weather-image
31°

»Das Feuer brennt immer noch«

5.0
5.0
Bildtext einblenden
Das Ziel immer vor Augen: Biathlonlegende Fritz Fischer ist auch nach seiner aktiven Karriere für seinen Sport in mehreren Funktionen voll im Einsatz. (Foto: Wukits)

»Jedes Alter ist nur eine Zahl, auch die Sechzig«, lacht Biathlonlegende Fritz Fischer, der heute seinen runden Geburtstag feiert und 60 Jahre alt wird. »Ich fühle mich nicht wie sechzig. Ich brenne immer noch – und wenn ich merke, das Feuer lässt nach, dann lege ich sofort ein Scheit Holz nach«, meint er in seiner typischen Art.


Feiern wird er am Samstag in Ruhpolding mit einem großen Golfturnier und anschließender Siegerehrung in der Zirmbergalm. Jede Menge Prominenz aus Sport, Wirtschaft und Gesellschaft hat sich dazu angesagt. Felix Neureuther wird mit seinen Eltern Rosi und Christian kommen. In Ex-Biathlet Peter Angerer kommt sein langjähriger Weggefährte, auch die Biathleten Simon Schempp und Andi Birnbacher sowie Franziska Preuß werden da sein – und Schauspieler Sascha Hehn. »Darauf freue ich mich schon und es wird eine tolle Veranstaltung«, ist sich das Geburtstagskind sicher.

Anzeige

Als Späteinsteiger zum Biathlon

Vor 42 Jahren kam Fischer als Quereinsteiger über die Bundeswehr zum Biathlon. Bei einem 5000-Meter-Lauf hatte er seinen damals als unschlagbar geltenden Kommandeur besiegt. Dieser schickte ihn gleich zu den Gebirgsjägern nach Bad Reichenhall. »Von da an hat mich der Biathlonsport gepackt«, erinnert er sich.

Seinen ersten internationalen Erfolg feierte Fischer 1981 mit der Silbermedaille in der Staffel in Lahti (Finnland). Unvergessen ist aber gegen Ende seiner Karriere der Olympiasieg in Albertville (Kanada) 1992, als er als Schlussläufer die deutsche Staffel zur Goldmedaille führte. Beim letzten Schießen zog er mit einer seiner berühmten Schnellfeuereinlagen der Konkurrenz den Zahn.

»Wir haben vor lauter Nebel kaum was gesehen, aber schon gemerkt, was der Fritz da abgeliefert hat«, erinnert sich Ricco Groß als Teammitglied. Das Bild, als Fritz Fischer mit der deutschen Fahne über die Ziellinie lief, gehört seitdem zu einem Teil der deutschen Sportgeschichte.

Fischer ist nach außen hin immer seinen Ruf als »Gaudibursch« treu geblieben. Dahinter hat sich aber immer ein ernsthafter Athlet befunden. »Es ist seine Art, mit Menschen umzugehen«, erzählt Peter Angerer. Der Olympiasieger von 1984 in Sarajewo war jahrelang der Zimmergenosse von Fritz Fischer. »Er war immer die Ruhe selbst«, so Angerer.

1987/88 holte sich Fischer zum einzigen Mal in seiner Karriere den Gesamtweltcup. 1993 hat er seine aktive Karriere im Alter von 37 Jahren beendet. Dem Biathlon ist er aber immer treu geblieben. Vom Jugendtrainer bis zum Bundestrainer, er hat alle Positionen bekleidet. Mit Ricco Groß, Michael Greis und Andi Birnbacher hat er Weltklasse-Athleten geformt.

Derzeit ist er für den DSV als Nachwuchsscout unterwegs. Für junge Menschen hat er ein besonders gutes Gespür. Schließlich hat er die junge Franziska Preuß damals in seinem Biathloncamp entdeckt. Das Camp betreibt er zusammen mit seiner zweiten Frau Hanni, es ist sein berufliches Standbein. Interessierte können bei ihm Biathlon »hautnah« erleben. Das hat sich bis in die Fußball-Bundesliga herumgesprochen. Die Kicker des VfL Wolfsburg und Schalke 04 waren bei ihm schon zu Gast.

Aus erster Ehe hat Fritz Fischer drei Buben. Biathlon macht keiner davon. Zwei sind im alpinen Skisport/Skicross aktiv, der jüngste hat einen »ganz normalen« Beruf erlernt.

»Biathlon ist die Schule des Lebens«, diesen Spruch gibt er gerne jedem mit. »Dazu gehört Charakter, das brauchst du auch als Olympiasieger und Weltmeister. Das musst du den Jungen vorleben.«

Viele freie Minuten hat er auch als 60-Jähriger noch nicht. Ruhe findet er aber bei seinem Hobby, wenn er zum Angeln geht. Wenn er aus seinem »prallen Sportlerleben« erzählt, dann wirkt er authentisch und seine Augen leuchten. Das Feuer lodert also weiter – und 60 Jahre sind für Fritz Fischer wirklich nur eine Zahl. SHu