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»Das Gesellige leidet mehr als der Schießsport«

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Ein letztes Schießen vor der erneuten Pause: Thomas Grella, Schriftführer bei der Schützengesellschaft Edelweiß Haslach, muss nun wie die anderen Schützen im Gau Traunstein auf das Ende der erneuten Einschränkungen warten.

Mit Verspätung sind auch die meisten Sportschützen im Gau Traunstein nach der Corona-Pause in eine besondere Saison gestartet – unter strengen Hygieneregeln und schwierigen Bedingungen: So wird der Rundenwettkampf als Fernwettkampf ausgetragen – jede Mannschaft schießt zuhause und meldet ihre Ergebnisse. »Das war die einzige Möglichkeit, den sportlichen Wettkampf wieder aufzunehmen«, erklärt der Rundenwettkampfleiter des Schützengaus Traunstein, Herbert Pawlitschek. »Ein gegenseitiger Besuch wäre schon aufgrund der Hygiene- und Schutzmaßnahmen bei manchen Vereinen nicht möglich gewesen.«

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Schießen im November nur als Individualsport

Nun müssen aber auch die Schützen wieder pausieren, der Rundenwettkampf ist ausgesetzt – auf Bezirksebene sogar bis Ende des Jahres. Höchstens individuelles Training ist nach den neuesten Einschränkungen möglich, wie der Geschäftsführer des Bayerischen Sportschützenbunds, Alexander Heidel, erklärt – dann fallen die Schützen unter die Regelungen für den Individualsport. »Das ist für Leistungsschützen eine Möglichkeit, die im Training bleiben möchten.«

Der Vereinssport steht aber wieder still. Dabei hatte bei den meisten Schützen trotz aller Einschränkungen die Freude überwogen, nach der coronabedingt abgebrochenen Saison überhaupt wieder schießen zu können, erklärt Gauschützenmeister Klaus Daiber – die 1. und 2. Bundesliga wurden beispielsweise komplett abgesagt. »Die Vereine merken aber eine gewisse Vorsicht und eine schwächere Beteiligung.« Besonders ältere Schützen hätten auf die Schießabende verzichtet, wenige Vereine ihr Anfangsschießen sogar zunächst verschoben – der Großteil war aber in die Saison gestartet. »Bis jetzt hat das ganz gut hingehauen«, meint Klaus Daiber.

So ist der letzte Durchgang der Vorrunde bei den Luftgewehrschützen gerade noch zu Ende gegangen. »Diese Runde ist problemlos und sehr diszipliniert abgelaufen«, lobt Herbert Pawlitschek. »Es haben alle Mannschaften daran teilgenommen. Aber natürlich ist es schon komisch, ohne Gegner zu schießen.«

Der Gauschützenmeister hofft, dass die Saison im Dezember weitergehen kann. Schließlich sollte im November die Vorrunde bei den Luftpistolenschützen und den Luftgewehr-Auflageschützen starten. »Schon vorsorglich haben wir im Gau Traunstein die Möglichkeit geschaffen, dass die Termine verschoben werden können und dies die Mannschaften selbst entscheiden können, denn es soll keine Mannschaft dazu gezwungen werden zu schießen«, betont der Rundenwettkampfleiter. Theoretisch könnte die Vorrunde auch im Dezember geschossen werden, »wenn auch terminlich nicht unproblematisch«.

Bisher mussten die Schützenvereine zumindest keine größeren Umbauten stemmen oder Trennwände auf ihren Anlagen einbauen. Für die Schützen gilt aber bis zum Stand die Maskenpflicht, die Bedienknöpfe müssen regelmäßig desinfiziert werden und nach spätestens 120 Minuten muss das Schießen unterbrochen und gelüftet werden.

Trotz allen Vorkehrungen wurden größere Schießen der Vereine ebenso verschoben wie das Gauschießen, das für März geplant war. »Preisschießen gibt es derzeit nicht«, sagt Klaus Daiber. Es gebe auch bereits Pläne, die Gaumeisterschaft auf mehrere Standorte zu verteilen, damit nicht zu viele Schützen in einem Raum sind. »Das wird mit Sicherheit ein anderes Schießen. Das ist natürlich nicht das, was man sich so vorstellt«, gibt der Gauschützenmeister zu.

Auch auf den Gauschützenball müssen die Vereine verzichten. »Das sind gesellschaftliche Höhepunkte, die schon fehlen«, meint Klaus Daiber. Dazu kommt aber noch ein anderes Problem: Auch größere Versammlungen – wie etwa die Gauversammlung – sind bisher nicht möglich, auch weil die passenden Räumlichkeiten für die bis zu 100 Teilnehmer fehlen.

Dabei hatte Klaus Daiber eigentlich vorgehabt, nach 26 Jahren als Gauschützenmeister sein Amt abzugeben – genauso wie der 2. Gauschützenmeister Karl Hirtreiter. Coronabedingt war das bisher nicht möglich. »Es ist ja gar keine Frage, dass ich weiter zur Verfügung stehe«, betont der langjährige Gauschützenmeister. »Aber wir haben ein Mordsproblem, weil wir ein paar Posten neu zu besetzen haben.« So sei ganz gravierend, dass es noch keine Kandidaten für die Ämter in der Sport- und Jugendleitung gibt.

»Das Zusammensitzen fehlt« den Schützen

Nicht nur für Versammlungen finden sich nur schwer passende Räume: »Nach dem sportlichen Wettkampf fehlt der gesellige Teil«, sagt Herbert Pawlitschek. »Das Zusammensitzen fehlt«, ergänzt Klaus Daiber. »Das Gesellige leidet mehr als der Schießsport.« Der Gauschützenmeister geht deshalb davon aus, dass sich die Corona-Saison »mit Sicherheit auf die Mitgliederzahlen auswirken wird«.

Schließlich haben die Vereine unter Corona-Bedingungen auch kaum eine Möglichkeit, Dorf- oder Stadtschießen auszurichten. »Für die Mitgliederwerbung sind die wichtig«, betont Klaus Daiber. »Ein paar Teilnehmer sind es immer, die danach zum Verein gehen.« Auch finanziell mache sich das bemerkbar. »Mancher Verein muss jetzt anders kalkulieren.«

Die Schützen hoffen, dass zumindest die Meisterschaften stattfinden können. Und Klaus Daiber wird so lange weitermachen, bis es eine Wahl geben kann, »wenn eine Versammlung wieder möglich ist«, sagt er. »Das ist aber natürlich nicht der Abgang, den man sich wünscht.« jom,

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