Birnbacher entsetzt über Doping-Vertuschung

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Dem Ex-Biathleten Andreas Birnbacher aus Schleching platzte nach dem Abschlussbericht einer unabhängigen und externen Überprüfungskommission des Weltverbands IBU der Kragen. Die ehemalige Spitze des Biathlon-Weltverbands um Ex-Präsident Anders Besseberg soll bei der jahrzehntelangen Vertuschung russischer Dopingfälle »systematisch korruptes und unethisches Verhalten« an den Tag gelegt haben. (Foto: Wukits) Foto: Ernst Wukits

Mit deutlichen Worten hat der ehemalige Biathlet Andi Birnbacher auf den Abschlussbericht einer unabhängigen und externen Überprüfungskommission des Weltverbands IBU reagiert. Nach diesem Bericht soll der ehemalige Präsident der Internationalen Biathlon Union (IBU), Anders Besseberg, und die frühere Generalsekretärin des Verbands, Nicole Resch, russische Machenschaften, auch im Doping gedeckt haben.


»Ich bin richtig verärgert. Genau in dieser Zeit der Vorkommnisse bin ich Rennen gelaufen und konnte des Öfteren einige Leistungen von Athleten nicht nachvollziehen«, betont der Schlechinger. »Ich wünsche deshalb jedem, der diese Korruption toleriert und nur einen Hauch mehr als null Prozent Toleranz gegen Doping besitzt, folgendes zu beachten, was den Leistungssport betrifft: viele Jahre der Entbehrung, hartes Training bis zur absoluten Erschöpfung. Ich denke, die Leute wissen überhaupt nicht, was ein Athlet leisten muss, bis er absolute Weltspitze im Ausdauersport ist«, hebt der 39-Jährige hervor und legt nach: »Im Kampf um ein paar Sekunden geht man ans Limit und in vielen Fällen auch mal drüber. Manchmal kann man dann seine Leistung nicht bringen, weil die Erschöpfung zu groß ist.« Birnbacher schildert auch die Entbehrungen, die ein Weltklassesportler in jungen Jahren aufbringen muss. Da gibt es den Verzicht auf Treffen mit Freunden und Familie, den Verzicht auf Partys zu gehen sowie weitere Einschränkungen, dem Sport wird alles untergeordnet.

»Dafür durfte ich in den Rennen erleben, wie nachweislich gedopte Leute einen auf der Strecke überholten, unter Druck setzten und man verzweifelt versucht hat, vor einem Millionenpublikum nicht sein Gesicht zu verlieren«, ärgert sich Birnbacher auch Jahre nach dem Ende seiner sportlichen Laufbahn und spricht zum Beispiel Fehlschüsse am Schießstand an, weil er versucht hatte, sich an gedopten Sportlern läuferisch zu orientieren.

»Mit dem Abstand heute ärgert mich fast meine Naivität damals, die man wahrscheinlich an den Tag legen musste, um sich von dem Ganzen nicht ablenken zu lassen. Es gab viele Doping-Fälle in dem Athletenfeld, wo ich gelaufen bin. Da wurde nicht nur das Ergebnis, sondern auch die Rennverläufe kaputt gemacht. Das kann wahrscheinlich nur ein Athlet nachvollziehen, der sich mit maximaler Anstrengung auf der Runde bewegt«, schimpft der Sportler weiter. Abschließend bittet Birnbacher, der heute als Trainer arbeitet, alle Beteiligten, sich in die Athleten hineinzuversetzen und nicht nur auf ihre eigenen Interessen zu achten.

Laut dem Bericht der Untersuchungskommission ERC haben sich die Vorwürfe gegen die früheren IBU-Verantwortlichen erhärtet. Ex-Präsident Besseberg soll nach vorliegenden Beweisen russische Interessen bevorzugt und geschützt haben. Er soll offenbar keine Rücksicht auf ethische Werte genommen haben. Dafür soll er von den Russen mit Bestechungsgeldern, Jagdausflügen und Prostituierten belohnt worden sein.

Nicole Resch wird vorgeworfen, vor allem bei der Verfolgung von russischen Dopingsündern nicht konsequent gewesen zu sein. Anders Besseberg war 25 Jahre an der Spitze der IBU und hat 2018 sein Amt ruhen lassen. SHu

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