weather-image
21°

»Das bedeutet mir schon sehr viel«

0.0
0.0
Bildtext einblenden
Der Tüßlinger Biathlet Johannes Kühn, der für den WSV Reit im Winkl startet, zog ein positives Saisonfazit. Foto: dpa

Bei der WM in Antholz lief es für den Tüßlinger Biathleten Johannes Kühn nicht ganz nach Wunsch. Dafür feierte der 28 Jahre alte Sportler des WSV Reit im Winkl mit Platz 13 im Gesamtweltcup ein Top-Ergebnis – und so blickt der Zollbeamte in unserem Interview alles in allem zufrieden auf die Saison zurück.


Wie haben Sie das abrupte Saisonende bei den Biathleten erlebt, Herr Kühn?

Anzeige

Die Rennen in Nove Mesto und Kontiolahti waren jeweils ja schon ohne Zuschauer, das war natürlich ein eigenartiges Gefühl. Da hat sich das dann auch schon abgezeichnet, dass auch ein vorzeitiges Ende der Saison möglich wäre. Der letzte Weltcup in Oslo wurde dann ja auch abgesagt und die Saison damit vorzeitig beendet. Aber die Maßnahmen waren natürlich richtig, die Gesundheit steht immer im Vordergrund! Insgesamt war das für uns alles recht unaufgeregt. Die Rückreise war gut organisiert und verlief glücklicherweise unproblematisch. Wir sind mit einem Charterflug der IBU aus Finnland nach München zurückgekommen.

Wie war die Stimmung bei den Geister-Rennen in Nove Mesto und in Kontiolahti?

Wie gesagt, es war ein komisches und vor allem auch ungewohntes Gefühl. Wir hatten ja zuvor die Heim-Weltcups und die WM – mit jeweils besonders intensiver Kulisse. Gerade in Nove Mesto waren die letzten Jahre immer sehr viele Fans und eine entsprechend tolle Stimmung. Für uns Athleten bleibt die Arbeit aber am Ende die Gleiche. 10 km bleiben 10 km, auch wenn es mit Fans natürlich schöner gewesen wäre.

Wie seid ihr im Team mit der Coronavirus-Situation umgegangen? Gab es besondere Schutzmaßnahmen?

Wir als Sportler achten auch sonst sehr darauf, nicht krank zu werden. Insofern sind hier Hygiene-Maßnahmen auf Reisen immer besonders wichtig. Jetzt wurden aber eben noch zusätzliche Schutzmaßnahmen ergriffen, bei Interviews und Pressekonferenzen gab es weniger Leute und Abstandsregelungen. Ebenso wurden in den Hotels und beim Essen Desinfektionsmittelspender aufgestellt und die Versorgung im Stadion mit Essen wurde heruntergefahren.

Sie haben im Gesamtweltcup den 13. Platz belegt, damit waren Sie der drittbeste Deutsche. Damit können Sie zufrieden sein, oder?

Ja, damit bin ich sehr zufrieden. Top 15 war schon immer ein Ziel! Immerhin zeigt eine solche Platzierung, dass man über die ganze Saison Leistungen im Bereich der Weltspitze erbracht hat. In der Summe habe ich mich mit Platz 13 um 15 Plätze im Vergleich zum letzten Jahr gesteigert, insofern bedeutet mir das schon sehr viel.

Blicken wir noch auf die WM in Antholz, dem Saisonhöhepunkt bei den Biathleten, zurück: Wie zufrieden sind Sie mit Ihren Ergebnissen dort?

Ich bin mit einer guten Form nach Antholz angereist. Dort bin ich aber nicht so gut mit dem Schießstand zurechtgekommen, insofern kann ich mit den Ergebnissen – abgesehen vom Massenstart – natürlich nicht zufrieden sein.

Die Nicht-Berücksichtigung für die Staffel hat Sie gewurmt. Haben Sie darüber nochmals mit dem Trainer gesprochen?

Ich habe in den Staffelrennen in dieser Saison immer gute Leistungen gebracht. Dass ich also auch in der Staffel bei der WM gerne gelaufen wäre, ist kein Geheimnis. Da war ich auch entsprechend enttäuscht, keine Frage. Aber ich glaube, das gehört für einen ehrgeizigen Sportler dazu, dass er sich nicht über eine Nicht-Nominierung freuen kann. Im Endeffekt lag es an mir selbst, meine Leistung in den Rennen vor der Staffel in Antholz war einfach nicht gut genug. Der Trainer muss die Aufstellung wählen, mit der die Chance auf eine Medaille am höchsten ist.

Es gab um das deutsche Biathlon-Team in dieser Saison auch viele Diskussionen. Etwa um einen Schießtrainer. Ist der aus Ihrer Sicht künftig nötig?

Diskussionen gibt es immer, wenn etwas vermeintlich nicht gut läuft, das ist nichts Neues und nicht nur im Biathlon so. Einen Schießtrainer hat es auch letzte Saison schon gegeben. Was in der neuen Saison passieren wird, wird sich die nächsten Wochen zeigen. Man muss das Ganze aber auch etwas differenzierter betrachten. Also, wo kommt ein Athlet her und wie hat er sich entwickelt. Definitiv hat uns der Schießstand einige Ergebnisse verwehrt. Ich persönlich glaube, dass sich in dem Bereich für die neue Saison schon noch etwas tun wird. Ob das dann auch die gewünschten Ergebnisse bringt, kann man vorher nie sagen.

Es hieß auch immer, das deutsche Männer-Team ist in dieser Saison viel stärker als die Frauen-Mannschaft. Zum Schluss war's aber umgekehrt – woran hat das gelegen?

Gemessen an den WM-Medaillen waren die Damen am Ende besser, ansonsten muss man auch das differenziert sehen. Die Frauen hatten einen schwierigen Start und haben im Laufe der Saison zu ihrer Form gefunden. Das Männer-Team war, glaube ich, über die ganze Saison relativ konstant in Form, leider gab es etwas zu wenig Spitzenergebnisse. In der Gesamtleistungsstärke liegen wir, glaube ich, nicht so weit auseinander.

Sind Sie aktuell noch im Training oder ist jetzt erst einmal Pause angesagt?

Nach dem Abbruch der Saison und dem dadurch etwas vorzeitigen Ende sind zunächst ein paar Tage Erholung angesagt. Dann sollte es noch etwas Training geben, bevor es dann im April sowieso ruhiger wird. Wann und wie es dann genau weitergeht – Start der neuen Saison ist für uns normalerweise Anfang Mai – ist aktuell nicht abzusehen.

Und wo entspannen Sie sich in Zeiten der Corona-Krise?

Jetzt bin ich erstmal hier in Ruhpolding. In den nächsten Wochen wird sich dann zeigen, was möglich ist und was nicht. Erholen kann ich mich zuhause auch.

Im August findet in Ihrer Wahlheimat Ruhpolding ja die Sommer-Biathlon-WM statt. Sehen die Fans Sie da?

Die letzten Jahre haben wir nie an der Sommer-Biathlon-WM teilgenommen. Für uns war die Deutschen Meisterschaften im September immer unser Sommer-Wettkampf. Das wird sich dieses Jahr ändern, da die Sommer-WM quasi eine Heim-WM wird. Wer und wie viele teilnehmen, steht aber noch nicht fest.

Wie stehen Sie dieser Wettkampfform gegenüber?

Die Sommer-Biathlon-WM ist wie eine Deutsche Meisterschaft nur mit einem größeren Starterfeld. In der Regel sind die Top-Athleten des Winters nicht am Start und es gibt ein paar Sommer-Spezialisten. Wettkämpfe sind immer schön, für uns ist es aber eher eine Formüberprüfung während des Sommertrainings. Die Aussagefähigkeit für den Winter halte ich für begrenzt.

Diese Wettkampfform könnte für euch Biathleten – wenn die Winter weiterhin so mild verlaufen – aber ja durchaus eine echte Alternative werden, oder?

Das glaube ich – zumindest kurzfristig – nicht, weil Biathlon und Sommer-Biathlon auf Skiroller eben nicht dasselbe sind. Aber man wird sich in Zukunft schon überlegen müssen, ob man den Wettkampfplan im Winter nicht etwas anpasst, um die Wettkämpfe mit relativ hoher Sicherheit durchführen zu können.  Stephanie Brenninger

Mehr aus Traunstein
Mehr aus Traunstein