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Beim »Runden« auf Rundfahrt

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Der Siegsdorfer Radprofi Daniel Bichlmann (rechts) freute sich nach einer erfolgreichen Bergankunft mit dem Sprinter Lukas Carstensen über den Erfolg.

Seinen 30. Geburtstag feiert Daniel Bichlmann am heutigen Samstag in Ungarn. Und zwar bei der Arbeit. Der Radprofi aus Siegsdorf ist dort nämlich mit seinem Team Bike Aid auf der nächsten Rundfahrt. »Ich hoffe, dass ich mir heute in Form einer guten Platzierung selbst ein schönes Geschenk machen werde.«


Beinahe hätte es für ihn in diesem Jahr schon einmal zum Etappensieg gereicht. Bei der Irland-Rundfahrt im Mai war Daniel Bichlmann kurz vor Schluss plötzlich ganz vorn – und er griff an. »Doch so rund 50 Meter vorm Ziel bin ich dann doch noch überholt worden.« Am Ende wurde er Siebter. Und im ersten Moment »war ich schon sehr enttäuscht«, erinnert sich der Sportler, der auch noch als Kaminkehrer arbeitet.

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Schließlich bekommt Bichlmann nicht sooft im Jahr die Chance, dass er mal ganz vorne mitfahren kann. »Das sind vielleicht mal fünf Tage im Jahr, die Chancen will man dann natürlich auch nutzen.« Aber mittlerweile ist der Siegsdorfer mit seinem Topergebnis in Irland doch ganz zufrieden. Wie übrigens mit seiner ganzen Saison bisher auch.

Bichlmann fährt jetzt schon im fünften Jahr für das saarländische Profiteam Bike Aid – und ist damit seit der Gründung des Teams dabei. Auch für 2019 sind schon Gespräche geführt worden. »Und ich gehe mal davon aus, dass ich auch weiterhin beim Team dabei sein werde und ich auch weiterhin gern für Bike Aid fahre.« Schließlich, fügt Daniel Bichlmann hinzu, wisse er, was er an dem Team habe. »Ich kann mich da auf die Leute verlassen.« Und das Team eben auf Bichlmann.

Denn der Allrounder stellt sich immer voll und ganz in den Dienst der Mannschaft – und das nicht nur während der Rennen, sondern auch abseits der Strecken. Bike Aid hat sich ja auf die Fahnen geschrieben, gezielt Radsportler aus Afrika zu fördern. Bichlmann sieht sich deshalb manchmal auch in der Rolle des »Papa Schlumpfs« und gibt seinen Teamkollegen aus Afrika auch immer wieder gern viele nützliche Tipps mit auf den Weg – etwa, was die richtige und perfekte Rennvorbereitung betrifft.

Beste Stimmung in der Mannschaft

Die Stimmung in der Mannschaft ist jedenfalls hervorragend. »Wir haben wirklich eine Wahnsinns-Truppe zusammen«, findet der Siegsdorfer, der auch nach wie vor Mitglied beim RSV Traunstein ist. Die Saison ging für den sympathischen Sportler in diesem Jahr übrigens etwas später los als üblich – dafür gleich mit einer echten Herausforderung. Bei der Tour de Marokko Anfang April waren zehn Etappen zu fahren. »Das war praktisch für mich ein Kalt-Start aus dem Winter heraus«, sagt Bichlmann. »Aber es hat alles gut gepasst.« Mit Nikodemus Holler hatte Bike Aid am Ende im Gesamtklassement einen Fahrer auf dem 3. Platz. Bichlmann selbst wurde Gesamtsiebzehnter.

Nach der Rundfahrt in Luxemburg ging's für Bichlmann als nächstes dann eben nach Irland. »Auf allerhöchstem Niveau« seien die Rennen dort. »Nach dem Erfolg von Bradley Wigggins bei der Tour de France 2012 hat es dort einen Boom gegeben, der bis heute anhält.« Und auch für seine Mannschaft sei es optimal gelaufen. »Es war eigentlich jeden Tag einer von uns vorn dabei.« Die fünfte Etappe gewann mit Lucas Carstensen sogar ein Teamkollege des Siegsdorfers. »Das war richtig gut und wir haben perfekt zusammengeholfen. Das war einfach eine super Teamarbeit«, unterstreicht Bichlmann.

Im Anschluss ging's nochmal nach Luxemburg – ein echt hartes Rennen sei das, berichtet der ehrgeizige Radsportler. »Luxemburg ist bergiger, als man denkt.« Und nicht nur das. »Da sind viele echte Granaten am Start.« Es sei einfach cool, bei einer solchen Veranstaltung dabei sein zu dürfen, freut er sich.

Zuletzt war der Siegsdorfer nun drei Wochen in China unterwegs. Die Tour of Qinghai Lake, das größte Radrennen Asiens mit 14 Etappen und rund 2000 Kilometer über das tibetanische Hochplateau, ist für sein Team immer einer der Saisonhöhepunkte. Und Bike Aid feierte einige Top-Platzierungen, unter anderem fuhr Meron Abraham aus Eritrea auf der dritten Etappe als Dritter über die Ziellinie. Der Kenianer Suleiman Kangangi schaffte mit Rang 19 im Gesamtklassement am Ende gar eine Top-20-Platzierung. »Das war natürlich perfekt, einfach eine runde Sache.«

In diesem Jahr hat sich Daniel Bichlmann übrigens mehr und mehr von den Amateurrennen verabschiedet. »Das ist schon extrem schade, weil ich ja in dieser Szene auch groß geworden bin. Aber es bringt mich einfach nicht mehr weiter.« Zudem sei er bei diesen Rennen dann auch auf sich allein gestellt und die Erwartungshaltung an ihn sei extrem hoch. »Radfahren ist einfach ein Mannschaftssport. Allein ist man aufgeschmissen.«

»Wäre eine super Plattform gewesen«

Für sein Team Bike Aid gab's in diesem Jahr übrigens auch eine herbe Enttäuschung. Denn man wollte unbedingt bei der Deutschland-Tour (23. bis 26. August) dabei sein. Weil die Veranstalter aber ziemlich spät die Kriterien für das Rennen herausgebracht haben, konnte Bike Aid nicht mehr genügend Punkte bei diversen Europa-Rennen sammeln. Der Saisonplan der Mannschaft war bereits anders aufgestellt. »Das wäre schon ein Riesending für uns gewesen«, sagt Bichlmann. »Es tut richtig weh, dass wir da jetzt nicht dabei sind. Das wäre eine super Plattform gewesen.«

Für Daniel Bichlmann ist die Saison aber längst noch nicht beendet. »Im letzten Saisondrittel stehen noch extrem viele Rennen in China auf dem Programm«, sagt er. Jetzt ist er aber gerade in Ungarn im Einsatz. Und vielleicht klappt es ja heute zu seinem Geburtstag mit einem Top-Ergebnis. In Irland hat es in diesem Jahr ja auch schon geklappt. SB