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»Danke für diesen Wettkampf«

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Auch auf der Radstrecke mit gebührendem Abstand – zwölf Meter waren Vorschrift: Tobi Mühlbacher vom RSV Freilassing, Gesamtplatz 4, das Podest nur um zwölf Sekunden »verpasst«. (Foto: Bittner)

»Danke für diesen Wettkampf«, war der häufigste Satz im Rahmen des Seewirt-Thumsee-Triathlons, der seine Bewährungsprobe als Start ins Wettkampfjahr 2020 nach der Zwangspause vollauf bestand. Werner Mayer, Triathlon-Abteilungsleiter des veranstaltenden TSV Bad Reichenhall, und sein Helfer-Team standen vor diesem besonderen Bewerb am frühen Morgen sichtlich unter Strom – verständlich: So viel hätte ja auch schieflaufen können.


Doch das in wochenlanger Arbeit ausgetüftelte Konzept war hieb- und stichfest. Letztlich überzeugte es die entscheidenden Behörden: Das Ordnungsamt der Stadt Bad Reichenhall, das Gesundheits- und das Landratsamt.

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»Corona-Supersprint« mit 9,5-km-Radrunde

Knapp zwei Wochen vor dem Termin gab es das letzte, erforderliche Grüne Licht für den Dreikampf. Und so riefen die Verantwortlichen einen »Corona-Supersprint« mit 300 Metern Schwimmen im 19,5 Grad »warmen« Thumsee, einer 9,5 Kilometer-Radrunde zwischen Karlstein und Antonibergtunnel sowie einer See-Laufrunde über 2500 Meter aus. Den Sieg holte sich Kilian Bauer.

In Anbetracht der Umstände klappte nahezu alles perfekt, die außergewöhnliche 37. Auflage war lediglich von kleinen, meist unbeabsichtigten Virus-Regel-Verstößen einiger weniger Teilnehmer begleitet. Die drei Kampfrichter des Bayerischen Triathlon-Verbandes (BTV), für die diese Situation ebenfalls neu und somit eine Premiere darstellte, schritten ein und unterbanden rasch. Die Betroffenen zeigten sich stets sofort einsichtig und beachteten fortan die umfangreichen und deshalb nicht einfach zu überblickenden Bestimmungen.

»Herrlich, endlich wieder einen richtigen Triathlon bestreiten zu dürfen«, lachte Florian Huber aus Grassau, als er als Gesamtzweiter die Wechselzone verließ. Zeitnah musste jeder Athlet nach seinem persönlichen Rennen das Veranstaltungsgelände verlassen, damit die vorgeschriebenen Abstände eingehalten werden konnten.

Ungewohnter Freiraum in der Wechselzone

»So viel Platz hatte ich in einer Wechselzone noch nie«, schätzte Jens Jäger aus München den ungewohnten Freiraum. Überhaupt durften »nur« 60 Dreikämpfer starten, am Ende waren es 49 – elf Damen und 38 Herren. Am anschließenden »Swim & Run« für Kinder und Jugendliche beteiligten sich 18 Nachwuchscracks.

Erstaunlich hoch war insgesamt die Resonanz aus dem benachbarten Salzburger Land, zahlreiche Sportler aus Zell am See, Mittersill oder Hallein kamen ins Berchtesgadener Land. Vom veranstaltenden TSV Bad Reichenhall wurde bei den Erwachsenen nur eine Meldung registriert: Andrea Schwienbacher belegte nach einem guten Rennen Rang 5. Bei den Junioren nahmen vier TSV-Mitglieder und eine SSG-Schwimmerin den angebotenen Duathlon in Angriff und holten zwei Altersklassensiege.

»Der Aufwand war schon immens, möglicherweise sogar höher, als wäre es ein ganz normaler Wettkampf«, schätzte 2. TSV-Gesamt-Vorstand Martin Dufter die Arbeit von Hauptorganisator Werner Mayer und dessen Helferteam. »Am Ende ist es aber doch irgendwie komisch. Nach ihrem Rennen müssen alle sofort das Areal verlassen. Seltsam, so ganz ohne Stimmung, anschließendem Zusammensein, Siegerehrung oder Siegerbild. Daran sieht man deutlich, wie sehr das alles auch von diesen Dingen lebt.«

»Für die Athleten enorm wichtig«

Freilich: »Für die Athleten war das heute enorm wichtig, nach so langer Zeit mal wieder Wettkampf-Luft zu erleben und zu spüren«, freute sich der TSV-Vize über den am Ende gelungenen Wettbewerb. Denn auch die Triathlon-Interessierten, die gerne zum Zuschauen gekommen wären, legten große Disziplin an den Tag und folgten der Aufforderung, aufgrund der Virus-Lage nicht zum Wettkampf zu erscheinen. Nur ganz vereinzelt tauchten ein paar Zaungäste auf, verhielten sich jedoch vorbildlich.

Bei traumhafter Morgenstimmung trat jeder Triathlet zunächst zu einem Kampf allein gegen sich und die Uhr an – also nicht wie gewohnt im großen Feld. Durch die zeitlich abgesetzten Einzelstarts wusste im Ziel niemand genau, auf welchem Platz er am Ende schließlich landen würde.

Die Ergebnisse wurden per »Handstoppung« notiert. Sie standen in diesem Jahr jedoch ohnehin nicht im Vordergrund: In erster Linie, weil die Distanzen im Vergleich zu den vergangenen Jahren verändert waren – und weil letztlich alle einfach nur glücklich waren, dass überhaupt wieder etwas stattfindet. Der Thumsee-Triathlon bestand seine Feuertaufe bravourös. »Es ist einfach wichtig, den Sportlern mit einer solchen Aktion wieder eine Perspektive zu geben und ihnen zu zeigen, dass ihr monatelanges Training allein nicht völlig umsonst war«, weiß Martin Dufter. Der 2. TSV-Gesamt-Vorstand sah sich den Triathlon zusammen mit dem 1. Vorsitzenden Sepp Dennerl ganz genau an: »Dass der Bewerb hier am Thumsee so gut funktionierte, ist für unseren geplanten Rupertus-Thermenlauf Ende August nicht unerheblich.«

Starts mit 15 Sekunden Abstand

In 15 Sekunden-Abständen wurden die Sportler auf die Reise geschickt. Die Tagessieger bei den Erwachsenen hießen am Ende Katharina Loidl und Kilian Bauer. Der Sportler des SV Wacker Burghausen erzielte in 29:17 Minuten überlegen die Bestzeit, über zweieinhalb Minuten vor Florian Huber (2./31:54) und vier Minuten vor Andi Maiwald (3./33:16). Kilian Bauer, der 2019 für den RSV Freilassing in der 2. Bundesliga startete und auch dessen Trikot trug, hatte vom Veranstalter bereits mit einer gewissen Vorahnung die Nummer 1 erhalten. Damit feierte er im für alle relativ einsamen Rennen einen souveränen »Start-Ziel«-Sieg.

Die deutlich beste Dame reihte sich im gesamten Feld auf dem starken 5. Platz (33:55) ein. Imaginäres Silber und Bronze hinter Kathi Loidl sicherten sich Petra Lang (2./38:17) und Tina Gröne (3./38:33).

Zwischenzeitlich versorgte die Reichenhaller Wasserwacht einen Jugendlichen, der beim Schwimmen einen Krampf erlitten hatte. Auch alle Helfer waren diesmal noch wichtiger als in den Vorjahren und machten ihre Arbeit gut. bit

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