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»Bayern-Power« begeistert die Zuschauer in Inzell

5.0
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Daniil Iwanow ist Weltmeister des Jahres 2014 im Eisspeedway. In der fast komplett vollen Inzeller Max-Aicher-Arena sicherte er sich nach Tagesplatz 4 am Samstag (Grand Prix VII) am Sonntag (GP VIII) nicht nur den Tagessieg, sondern auch das Punktemaximum und lag schließlich mit 151 Zählern vor Dimitri Koltakow (140) und Dimitri Khomisewitsch – die gleiche Reihenfolge hatte es 2013 gegeben.


Überschattet wurde das begeisternde WM-Finale von einem Sturz von Harald Simon: Dem Österreicher, gerade erst nach einer Verletzung wieder fit geworden, rutschte in seinem ersten Lauf das Hinterrad weg, und er fiel unglücklich auf den Rücken. Doch nachdem er am Samstag ins Krankenhaus musste, trat er am Sonntag sogar wieder an. Abermals stürzte er in seinem zweiten Lauf und konnte ausgerechnet in Inzell nicht mehr weitermachen, wo er im Vorjahr noch an beiden Tagen das Finale erreicht hatte.

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Neben den herausragenden Fahrten der russischen Piloten bejubelten die Fans aber vor allem die starken Leistungen der heimischen »Bayern-Power«. Denn alle vier Fahrer, die im Hauptfeld standen, zeigten erfreuliche Vorstellungen.

Sensationell ging es bereits am Samstag zur Sache: Günther Bauer (Schleching) – der nur zwei Wochen nach seinem Unterarmbruch bereits wieder mitmischte – und Hans Weber (Schliersee) erreichten sogar das Halbfinale, das Stefan Pletschacher (Ruhpolding) nur um einen Zähler verfehlte. Aber auch Max Niedermaier (Edling) zeigte gute Fahrten und begeisterte in seinem letzten Auftritt des Tages mit einem Laufsieg.

Tags darauf gewann Niedermaier Rennen Nummer 30 und machte sich ein perfektes Geschenk zum 26. Geburtstag. Noch besser: Er qualifizierte sich sogar für das Halbfinale, ebenso wie Bauer. Auch Weber fuhr stark, doch in Lauf 40 stürzte er nach toller Aufholjagd und konnte anschließend nicht mehr antreten. Pletschacher wurde am zweiten Tag mit vier Zählern Zwölfter und in der WM-Gesamtwertung sogar Neunter hinter Bauer.

Schon mit ihren ersten Vorstellungen hatten die heimischen Piloten für Begeisterung gesorgt: Bauer war hinter Sergej Makarow, aber vor Grzegorz Knapp (Polen) und Jan Klatovsky (Tschechien) ebenso Zweiter geworden wie anschließend Hans Weber. Der Schlierseer hatte sich beim Start klug verhalten und fuhr schon in der ersten Kurve auf Rang 2 vor, den der Wildcard-Pilot anschließend geschickt verteidigte.

Es folgte der unglückliche Lauf mit dem Sturz von Harald Simon. Im Wiederholungslauf sicherte sich auch Pletschacher Rang 2. Dass Max Niedermaier gegen zwei Russen und den besten nicht-russischen Piloten der WM, Stefan Svensson (Schweden) kaum einen Zähler holten würde, war klar. Dennoch zeigte der Edlinger schon hier, dass später mit ihm zu rechnen sein würde.

Einen Dämpfer gab es für ihn und Weber dann in ihrem zweiten Auftritt, als sie gemeinsam mit Pletschacher und Makarow auf der Bahn waren. Weber hatte einen technisch bedingten Ausfall, Niedermaier lag nach hervorragendem Start auf der 2. Position, fuhr aber am Kurvenausgang in die Strohballen. Im Wiederholungslauf wurde Pletschacher Zweiter. Günther Bauer wiederum musste sich in seinem Auftritt nur Igor Konjonow geschlagen geben und errang zwei weitere Zähler.

Für eine Sensation sorgte Weber in Lauf 10. Nach dem Start noch Dritter, attackierte er zunächst erfolgreich Günther Bauer, dann »schnappte« er sich auch noch Svensson und fuhr unter dem Jubel der Fans den Laufsieg ein!

Stark präsentierte sich anschließend Pletschacher, der sich im spannenden Zweikampf mit Grzegorz Knapp Rang 2 sicherte, ehe sich anschließend Niedermaier mit einem Punkt hinter Iwanow und Klatovsky begnügen musste.

In Lauf 14 feierte Günther Bauer hinter Dimitri Khomisewitsch Rang 2 vor Niedermaier. Anschließend startete Weber schlecht und lag auf Rang 4. Dimitri Koltakow war für ihn natürlich nicht einzuholen, aber nachdem er Sven Holstein überholt hatte, lieferte sich der Schlierseer ein packendes Duell mit Grzegorz Knapp.

Als er den Polen das erste Mal überholt hatte, konterte der WM-Stammgast noch, doch sensationell kämpfte sich Weber wieder vorbei und wehrte die folgende Attacke Knapps ab – Rang 2 und riesiger Beifall waren der Lohn. Anschließend zeigte Pletschacher einen hervorragenden Start, doch letztlich war »nur« Rang 3 drin.

In ihrem jeweils letzten Vorlauf waren Pletschacher und Bauer gegen Weltmeister Iwanow und Vizeweltmeister Koltakow natürlich ohne Chance. Im »internen« Wettstreit setzte sich der Schlechinger durch und hatte sich somit einen Platz im Halbfinale gesichert. Das gelang auch Weber, der in seinem letzten Vorlauf einen weiteren Zähler verbuchte.

Sogar einen Sieg holte sich Max Niedermaier: Er erkämpfte sich gegen Knapp und Lindström zunächst hauchdünn die Führung, baute diese aber allmählich aus und durfte sich über einen »Dreier« freuen.

Für Harald Simon kamen übrigens abwechselnd die beiden Reservefahrer Markus Jell (Altfraunhofen) und Franz Mayerbüchler (Inzell) zum Einsatz: Auch wenn sie dabei am Samstag ohne Punkte blieben, hielten sie ordentlich mit und sammelten wertvolle Erfahrungen für ihre Zukunft in der faszinierenden Sportart. Am Sonntag feierte Jell dann sogar einen WM-Punkt.

Dass die Deutschen – ebenso wie Svensson – in ihren Halbfinals chancenlos sein würden, war abzusehen. Zu beeindruckend war das, was das russische Quintett aufs Eis zauberte. Vor allem im Halbfinale 2 lieferten sich Khomisewitsch und Koltakow einen erbitterten Fight, den letztlihch der WM-Dritte des Vorjahres gewann. Im Finale aber schlug Koltakows Stunde: Khomisewitsch führte zunächst vor Iwanow und ihm, ehe der Titelverteidiger gerade noch einen Sturz vermeiden konnte und ans Ende des Feldes zurückfiel. Letztlich waren Koltakows Attacken erfolgreich und er holte sich den Tagessieg vor Khomisewitsch und Makarow. Iwanow, bis dahin mit Punktemaximum, ging hier leer aus.

Doch so ärgerlich dies für den 27-Jährigen war: Er konnte es verschmerzen, weil er in der Tageswertung nur einen seiner sieben Punkte Vorsprung auf Koltakow einbüßte und sich am Sonntag soverän den Titel sicherte.

Über hervorragenden Sport, starke Leitungen der heimischen Piloten und insgesamt 9100 Zuschauer an den beiden Wettkampftagen (sowie gut 500 im Training am Freitag) konnte sich die ausrichtende DMV-Landesgruppe Südbayern freuen. Daher hat man sich auch schon um das WM-Finale 2015 (14./15. März) beworben. Der Weltverband entscheidet darüber zwar wohl erst im Herbst, aber mit diesem Finale haben die LG Südbayern und ihre Fahrer perfekte Eigenwerbung betrieben. Walter Hohler