Dartsfieber in Seeon: Warten auf den Startschuss

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Michael Pemler (links) und Andreas Kinzner können es kaum erwarten, bis es im Sportheim Seeon losgeht. Sie haben eine eigene Dartsliga ins Leben gerufen. (Foto: Donhauser)

Alle Jahre wieder bricht in London rund um den Jahreswechsel das Dartsfieber aus. In der englischen Metropole wird ab dem heutigen Dienstag im Alexandra Palace, der auch als »Ally Pally« bekannt ist, die Darts-Weltmeisterschaft ausgetragen. Das Finale ist für den 1. Januar 2021 vorgesehen. Auch das Seeoner Sportheim ist seit dem Umbau 2018/2019 mit einem »Oche«, einem Spielraum für die Darter, ausgestattet.


Gut 25 »Spicker«-Freunde werfen immer nach dem Training oder nach dem Spiel der Fußballer auf die Dartsscheibe. Es gibt am Montag auch einen internen Dartsstammtisch. Das brachte im Laufe des Jahres Michal Pemler und Andreas Kinzner, beides Abteilungsleiter der Fußballer des SV Seeon auf die Idee, eine Liga zu gründen. »Ohne den Michi wäre das alles nicht entstanden«, sagt Kinzner.

Aus den gut 25 Dartsspielern haben sich acht Akteure herauskristallisiert, die nun eine Liga in Anlehnung an die Premier League in England spielen wollen. Mönchengladbach-Fan Michael Pemler erklärt die Auswahl: »Die mit dem größten Talent sind dabei!« Wobei er sich ein Augenzwinkern nicht verkneifen konnte.

Die Spieler sind bereit, doch die Corona-Pandemie hat den Beginn zunächst auf unbestimmte Zeit auf Eis gelegt. Die acht Aktiven sollen sieben Spieltage, das Halbfinale und ein Finale spielen. »Alles war genau geplant. Der erste Spieltag war für 4. November angedacht«, erklärt Pemler. Alle acht Spieler haben sich eine Einlaufmusik von 90 Sekunden, einen eigenen Namen und ein T-Shirt überlegt. »Das Outfit und die Musik werden aber bis zum 1. Spieltag geheim gehalten«, betont Kinzner, der sich »Demolition Drulle« getauft hat und mit Pemler alias »Mike Ozean« antritt. Auch für das Drumherum ist gesorgt. Es soll »profimäßig« im Sportheim Seeon, dem »Roberts«, ablaufen. Beide rechnen mit 30 bis 40 Fans, »die aber alle nur verkleidet Zutritt bekommen werden«. Dafür sorgt die Security mit Jonas Ettenhuber und Peter Wurm.

Engagiert haben die beiden Dartsverrückten auch einen »Caller«, der für die Bekanntgabe der Punkte und Ergebnisse sorgt, sowie einen Sound- und Social-Media-Beauftragten. »Wir haben vor, dass es einmal über Facebook und Insta-gram mit ablaufen soll«, betont Kinzner. »Es soll Entertainment pur werden!«

Da das Sportheim in Seeon als Dartszentrum genutzt wird, wird es auf die Getränkepreise einen geringen Aufschlag geben. Der Gewinn soll in die »Dartskasse« fließen, aus der dann beispielsweise die Siegerpreise bezahlt werden sollen. Das Equipment haben die Spieler schon einmal in Eigenregie besorgt. Das Dartsboard wurde mit einer geflammten Holzplatte an die Wand geschraubt. Der Spielraum wurde mit einem Kunstrasen belegt. Und es wird auch prominente Zuschauer geben. Die Spieler kauften sich bereits eine lebensgroße Pappfigur von Kanzlerin Angela Merkel im Internet, die nun über das Dartsgeschehen »wacht«. »Hier sollen aber noch mehr dazu kommen«, informieren die Protagonisten.

Für die Zukunft – also nach der »ersten Saison« – soll eventuell noch aufgestockt werden. Eine weitere Liga mit Auf- und Abstieg schwebt den beiden vor. »Denn wir haben schon Spieler in der Warteschleife«, sagen sie.

Beide waren übrigens freilich auch schon zweimal in London und besuchten 2016 und 2018 die Wettbewerbe im »Ally Pally«. »Die Stimmung ist gut«, sagen die beiden. »Wir haben mit Phil Taylor, Michael van Gerwen und Gary Anderson so ziemlich alle Größen gesehen.«

Nun hoffen sie, dass der Corona-Spuk bald vorbei ist und sie mit ihrem hochgesteckten Ziel, der eigenen Liga im Sportheim der SVS-Arena, loslegen können. Bis dahin müssen ab heute wieder die Fernsehbilder aus London herhalten, um das Dartsfieber am Leben zu halten.

td

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