Auftakt nach Maß für die TVT-Ringer

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Er begeisterte mit einem mutigen Ringstil: Daniel Flemmer (rotes Trikot) vom TV Traunstein. (Foto: Wittenzellner)

Einen Einstand nach Maß erwischten die Ringer des TV Traunstein in der Landesliga Süd. Zum Saisonauftakt fegten sie den ESV München-Ost mit 44:4 von der Matte.


Es war noch nicht alles so, wie man es vor der corona-bedingten Pause gewohnt war: die eine oder andere technische Überraschung, die neue Umgebung in der AKG-Turnhalle, der jetzigen Trainings- und Wettkampfstätte für den TVT und natürlich auch das für Ringer, Verantwortliche und Zuschauer gleichermaßen ungewohnte Gefühl eines Wettkampfes nach über eineinhalb Jahren Pause. Dafür ließ sich das Ergebnis für die Traunsteiner allerdings sehen lassen: Alle 14 ausgetragenen Kämpfe (sieben Gewichtsklassen in beiden Stilarten) beendeten sie Ringer als Sieger. Lediglich ein Erfolg konnte davo nicht in Punkte im Gesamtergebnis umgemünzt werden, da Georg Rasumny (66 kg, griechisch-römisch) das geforderte Gewichtslimit nicht brachte und sich so um den Lohn für seinen Schultersieg brachte.

Gut 50 Interessierte waren beim ersten Kampf seit Dezember 2019 mit dabei. Das von Alexej Patalaschko betreute Team kam trotz eines »Oldies« im Schwergewicht nur auf einen Altersdurchschnitt von 20 Jahren. Die Kämpfe:

57 kg: Justin Flemmer strich in beiden Stilarten die Punkte kampflos ein, da sein volljähriger Kontrahent Emrah Ismail zu schwer war.

61 kg: Daniel Flemmer zeigte zwei beherzte Auftritte und ließ sich auch von zeitweisen Rückständen nicht nervös machen. Mit Schwunggriffen im klassischen Stil (gegen Thomas Müller) und mit Beinangriffen im freien Stil (gegen Mahmutjan Ruslan) legte er seine Gegner nach spannenden Mattenduellen jeweils aufs Blatt.

66 kg: Bashar Ramo zeigte im freien Stil schöne Techniken, denen sein Münchner Kontrahent Maximilian Becker mit zunehmenden Kampfverlauf wenig entgegenzusetzen hatte, und sich mit hoher technischer Überlegenheit (22:4 Punkte) geschlagen geben musste. Im klassischen Stil geriet Georg Rasumny gleich nach wenigen Sekunden in Schwierigkeiten, drehte dann aber den Spieß um und legte diesen aufs Blatt.

75 kg: Wenig von seinem mutigen Kampfstil konnte Andreas Dik gegen Jamshid Shabiri zeigen, den er mit der ersten Aktion mit einem Kopfzug schulterte. Dagegen zeigte Saber Mansuri, dass ihm der gewichtsmäßige Aufstieg in die nächsthöhere Klasse nicht geschadet hat: Mit überlegten Aktionen, schönen Beinangriffen und Schrauben war er gegen den Münchner Mohammed Hussaini stets Chef auf der Matte und siegte mit 14:0 Punkten.

86 kg: Eine Augenweide war das Freistilduell des Hallabruckers Luca Zeiser gegen Mohammed Hussaini. Zeiser überraschte seinen Kontrahenten schnell mit einer Schleuder und setzte nach einem Takedown zu drei Aushebern an – 16:0 Punkte (technische Überlegenheit) nach gut vier Minuten Kampfzeit. Im klassischen Stil wurde gegen den Münchner Jamshid Shabiri nach einem Schwunggriff Zeisers in den ersten Sekunden der Begegnung frühzeitig Schluss.

98 kg: Igor Dereszewski überzeugte wieder mit einem unkonventionellen Ringstil. Zwar musste er sich beim ungewohnten griechisch-römisch-Duell noch richtig strecken, um sich mit einem 5:5 bei letzter Wertung gegen Fintan Blessinger durchzusetzen, konnte im freien Stil aber kurz nach der Rundenpause den Sack mit einem Schultersieg zumachen.

130 kg: Im freien Stil zauberte der TVT mit dem 40-jährigen Mazedonier Igor Tomov eine Überraschung für Zuschauer und die gegnerische Mannschaft aus dem Hut. Tomov, der vor zehn Jahren in der Bayernliga Kämpfe erfolgreich für den TVT bestritten hatte und auf einige nationale Titel in seiner Zeit als Kaderringer verweisen kann, bekam es mit dem 15 Kilogramm schwereren Münchner Thomas Müller zu tun, den er im freien Stil mit 14:2 sicher auspunktete. Im klassischen Stil behielt er mit 4:3 knapp die Oberhand.

Nach zwei Stunden »Ringen live« sah man beim TVT nur zufriedene Gesichter. »Natürlich freuen wir uns über das gute Ergebnis. Aber letztlich ist es wichtiger, dass wir unseren Sport überhaupt wieder ausüben können und Zuschauer mit dabei sind« freute sich TVT-Abteilungschef Hartmut Hille. Er ist sich aber auch darüber im Klaren, dass die schweren Gegner für die Traunsteiner erst noch kommen werden. In zwei Wochen steht der nächste Heimkampf auf dem Programm: Dann gastiert der ATSV Kelheim in der AKG-Turnhalle.

awi

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