weather-image

»Auch die Region wird vom Nachwuchsleistungszentrum enorm profitieren«

0.0
0.0
Bildtext einblenden
Ludwig Trifellner ist nicht nur Fußball-Abteilungsleiter beim SB Chiemgau Traunstein, sondern auch Leiter des BFV-Nachwuchsleistungszentrums, das der Verein nun schon seit einem Jahr erfolgreich betreibt. (Foto: Brenninger)

Seit einem Jahr nun hat der SB Chiemgau Traunstein eines von 18 Nachwuchsleistungszentren (NLZ) des Bayerischen Fußballverbands (BFV). Nach der ersten Saison zieht SBC-Abteilungsleiter und Leiter des NLZ, Ludwig Trifellner, nun Bilanz – und die fällt durchwegs positiv aus. »Es ist eine unglaubliche Möglichkeit für die Region«, betont er. Und der Sport-Vorstand des Vereins, Manfred Wudy, ergänzt: »Wir können sehr stolz darauf sein.« Das Traunsteiner Tagblatt wird das NLZ des SB Chiemgau in den nächsten Wochen in einer Serie nun einmal genauer vorstellen.


In den vergangenen Jahren wurde die Talentförderung in Deutschland immer weiter verfeinert. Zunächst gab es die DFB-Stützpunkte, die mit der Saison 2002/2003 ins Leben gerufen wurden. Auch in Traunstein ist ein solcher beheimatet und auch das Torwart-Ausbildungszentrum für den Bereich Süd befindet sich hier. Jeden Montag wird an den DFB-Stützpunkten zusätzlich zum normalen Vereinstraining eine Einheit mit DFB-Trainern angeboten. Mitmachen können dabei Spieler aus allen Vereinen, die beim Sichtungstag – der nächste ist übrigens am 16. Juli für den Jahrgang 2006 – bestanden und eine Einladung für das Stützpunkttraining erhalten haben.

Anzeige

Dem Bayerischen Fußballverband ging das in Sachen Talentförderung aber noch nicht weit genug – und er baute in den vergangenen Jahren zusätzlich zu den DFB-Stützpunkten noch eigene Nachwuchsleistungszentren auf. Mittlerweile gibt es davon eben 18 Stück in ganz Bayern.

Lob für die geleistete Arbeit gibt es dabei von höchster Stelle. »Wir sind mit der Arbeit unserer Partnervereine sehr zufrieden. Unsere Talente werden an allen Standorten auf hohem Niveau professionell gefördert und auf eine mögliche Karriere im Profifußball vorbereitet«, sagt BFV-Vizepräsident Reinhold Baier. Darüber hinaus betreiben die Fußball-Spitzenvereine wie etwa der FC Bayern München noch eigene Nachwuchsleistungszentren, in der die Top-Talente Deutschlands sich ein Stelldichein geben.

Aufgabe jedes NLZ ist es, den Talenten die Möglichkeit zu geben, den Sprung auf die große Bühne zu schaffen, ohne dass die Themen Bildung und soziales Umfeld vernachlässigt werden. » Wir wollen den Spielern die Türen öffnen«, betont Trifellner, »durchgehen müssen sie dann aber selber.« Er verdeutlicht auch, wie wichtig die Förderung bereits in ganz jungen Jahren ist: »Die Grundbasis, um später wirklich eimal den Durchbruch im Profibereich zu schaffen, wird schon im Jugendbereich gelegt.«

Schulstadt Traunstein bietet ideale Voraussetzungen

Durch die Schaffung der NLZ haben die Talente einen großen Vorteil – etwa werden die Wege kürzer: »Die Buben und Mädchen müssen nicht mehr wie noch vor ein paar Jahren so früh von zuhause weg, um in München oder anderswo zu trainieren«, stellt er klar. Zudem biete sich der Standort Traunstein einfach auch an, schiebt Manfred Wudy hinterher. »Traunstein ist ja Schulstadt, wir haben hier ein neues und modernes Vereinsgelände. Das sind beste Voraussetzungen.«

Für den SB Chiemgau bedeutet das Nachwuchsleistungszentrum aber auch einen erheblichen Mehraufwand. Denn der BFV hat strenge Kriterien, die Jahr für Jahr aufs Neue erfüllt werden müssen. In einigen Bereichen ist der Club aber jetzt schon top – etwa im Sektor Gesundheit. »Da hat uns Dr. Felix Brych (der Schiedsrichter ist Abteilungsleiter Talentförderung im BFV, Anm. d. Red.) gesagt, dass wir bereits Bundesliganiveau erreichen«, freut sich Trifellner. Sein Vorgänger in der Abteilungsleitung, Rainer Hörgl, und Peter Wimmer, der DFB-Stützpunktkoordinator für Südbayern, haben übrigens die Initialzündung für das NLZ in Traunstein gegeben.

Jeder verletzte Spieler des SBC muss umgehend an Lenz Plötz, den Leiter des sportmedizinischen Bereichs im NLZ gemeldet werden, der wiederum kümmert sich dann um die weitere Koordination. »Innerhalb von 24 bis 48 Stunden hat der Spieler dann einen Termin bei einem Arzt oder für weitere Untersuchungen«, sagt Trifellner nicht ohne Stolz. Davon profitiere der Spieler, »der damit nicht ewig in der Reha sein muss.«

Und auch in Sachen Übungsleiter gibt es einen hohen Standard zu erfüllen. »Sie müssen dementsprechend ausgebildet sein«, sagt Trifellner. Ja, mehr noch: »Sie haben eigentlich einen Sechs- bis Sieben-Tagesjob zu erfüllen.« Denn der BFV möchte, dass die Trainer beispielsweise die Einheiten und die Spiele in einem Portal genauestens vor- und nachbereiten. Zudem stehen unter anderem auch regelmäßig Gespräche mit den Spielern und den Eltern sowie Spielbeobachtungen an.

Das Nachwuchsleistungszentrum des SBC ist übrigens nicht nur für Buben gedacht. Auch Mädchen können dort Fuß fassen. »Wir haben gerade einige Mädchen bei den G- und F-Junioren dabei«, betont Trifellner. Ziel sei es, in jeder Jahrgangsstufe einmal eine Mannschaft zu stellen, die leistungssportmäßig trainiert. »Also, für sie gibt es dann eigentlich nur noch Schule und Fußball«, formuliert es Trifellner. Er weiß aber auch, dass das noch dauern wird. »Das ist in jedem Bereich auch eine Umstellungssache, das geht auch nicht alles von heute auf morgen.«

Partnerschaftliche Kontakte zu den Nachbarvereinen

Der BFV gibt übrigens den Vereinen genau vor, dass pro Mannschaft nur 15 bis 16 Spieler im Kader stehen dürfen, um eine bestmögliche Ausbildung zu garantieren. »Wir können also gar nicht so viele Spieler verpflichten«, entkräftet Trifellner damit den Vorwurf, den er und sein Team immer wieder zum Hören bekommen. Eben, dass der SBC den Vereinen aus der Region die Spieler wegnimmt. »Aber natürlich wollen wir einmal die besten Spieler der Region bei uns haben.« Das sei vom BFV auch so gewünscht. Man wolle aber zu den Vereinen im Umkreis ein gutes Verhältnis pflegen und strebe daher auch partnerschaftliche Kontakte an.

Und Trifellner zeigt sich überzeugt davon, dass »auch die Region vom Nachwuchsleistungszentrum enorm profitieren wird.« Denn, fügt der ehemalige Torwart des FC Bayern München hinzu, »es kommen auch nicht immer alle nach ganz oben oder schaffen den Sprung in unsere Erste, diese Spieler gehen dann oft zu ihren Heimatvereinen zurück – aber eben besser ausgebildet.«

Und auch der SBC wird immer wieder die Top-Spieler an die Bundesliga-Nachwuchsleistungszentren abgeben müssen – so wie es nun bereits ein paar Mal der Fall war. »Aber das ist ja auch unser Anspruch«, betont Ludwig Trifellner. Und es sei letztlich ja auch eine Auszeichnung für den Verein. »Vielleicht bringen wir ja auf diesem Weg auch einmal einen Bundesligaspieler hervor.« SB

Mehr aus Traunstein
Mehr aus Traunstein
Einstellungen