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Daniel Bichlmann: »Es wird Zeit, die Reifen am Rad wieder aufzupumpen«

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Für Radprofi Daniel Bichlmann (vorne) soll es 2017 wieder aufwärts gehen. Er bleibt ein weiteres Jahr bei seinem Team Stradalli-Bike-Aid. (Foto: Team Stradalli-Bike-Aid/William Donnarel)
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Selbst im Urlaub kann Daniel Bichlmann nicht ohne Rad sein. Er kehrte erst vor wenigen Tagen aus Sizilien heim. »Und da waren wir natürlich schon auch mit dem Rad unterwegs«, erzählt er lachend. »Es ist einfach eine tolle Möglichkeit, ein Land zu erkunden.«


Dabei hätte Bichlmann jetzt eigentlich gerade seine wohlverdiente Pause. »Wir haben ein langes Jahr gehabt«, erzählt der Radprofi. Eines, an das er sich nur ungern zurückerinnert. »Sportlich war's ein Desaster«, gibt er unumwunden zu. »Ich habe kein einziges Rennen gewonnen.« Doch der 28-Jährige, der in Hörgering lebt, blickt jetzt nur nach vorne: 2017 soll es für ihn wieder aufwärts gehen.

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Immerhin mühte er sich im abgelaufenen Jahr redlich. »Deshalb habe ich auch wieder einen Vertrag für das kommende Jahr bekommen«, freut er sich. Er bleibt bei seinem Team Stradalli-Bike-Aid, das seinen Sitz in Blieskastel im Saarland hat und es sich zur Aufgabe gemacht hat, vor allem Fahrer aus Entwicklungsländern nicht nur eine sportliche Perspektive zu bieten. Bichlmann und die anderen europäischen Fahrer sollen ihren Teamkollegen dabei unterstützend unter die Arme greifen.

Trotz des eher durchwachsenen Jahres wurden auch andere Rennställe auf Bichlmann aufmerksam. Er hätte 2017 sogar nach Amerika wechseln können. »Das wäre eine superinteressante Option gewesen«, betont der ehrgeizige Athlet, der auch nach wie vor beim RSV Traunstein Mitglied ist. Aber er sei halt einfach ein Landei und fühle sich in seiner Heimat überaus wohl.

»Im Ausland ist man auch auf sich allein gestellt«, betont er. Über die Angebote habe er sich aber sehr gefreut und »ich bin nach diesem Jahr auch sehr stolz darauf gewesen«, fügt er noch hinzu.

»Das war kein gutes Omen für die Saison«

Das Jahr 2016 begann für ihn zunächst übrigens ganz gut. Auf Mallorca, Andalusien und Kamerun zeigte Bichlmann bei den Rundfahrten sein Können und seine Klasse. »Da hat's nach einem guten Jahr ausgeschaut«, erinnert er sich.

Doch dann kam Eritrea. Bei der dortigen Rundfahrt zog er sich im April eine Lebensmittelvergiftung zu. »Deswegen konnte ich im Mai kaum trainieren«, betont er. »Das war einfach schon kein gutes Omen für die Saison.« Denn danach kam Bichlmann einfach nicht mehr richtig auf die Füße. »Die Krankheit hat mir das Genick gebrochen.«

Es lief einfach nicht mehr so, wie es sich Daniel Bichlmann gewünscht hätte, auch wenn er mit dem Team schon noch den einen oder anderen Erfolg feiern konnte. Zum Schluss gab's mit der Teilnahme an der WM in Doha noch einen echten Höhepunkt. »Das Sportjahr ist damit für mich schön und erlebnisreich zu Ende gegangen«, sagt Bichlmann. »Es war sicherlich das Highlight meiner bisherigen Karriere.«

Für seine Mannschaft, die dank einer Wildcard in Katar beim Teamzeitfahren starten durfte, war's sportlich gesehen, allerdings nicht so prickelnd. »Wir haben schon nach wenigen Metern unseren ersten Mann verloren«, sagt Bichlmann. »Ob wir bei einer WM nochmals die Chancen bekommen werden, unser wahres Können zu zeigen, muss man sehen.« Mit der Saison könne sein Team aber durchaus zufrieden sein. »Wir haben sportlich schon einige Ausrufezeichen gesetzt.«

Für Bichlmann soll's 2017 nun ebenfalls wieder besser laufen. Sein Team hat sich ja auf die Fahnen geschrieben, »die großen Rennställe ein wenig zu ärgern«, sagt Bichlmann, »und genau das wollen wir erneut machen.« Er selber möchte dabei natürlich aktiv mithelfen und im neuen Jahr »mindestens wieder ein Rennen selber gewinnen.«

Und der Radprofi will auch unbedingt bei den Amateurrennen in der Region (»die sind auf einem sehr hohen Niveau«) wieder ganz vorne mitfahren – dort feierte er in den vergangenen Jahren tolle Erfolge, unter anderem gewann er etwa den prestigeträchtigen Rosenheimer Straßenpreis. Schließlich spürt er bereits jetzt, dass das Feuer für die neue Saison wieder da ist. »Es ist wirklich ein sehr spannendes Leben für mich«, betont der sympathische Sportler.

Und daher ist es für Bichlmann, der auch das Reisen liebt, goldwert, dass seine ganze Familie hinter ihm steht. Ja, mehr noch, sein Vater Robert Glaßl, selbst ein erfolgreicher Radfahrer (er fuhr von der Bayerischen Meisterschaft über den Deutschlandpokal bis hin zur Vize-Weltmeisterschaft der Senioren einen Titel nach dem anderen ein), trainiert noch immer regelmäßig mit ihm. »Durch ihn bin ich ja auch zu diesem Sport gekommen, er hat mir das quasi eingebrockt«, lacht Bichlmann.

Vorbereitung für die neue Saison startet bald

Und auch seine Arbeitgeberin, Kaminkehrermeisterin Claudia Rehrl, lässt Bichlmann die nötigen Freiräume, um seinen Sport professionell betreiben zu können. »Ich bin ihr extrem dankbar dafür«, sagt Bichlmann, der froh ist, auch bereits ein zweites Standbein neben dem Radsport zu haben. Auch wenn er den Sport – trotz der ganzen Schinderei – natürlich noch gerne einige Jahre auf diesem hohen Niveau ausüben möchte.

Und genau deshalb, »wird es jetzt auch langsam wieder Zeit, die Reifen am Rad aufzupumpen«, lacht Daniel Bichlmann. Noch im Dezember geht's nach Mallorca zum Grundlagentraining.

Im Januar wird in Südafrika trainiert. Dann wird Daniel Bichlmann freilich keine Zeit mehr dafür haben, sich die schöne Gegend, wie kürzlich in Sizilien, anzuschauen. Aber das macht ihm nichts aus: »Ich brenne für das Radfahren, für mich ist es ein verwirklichter Traum.« Und der soll 2017 wieder viele sportliche Höhepunkte haben. SB

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