit ihnen, fährt in der Saison Wochenende für Wochenende zu den Rennen nach Werfenweng, Maria Alm oder Sportgastein.

Anzeige

Nun startet die Europameisterschaft der WSA in Inzell am morgigen Donnerstag (Zeitplan siehe Artikel rechts). Sabine Klein und Bernd Kirstein fühlen sich eher mit der FISTC, der Federation Internationale Sportive de Traineau à chiens, also dem zweiten Weltverband mit Sitz in Frankreich zugehörig. Dort ist Sabine Klein seit kurzem Kassierin, genauso wie beim SSB, dem Schlittenhunde-Sport Bayern. Die Weltmeisterschaft der FISTC steigt eine Woche nach Inzell im italienischen Millegrobbe-Lavarone in Trentino. »Die hat für uns fast mehr Stellenwert«, sagt die Buchhalterin, die mit Dream und Arina dreimal die Woche in der Marzoller Au trainiert.

In Schweden die Leidenschaft entdeckt

Es sei jedoch immer schwieriger, geeignete Trainingsstrecken zu finden: »Wenn es dann endlich einmal schneit, wird sofort geräumt – oder gar nicht.« Beides ist für die Tiere unangenehm, denn entweder ist der Schnee zu tief oder die Steine kommen schon wieder durch. Die Musher müssen jedoch, weil sie den Muskelaufbau der Hunde gerade in der Saison freilich gleichmäßig aufrechterhalten wollen, regelmäßig trainieren. Auf die Loipen in der Region dürfen sie nicht, obwohl »wir auf der Skating-Spur nichts kaputt machen würden«, sagt die Pidingerin.

In der Saison 1996/97 ging’s los: Bei einer Motorradreise nach Schweden entdeckten Klein und Kirstein ihre Leidenschaft für die Schlittenhunde, seitdem sind sie die »Bavarian Trail Devils«. »Als Bernd von einem Rennen in der Nähe sprach, wollte ich nichts wie weg. Ich dachte damals zuerst, dass das doch alles sowieso nur Tierquäler sind.« Kurze Zeit später wusste sie, dass das Quatsch ist. Sie ließ sich doch noch überreden, der Veranstaltung als Zuschauerin beizuwohnen – und konnte sich gar nicht mehr loseisen. »Wir waren sofort infiziert.«

Kirstein bestritt sein erstes Rennen 1996 in Brand, Klein folgte 1997 in Sportgastein im Skijöring, also mit Langlaufskiern. Später stieg sie auf Schlitten um. »Irgendwann möchte ich mal wieder auf Skijöring umsteigen, obwohl ich überhaupt nicht Langlaufen kann«, sagt Klein, die wie Kirstein für den SC Weißbach startet.

Jetzt hofft sie, noch eine Weile mit Dream und Arina laufen zu können. »Langsam halt, die beiden können nicht mehr so schnell.« Sie werden ihren Lebensabend in Anger verbringen. »Wir geben keine Hunde weg, sondern begleiten sie bis zum Schluss.« Sabine Klein wird nicht Schluss machen, sondern sich neue Tiere suchen und trainieren. »Es macht noch viel zu viel Spaß, die Hunde geben einem so viel. Wir sind so oft in der Natur unterwegs, an der frischen Luft.«

»Wir bezahlen fast alles aus eigener Tasche«

Langsam kommt auch Sabines Sohn Tobias auf den Geschmack: Noch ist der Fünfjährige, der während eines Schlittenhunde-Wochenendes am Pillersee in Tirol sechs Wochen zu früh zur Welt kam, lieber beim Angeln. Bei den Rennen ist er dennoch live dabei. Oma Anni kommt von Anfang an mit und passt auf ihren Enkel auf, wenn sich Mama Sabine auf den Trails befindet.

»Dann auf die nächsten 20 Jahre«, sagt Sabine Klein und holt den nächsten Sack Futter für Dream & Co. »Wir bezahlen fast alles aus eigener Tasche.« Es sei schwer, Sponsoren für diese Randsportart in der Region zu finden. Und so kommt es, dass sie hin und wieder fast ihren letzten Cent für ihre Tiere ausgibt. Jetzt freut sie sich schon auf die Saison-Höhepunkte, aber: »Gewinnen steht bei unserem Sport für die meisten nicht im Fokus, sondern das Dabeisein«, rückt Sabine Klein den olympischen Gedanken in den Vordergrund. bit