Beim Extremlauf ganz vorn dabei

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Was für eine Leistung: Die Traunsteinerin Petra Arlt (rechts) stieg nach 18 Laufrunden als letzte Frau beim Austria Backyard Ultra im österreichischen Seekirchen aus. Da war's 3 Uhr morgen. (Foto: Veranstalter)

Petra Arlt läuft für ihr Leben gern – und viel und die Traunsteinerin ist dabei auch noch überaus erfolgreich unterwegs. Beim Austria Backyard Ultra im österreichischen Seekirchen gewann sie jetzt die Frauen-Wertung und schraubte ganz nebenbei ihre bisherige persönliche Bestleistung an gelaufenen Kilometern an einem Stück gehörig nach oben. »Es hat total Spaß gemacht«, erzählt Arlt im Gespräch mit unserer Sportredaktion. »Und es ist immer noch ein geiles Gefühl, als letzte Frau im Rennen gewesen zu sein«, ergänzt sie, »auch wenn ich es immer noch nicht so ganz glauben kann.«


Das Format des Backyard Ultras kommt ursprünglich aus Amerika und es ist eine extreme Form des Langstreckenlaufs über eine unbeschränkte Zahl an Runden. Eine davon hat dabei exakt 6,706 Kilometer. Die Läufer haben dafür jeweils genau eine Stunde Zeit, um diese zurückzulegen. Immer zur vollen Stunde wird eine neue Runde angefangen. Im Unterschied zu üblichen Läufen gewinnt nicht der Läufer mit der schnellsten Zeit am Ende, sondern Sieger wird, wer zuletzt aufgibt. Alle anderen Teilnehmer bekommen ein »dnf« also ein »did not finish« (übersetzt: nicht beendet).

In Seekirchen fand nun der zweite Lauf dieser Art in Österreich statt und für Petra Arlt war's sogar eine Premiere – und was für eine! Die 55-jährige Hobbysportlerin absolvierte sage und schreibe 18 Runden, hatte damit am Ende 120,70 Kilometer in 13:49,21 Stunden auf ihrem Konto stehen – und übertraf damit ihr gestecktes Ziel bei Weitem. »Als ich mich angemeldet habe, war mein Ziel zehn Runden«, erzählt sie bescheiden. »Denn damit hätte ich meine persönliche Bestleistung von 68 Kilometern am Stück übertroffen.« Doch jeder Teilnehmer konnte beim Lauf auch Plaketten sammeln, die es jeweils nach einer bestimmten Anzahl von Runden gab – für Arlt war vor dem Start deshalb klar: Es mussten mindestens 15 Runden werden, um eine zweite Plakette auf der sogenannten Surviver-Scheibe zu bekommen. Gesagt, getan.

Doch auch dann war für sie noch nicht Schluss. »Die meisten steigen nach dem Erreichen der zweiten Plakette nämlich aus dem Rennen aus«, erzählt sie. Doch das wollte sie nicht, sie wollte sich unbedingt noch ein wenig in der Ergebnisliste von der Konkurrenz abheben. Und die Traunsteinerin fühlte sich gut, auch weil »ich meine Runden bis zum Schluss sehr konstant gelaufen bin«, verrät sie ihr Erfolgsrezept. Die kleinen Anstiege auf der Runde entlang des Wallersees ging sie auch meistens, »um Kraft zu sparen«. Am Ende ihres Rennens hatte sie auf der leicht kopierten Strecke auch beachtliche 948 Höhenmeter gesammelt. Dennoch brauchte sie meistens nur um die 45 Minuten für eine Runde und hatte damit immer noch genügend Zeit, sich in den kurzen Pausen gut zu erholen. »Man zieht sich dann öfters um, isst was, ruht sich aus«, erzählt sie.

Sie zog diese Taktik bis zum Schluss durch und blieb so im Rennen, bis sie die einzige Frau war und damit den Titel »last woman standing« (übersetzt: letzte Frau, die steht) für sich beanspruchen konnte. Nach 18 Runden – mittlerweile war es da schon 3 Uhr nachts, der Start erfolgte übrigens um 9 Uhr vormittags – hörte sie auf. »Ich hätte noch weiterlaufen können«, erzählt sie. »Aber mir war bewusst, dass ich mit den Männern nicht ganz mithalten kann.« Mit Arlt stiegen auch noch zwei weitere Läufer aus. Vier Teilnehmer liefen weiter. Sieger wurde am Ende der Österreicher Wolfgang Michl, der es auf starke 26 Runden (174,35 Kilometer/14:37:12 Stunden) brachte.

Auch in der Mannschaftswertung mischte Petra Arlt mit ihren österreichischen Teamkollegen Adi Dax und Klaus Unterlercher ganz weit vorne mit. »Die Speed Turtels« belegten am Ende den vierten Platz. Die beiden Männer hörten beide nach 15 Runden auf. Mental sei das Laufen gerade in der Nacht auch eine Herausforderung gewesen, berichtet Arlt, die seit ein paar Jahren auch immer wieder erfolgreich bei Triathlons oder Trailruns startet. Waren die Bedingungen am Tag noch gut (trocken und heiter), wurde es in der Nacht mit dem Nebel richtig ungemütlich und auch anstrengend. »Ich habe nur noch den Lichtkegel von meiner Stirnlampe gesehen. Aber ich war so voller Adrenalin, dass mir das nichts ausgemacht hat.« Zudem sei die Stimmung genial gewesen. »Wir haben uns gegenseitig immer weiter gepusht.«

Schön fand sie die Veranstaltung auch deshalb, weil dabei Spenden gesammelt wurden. Ein Teil der Startgebühren ging an die Sonneninsel Seekirchen. Diese kümmert sich um die Nachsorge von Kindern, Jugendlichen und Familien, die von Krebs oder anderen schweren Krankheiten betroffen sind. »Das ist eine schöne Idee, die Kinder können jede Unterstützung gebrauchen«, findet die Traunsteinerin, die spontan auch mehr gespendet hat.

Übrigens tut Petra Arlt jeden Monat mir ihrem Hobby Gutes. Sie sammelt nämlich selbst auch fleißig Spenden für das Herzenswunsch Hospizmobil des BRK BGL-Traunstein, ÖRK Salzburg. Dafür sucht sie jeden Monat Laufpaten, die für jeden gelaufenen Kilometer Geld an die Einrichtung spenden. »Für dieses Jahr habe ich für jeden Monat einen Patengefunden«, berichtet sie stolz.

Und weil sie so viel Geld wie möglich sammeln will, gibt's für Petra Arlt auch nur eine kurze Verschnaufpause. Denn schon am Freitag wird sie erneut an einer Startlinie stehen und beim Trailrunning-Festival in Salzburg dabei sein. »Ich freue mich drauf«, sagt sie. Und einen Termin hat die Läuferin für 2022 auch schon fest im Kalender stehen: Beim Austria Backyard Ultra in Seekirchen will sie ihren Titel verteidigen. »Das war schließlich ein sehr glückliches ,dnf'.«

SB

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