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Bald als Trio beim Weltcup in Inzell dabei?

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Eisschnelllauf als Familienangelegenheit: Das ist die Sportart in der Familie Dufter. Vater Pino war beim Weltcup in der Inzeller Max-Aicher-Arena als Sprecher dabei, seine Tochter Roxanne als Wettkämpferin – und ihr Bruder Joel war derweil bei der Junioren-WM in Norwegen unterwegs.


Für Roxanne Dufter gab es vor heimischem Publikum sogar einen Podestplatz: Sie wurde Dritte – wenn auch »nur« in der leistungsschwächeren B-Gruppe – über 1000 Meter.

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So konnte sie umso leichter ihren Sturz vom ersten Wettkampftag auf der 1500-Meter-Distanz verschmerzen. »Da lief es von Anfang an nicht rund, das war ein unruhiger Lauf«, beschreibt die Sportlerin des DEC Inzell das Geschehen.

Für die 22-Jährige war schon die Teilnahme in Inzell ein riesiger Erfolg. Denn vor gut zwei Jahren musste sie zunächst nach einem Unfall fast ein halbes Jahr mit dem Sport aussetzen. Danach schien es wieder aufwärts zu gehen – bis sie durch eine Lungenentzündung noch einmal vier Monate Zwangspause einstecken musste. Und das war die schlimmere Pause: »Nach der Verletzung bin ich einigermaßen wieder auf die Beine gekommen – nach der Lungenentzündung war die komplette Kondition weg«, erinnert sie sich.

So dauerte es lange, bis sie wieder in normalem Umfang trainieren konnte. Immerhin konnte sie nach ihrer schweren Verletzung den Kaderstatus sowie ihren Platz bei der Bundeswehr behalten. In Anbetracht der langen Pause »ist der jetzige Leistungsstand absolut in Ordnung«, freut sie sich. In der Saisonvorbereitung konnte sie mit dem Nationalteam üben. Als sie aber die Qualifikation für die Weltcups zunächst verfehlt hatte, »habe ich praktisch nur noch zu Hause trainiert«, berichtet die 22-Jährige. Doch dies tat sie mit Erfolg: Mit ihrem Heimtrainer Tristan Loy »haben wir etwas mehr Wert auf schnellere Einheiten gelegt, das hat gut funktioniert«, freut sie sich. Ab Ende des vergangenen Jahres kam allmählich die nötige Form, und in Inzell konnte sie bei ihrem Saisonabschluss sehr zufrieden sein.

Um in die leistungsstärkere A-Gruppe im Weltcup aufzusteigen, bedarf es noch weiterer Steigerungen. »In zwei Jahren« peilt sie diesen Aufstieg an, »vorausgesetzt, es kommen keine schlimmeren Verletzungen oder Erkrankungen dazwischen«.

Joel Dufter JWM-Vierter

Das Fernziel ist die Teilnahme an den Olympischen Winterspielen 2018. Ob das auch schon ihr Bruder Joel schaffen kann? Papa Pino Dufter dämpft die Erwartungen: Trotz aller starken Leistungen des 19-Jährigen in dieser Saison – unter anderem dem ersten Sieg beim Junioren-Weltcup in Bjugn (Norwegen) auf der 1000-Meter-Strecke – »ist es schon ein großer Schritt von den Junioren zu den Erwachsenen.«

Aber eine, für die der Bruder von Roxanne durchaus gerüstet scheint, zumal er 2013 seine Lehre abschloss und nun auch bei der Bundeswehr ist. Bei der Junioren-WM in Bjugn wurde er am vergangenen Wochenende über 1000 Meter in 1:13,54 Minuten Vierter. Rang 7 gab es in der Gesamtwertung über 500 Meter (zwei Läufe), den 23. Platz über 1500 m (1:56,72).

Joel Dufter hatte bei den Deutschen Mehrkampf-Meisterschaften der Junioren in Erfurt die ersten drei Strecken über 500, 1500 und 3000 Meter souverän gewonnen und den abschließenden 5000-m-Wettbewerb kontrolliert bestritten (3. Platz). Damit hatte er den Gesamtsieg eingefahren. Absolute Spitzenklasse stellt er jedoch in Deutschland auch im Shorttrack dar. »Er kommt vom Eishockey, da liegt ihm das«, berichtet sein Vater. Pino Dufter selbst war ja auch viele Jahre im Eishockey aktiv, unter anderem in Nürnberg, Regensburg und Kempten, und die Inzeller Eishockey-Mannschaft betreute er – mit Unterbrechungen – insgesamt gut 15 Jahre.

Als Hallensprecher fungierte er erstmals bei der WM 2005 in Inzell. Dufter, der als Sales Manager und Schulungsmanager einer internationalen Firma arbeitet, versucht dabei, »die Läufe ein wenig wie bei einer Fernsehübertragung rüberzubringen und die Zuschauer zu guter Stimmung zu motivieren. Heuer haben wir bei der A-Gruppe auch während der Läufe noch Musik dazu abgespielt«, berichtet er. »Bei den meisten Zuschauern kam das gut an, sogar die holländischen Zuschauer haben gesagt: »So etwas gibt es nur in Inzell.«

Auch die Sportler genießen die neue Art der Präsentation. »Man merkt schon bei der B-Gruppe jeden Anfeuerungsruf, bei der A-Gruppe ist das noch viel stärker – und in der Konzentration stört das wirklich niemand«, so Roxanne Dufter, die zusätzlich ein Sportmanagement-Studium in Erding absolviert. Das lässt sich mit dem Sport und der Bundeswehr gut kombinieren, »die meisten Aufgaben und Informationen bekomme ich übers Internet, nur zu den Prüfungen muss ich wirklich in Erding sein«, erläutert sie. Für Roxanne Dufter bedeutet das Studium zudem »eine gute Abwechslung für den Kopf«.

Doch nach drei Wochen Trainingspause geht es mit den Vorbereitungen für die kommende Saison los. Vielleicht klappt es ja bald einmal mit einem Start in der A-Gruppe in Inzell. Am besten mit Papa Pino als Sprecher und Bruder Joel als Wettkämpfer in der A-Gruppe der Herren.

Zwei Inzeller Geschwister am Start gab es schon diesmal beim Weltcup in Inzell. Olympia-Teilnehmerin Gabriele Hirschbichler (30) kam in der A-Gruppe über 1000 Meter auf den 16. Platz, ihr Bruder Hubert (23) wurde in der B-Gruppe Elfter über 1000 Meter und Neunter über 1500 Meter. So könnte es bald zu einer »doppelten Familienangelegenheit« beim Weltcup in Inzell kommen. who